Fliegende Blätter — 33.1860 (Nr. 783-808)

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Herrn Grass Rheinreisctagebnch.

iFortsetzung-i

Wie der Herr König Jerum in Kassel eingezogen war
und im Schlosse das erste Mal zu seinen Fenstern hinaus-
sehen that, da erblikte er den oben angeführten Herrn Landes-
oatcr, wie er als Marmohrmoamcnt ans dem Fricdrichsblatze
dastand. Da wurde Jernm gans böse und aufgebracht und gab
in das gebrcchlichtc Tentschfranzösisch, welches er sbrechen that,
an seine Umgebenheit den Befehl:

„Allez huit, Bucker, scliaffez moi diesen alten vieu
gärson aus die visage, moi will ranimel plasir selbst le
moament, moi!“ Welches so viel heißen sollte: daß auf die
Stelle gleich der Marinohrkurfürst mußte hinwcggeschasst werden.

Und so wurde es auch! Ter seligte Herr wurde in Stroh
cingebackt und kam ans das Ruinbelkammerkabinet.

Aber noch ehe sie den Herrn König Jerum fertig hatten
ausmciscln können, so mußte dieser blötzlicht von wegen den
Folgen eines sehr schlechten Geschäftes, tvelches sein Herr-
Bruder Kaiser auf die Leibziger Messe gemacht hatte, auch

seine eichenen Regicrungsgeschäfte blötzlich über Nacht anfge-
ben und er entfernte sich, ohne Abschied zu nehmen, heimlich
von seine geliebten Westfehler Unterthanen, ivelche mit Ju-
bel nun den alten Herrn Papa Landcsvater wieder auf das
Moament setzten. Denn diesen Herrn König Jerum hatten
sie aus Herzlichkeit satt und überdrießlich, da er womöglich
noch schlechter gewesen war, als wie die Vergangenheit.

Wenn nun auch sbätcr die wahren friheren Wcstfehlcr
Unterthanen wieder abgetrennt wurden von dem Lande Hessen,
so behielten dieses letzteren Bewohner dennoch die Schinkcn-
fabrikazion als Lieblingsbeschäftigung bei, da sie einmal an
die Schweinezucht sich gewöhnt und darin eingerichtet hatten,
welches noch bis ans den heiligen Tag ebenso ist.

Ein wirklicher Glansbunktnm von die kurhesslichte Resi-
denzstadt Kassel ist der sogenannte Augarten, tvas man un-
gefähr bei uns auf Deutsch übersetzt eine Bromenade nennen
würde, nur daß der Augarten auch zum Exerzizium von das
Milithcer benutzt wird. Es gibt hier Beime und Gestreichcr
von alle möglichen Sorten, tvas ordentlich von die natirliche
Anlage zum Bersteckens eingerichtet zu sein scheint.

Aus frihcrcr Zeit, wo noch der König Jeruin nicht die
so dcleckate Mode aufgebracht hatte, daß man sich in Bull-
john oder auch in Rothwein baden that, gibt es noch im
Angarten ein sehr schönes Gebeide, welches das Marinohrbad
heißt und wozu es auch in die vergangenen Zeiten ist von
den hohen Herrn Herrschaften benutzt geivorden. Es ist gleich
für eine ganse Familiche, oder allerivcnigstens für mehrere
Versöhnen ans einmal eingerichtet gewesen, tvelches nach das
neue mohralischc Strafgesetzbuch strenge verboten ist, und weß-
halb es auch jetzt gar nicht mehr benutzt tvird.

Die innere Ausstattung ist sehr besichtignngswirdig, da

II

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herrn Grafs Rheinreisetagebuch"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Statue <Motiv>
Tanz <Motiv>
Denkmal <Motiv>
Jubel <Motiv>
Landesherr
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Creditline
Fliegende Blätter, 33.1860, Nr. 793, S. 81 Universitätsbibliothek Heidelberg
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