Fliegende Blätter — 3.1846 (Nr. 49-72)

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langen Degenklingen mochten nicht mehr blank aussehen: an den
Lederkollern setzte sich da und dort Schimmel an, und die weiten
Pluderhosen hatten im Ungemach des Wetters ihre ursprüngliche
Farbe verloren, indeß die Schuhe des einen und andern, be-
schmutzt und bestaubt von manches Landes Grund und Boden, .
in die Länge nicht mehr auszuhalten drohten. Wie sie nun in
der Hitze den staubigen Weg entlang zogen auf ihre Hellebarden
gestützt, die einen schweigend und finster, indeß andere gräuliche
Flüche ausstießen oder vor sich in den Bart brummten, kamen
sie in einen Wald, an dem hin ein Bächlein durch Erlen und
schattiges Gebüsch rieselte. Hier beschlosien sie einstimmig Halt
zu machen und im Schatten zu ruhen, bis die Hitze nachgelassen, ,
um dann ihren Weg gemächlicher fortsetzen zu können. Aber
keinem wollte das langweilige Daliegen im langen kühlen Grase
behagen, noch weniger der Schlummer; denn sie waren solch
müßig Leben nicht gewohnt. Ja,-wenn einige Füßchen Wein,
Schinken und Braten nebenbei gelegen wären, dann möchte es
ihnen noch erträglich gewesen sein, und sie würden jubilirt und
geschmaußt und gezecht haben, bis kein Tröpflein Wein mehr im
Faß und kein Bröcklein von Schinken und Braten zu sehen ge-
wesen wäre, so aber wälzten sie sich hin und her, und da und
dort langte ein Paar die beinernen Würfel aus dem Proviant-
ranzen, und würfelte auf dem am Boden ausgebreiteten Mantel,
blos um die Ehre des höheren Wurfes, indeß andere aus dem
kühlen Bächlein mit den eisernen Hauben schöpften, und zum ersten-
male, vielleicht seit vielen Jahren, Waffer tranken, das den Wein
gewohnten Kehlen gar nicht munden wollte. Doch, den einen
war bald verleidet das Spiel ohne Gewinnst, und den andern
der Trunk ohne Saft und Kraft, und cs kehrte die alte
Langeweile wieder.

Da sprach einer, dessen Gesicht dergestalt zerfetzt und zer-
hauen war, daß kaum mehr ein gesunder Fleck darin zu finden:
„Kameraden! der schwarze Wolfgang muß uns nun einmal kund !

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Zeitungsexpeditionen angenommen.

HP

r«.

Grauröckleins Gäste.

Ein Häuflein Landsknechte kam so eben aus des Cölner
Bischofs Landen, und zog still und mißmut hig des Weges; die
Gesellen hatten in der unglücklichen Fehde mit dem Bayerfürsten
gar wenig für ihren Säckel erbeutet, und wußten heute nicht,
wo sie morgen zu nagen und zu beißen fänden, und mit dem
Herrendienst sah es zur Zeit schlecht aus, da der Kaiser im
ganzen heil, römischen Reiche Landfrieden hatte ausrufen lassen,
wegen der drohenden Gefahr an der Reichsgränze von Seite des
Türken, und mit den Kruminsäbeln zu kriegen, dünkte den
Kriegsmännern das Letzte, zumal da für durstige Kehlen und
hungrige Mägen wenig in dein verheerten Lande zu hoffen war.
Ihre Hellebarden und Stahlhauben waren ganz verrostet, und die

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Grauröckleins Gäste."
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Schmolze, Carl Hermann
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Trinken <Motiv>
Weinfass
Karikatur
Tod <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 3.1846, Nr. 53, S. 33 Universitätsbibliothek Heidelberg
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