Fliegende Blätter — 33.1860 (Nr. 783-808)

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Aber ganü begeistert war mein lieber Frcind Kohle, welcher
schon die Begebenheit in verschiedene Bilder abgcsaßt hatte,
welche man wirkliche Meisterstücke nennen konnte.

„Lieber Graf," sagte immer Kohle zu mir, „baß auf,
mit dieser Lorelei wcrdcn wir gewiß etwas erleben. Ach, wenn
| wir nur erst da wären!

Unsre Erwartung stieg immer höher, als cs auf einmal
hieß: „Da ist die Lorelei." — „Wo denn?" fragten wir ganz
erstaunlich, weil wir nichts Auffallendes nicht sahen. Nun da
vorne, sehen sie denn den Felsen nicht?" sagte ein Herr. „Dh
ja," sagte ich, „den sehe ich so ziemlich ohne bewaffnetes Auge;
aber ist denn nicht sonst noch etwas dabei los?" — „Nein,
das ist Alles," sagte man mir als Antwort und sah mich
dabei verachtungsvoll an, daß ich so fragen konnte.

Da waren wir freilich schon ein Bischen in unsre Hoff-
nung getcisckt, weil wir uns durch das viele Gerede, Gedichte,

Zum Ersatz für geteischtc Hoffnungen hat man an der
Lorelei noch ein Echo angebracht und wird gegen ein Trink-
geld dieses durch Bellcrschüffe von die Dambsschiffsmattrosen
aufgeweckt.

ES war schon Abend geworden, wie wir in Goarshausen
abstiegen und bei dem Herrn Adlerwirth ein delikates Abend-
dincb cinnahmrn und durch ein gutes Gläschen Wein unsere
verlorene Stimmung nach und nach wiedersandcn.

Wir mußten einen ganScn Tag in Goarshausen bleibe»,
dann aber ging eS wieder auf das Dambfschiff, wo man vor
lauter schöne Gegenden gar nicht zur Besinnung kommt. Da
ist die große Ruine Rheinscls, was die Herrn Franzosen zer-
stört haben; die Katze, die MauS, die zwei Arider, ebenfalls
durch die Franzosen hier als Ruinen hergcstcllt. Die schönen
Sagen aber, von diese alten Burgen habe ich mir bloS ober-
stcchlich aufschreibcn können, weil man überall so rasch daran

Herrn Grass Nheinreisetagebuch.

(Fortsetzung.)

Gesinge, Geniale einen so übersbannten Begriff eingebildet i
hatten, waS hier Alles mißte zu sehen sein. Kohle hatte aber '
noch immer die Hoffnung auf Mchrcres und beredete mich,
daß wir in Goarshausen absteigen sollten.

Es muß wohl auch die meisten andern Baffaschierc so
ergangen sein wie uns, denn ihre Blicke suchten mit offenem
Munde vergeblich an den Felsen hin und her. Nur ein baar
Duzend Engländer, die nicht hinsahcn, sondern blos die Be-
schreibung davon in ihre rothcn Bücher lasen, waren ganS
cntzickt und schrien einmal über daS andere: „oh budefull,
budefull!“ Was dieses heißen soll, weiß ich nicht. Vielleicht
meinten sie die Bude von die Eiscnbahnarbeiter gleich unten
an der Lorelei, aber auch an dieser habe ich nichts Besonderes
sehen können.

2S

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herrn Grafs Rheinreisetagebuch"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Nixe
Fluss <Motiv>
Maler <Motiv>
Malerei <Motiv>
Karikatur
Ertrinken <Motiv>
Hilferuf <Motiv>
Loreley
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 33.1860, Nr. 804, S. 169 Universitätsbibliothek Heidelberg
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