Fliegende Blätter — 33.1860 (Nr. 783-808)

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Pfahl möglicher Weise heute nur um einen halben Zoll
sinken zu sehen. Darüber erschrecken der Herr Amtmann ge-
waltig, denn der Winter steht vor der Thür, die ersten Nacht-
fröste haben sich bereits gezeigt und durch Einstellung der Ar-
beiten würde die Eristenz der ganzen Brücke gefährdet sein. —
Als der Schwanzmcistcr nun aber trotz allen Zuredens keinen
Zoll breit bewilligen will, da ergrimmen der Herr Amtmann und
! sagen, wenn der Pfahl im Anfang täglich. über einen Fuß
geruscht sei, so müsse er es auch jetzt, er werde Morgen früh
abermals eine genaue Messung vornehmen und die ganze Mann-
schaft zum Teufel jagen, wenn der Pfahl alsdann nicht min-
destens einen Fuß tiefer eingetriebcn sei. Der Schwanzmeister aber
machte bei dieser Rede ein sehr betrübtes Gesicht und um dem
Manne nicht alle Courage zu nehmen fügen der Herr Amt-
mann hinzu: für jeden Zoll, der über das bestimmte Maß
erreicht würde, solle jedem Arbeiter ein Quart Nordhäuscr
Getreidekümmel verabfolgt werden, —dem Schwanzmeister

' Fortgang der Arbeiten und inspiziren jeden Morgen den Bau-
platz. Indessen macht der Pfahl, welcher im Anfang täglich
einen Fuß und darüber in die Erde sank, plötzlich Halt und
cs will dem Herrn Amtmann bedünken, als ob die Mannschaft,
welche im Taglohne arbeitet, die Sache absichtlich verzögere. DcrHerr
Amtmann äußern ihren Verdacht gegen Niemanden, besteigen,
aber nach Feierabend, als die Arbeiter fortgegangen, mit
Lebensgefahr daö Gerüst und nehmen eine astronomisch genaue
Messung der Pfahlhöhe mit Hilfe ihres Rohrstockcs vor. Am
folgenden Abend wird die Messung wiederholt und es stellt
sich nun heraus, daß der Pfahl im Laufe des ganzen Tages
kaum einen Zoll tief cingctricben nmrde! Der Herr Amt-
mann lasse» daher sofort den Werkführer an der Ramme,
vulgo Schwanzmcister, zu sich in ihre Wohnung bescheiden,
um demselben gehörig die Leviten zu verlesen. Der Schwanz-
meister behauptet indeß, es sei keine Menschenmöglichkeit, die
Sache rascher zu betreiben, das Flußbett sei eitel Kies und hart
Gestein und der Herr Amtmann möge darauf gefaßt sei», den

Herr Amtmann, „sieht Er wohl, Schwanzmcister, der Mensch
kann Alles, wenn er nur ernstlich will! Jetzt wollen wir die
Sache ein Bissel forciren! — Mit dem Nordhäuser Kümmel
bleibt es, wie verabredet, wenn aber bis Morgen früh nicht wieder
scchszehn Zolle mindestens erreicht sind, ziehe ich ihm für jeden
fehlenden Zoll einen Thaler vom Lohn ab und damit Basta!"
Der Herr Amtmann entfernten sich hierauf, der Schwanzmeister
aber kratzte sich hinter den Ohren und ging schweigend an sein
Tagewerk. — lieber Nacht tritt Frostwetter ein, und der Herr
Amtmann begeben sich gegen Tagesanbruch mit sorgenschwerem
Herzen zum Bauplatz, denn die Vollendung des Eisbrechers ist
bei ihnen zum point ä'Iionnour geworden. Der Pfahl ist
abermals um s e ch s z e h n Zolle gesunken, allein der
Schwanzmeister wird jetzt hartnäckig und behauptet, man sei

aber zwei! — worauf sich letzterer, sichtlich erheitert, entfernt.
Am nächsten Morgen ergab sich bei genauer Untersuchung, daß
der Pfahl im Laufe des vorigen Tages um ganze scchszehn
Zoll tiefer eingetriebcn war! „Aha—a—a—!" riefen der

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"Einfache Lösung einer schwierigen technischen Aufgabe"
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Fliegende Blätter
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G 5442-2 Folio RES

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München

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Sammlung Eingang

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Thema/Bildinhalt (GND)
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Arbeiter <Motiv>
Amtmann
Brückenbau
Gespräch <Motiv>
Karikatur
Hund <Motiv>
Messung <Motiv>
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Fliegende Blätter, 33.1860, Nr. 787, S. 34 Universitätsbibliothek Heidelberg
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