Fliegende Blätter — 33.1860 (Nr. 783-808)

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Herrn Grass Rheinreisetagcbuch.

blos mit Feisten und Stöcken gemacht lverden that. Ich hatte
also schlicßlicht bei diese industerielle Angelegenheit nicht allein
viel Geld, sondern auch einen Rvckschoos und die Hutkrämbfe
eingebüßt und weiter nichts nicht als eine zerbrochene Ribbe
davon getragen.

enn der Geist und der Körper recht
zerrittelt und verstört sind, so sehnt sich
Einer allemal mit verdoppelter Schn-
sichtigkcit nach einer Abwechslung in
das gcwehnlichtc irdene Lebensdasein.
So erging es auch mir, lvie diesmal
der Sommer sich anbrach, denn der acht-
zehnhnndertsechzigjährlichte Winter hatte
schlimme Erinnerungen genug für mich
in seinem Schoos getragen, was ich so-
wohl an meinem feuerfesten Geldschrank,
als wie auch an mein etwas beschäd-
lichtes Rickgrade noch jetzt fühle. Aber
an allen Diesen war nicht die Liebe
schuldig, wie ein alter boetischer Dichter
sich ansdrückt, sondern blos die Dresdener Rumfabrike, wobei
ich mich mit vielen Akzien betheiligt hatte, weil in den Brokramme
i den Herren Akzivnären viele hundert Brozentner Verdienst
versprochen worden waren. Sic wollten nämlich den ächten
Jamaikarnni jetzt in Dresden verfabriziren; aber ach — auf
einmal that cs heißen: cs wäre mit die ganse ächte Rum-
fabrike blos Essig! Nun wurde also eine Generalsammlung
der Akzionäre veranstaltet, wo sich das Uebrigte finden sollte.
Es fand sich aber gar kein Ucbrigtes nicht, sondern aber gar
nichts fand sich nicht mehr, weil das ganse Geld alle oder
verdistellirt lvar. Hierdarüber entspannte sich nun eine soge-
nannte Dewatte, wobei man aber sehr viel Verwundete und
Bläsirte zählte, weil die Abstimmung nicht mündlich, sondern

Zur Erholung von so viel Kummer und Leiden beschloß
ich also in Gemeinschaftlichkeit mit meinem Freinde Kohle
hinaus zu reisen in die Ferne, aber wo möglich in eine Ge-
gend, wo es keine Rumfabriken nicht geben thäte. Nach kurze
Ueberlegung erwählten wir uns den alten Herrn Vater
Rhein zu unser Reiseziel, da man dort mit eine schöne Ge-
gend auch den so sehr berihmten Rebensaft verbinden kann.
Wenn man ihn gleich aus der Quelle trinkt, so ist dieses doch
etwas ganz Anderes, als wenn er erst durch, sechs oder acht
Weinhändler hindurch geht, wobei er immer verfälschter wird.
Auch die vielen Erinnerungen aus die alte graulichte Ritter-
zeit zogen mich sehr an sich und kann man dieses auch in
keinen andern Länderstriche so gut geniesen, wie an die Ufer
des Rheines.

Und so setzten ivir uns auch vergnigten Muthes und
voll froher Erwartung in Bewegung.

1V

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herrn Grafs Rheinreisetagebuch"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Rum
Maler <Motiv>
Verlust
Absprache
Schlägerei
Malerei <Motiv>
Aktionär
Initiale
Karikatur
Reisender <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Bewohnte Initiale
Staffelei <Motiv>
Händedruck <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 33.1860, Nr. 792, S. 73 Universitätsbibliothek Heidelberg
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