Fliegende Blätter — 4.1846 (Nr. 73-96)

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Fata Morgan«
v,m Hihkn-Peißenlier!

(Schluß.)

Müde und hungrig kamen die Reisenden endlich in dem
Dorfe P. an, und hofften bei einem dort wohnenden Freunde
! eine tüchtige Collation einzunehmen. Täuschung ist aber der
armen, müden Menschheit unvermeidlich Loos. Der Freund
hatte seinen Landsitz noch gar nicht bezogen. —Die Reisenden
gaben ihre Karten ab, und schlugen die Richtung nach dem
Wirthshause ein. „Wat jibt es zu effen?" war die erste Frage
der Berliner. „Würste, Fleisch und Kasnudeln!" die Antwort
darauf. — „Jasnudeln? Donnerwetter det is etwas janz Neues!
Wo Deibel haben sie hier det Jas her? Geben sie uns man
det Rezept, das nehmen wir mit nach Berlin. Die Jaskom-
pagnie nimmt een Privilegium darauf." —

Die Speisen wurden aufgetragen, und die Jasnudeln so-
gleich versucht. „Wat der Deibel, det is ja een Milchkäse-
Kuchen!" riefen sie staunend, und lachten selbst herzlich über
ihr Mißverständniß, benützten aber gleich wieder die Gelegenheit,

| über Sprache und Tracht der „wilden Stämme" ihre Bemer-
kungen zu machen. — Sie glaubten schwache Spuren von
Civilisation darin entdeckt zu haben, daß Jedermann im Gebirge
beim Grüßen den Hut aus dem Kopfe sitzen läßt, was selbst
die „Berliner-Nichthutabnehmungs-Compagnie" so schwer in
Aufnahme zu bringen versuchte. Auf der andern Seite dagegen
erinnerten ihre Milchspeisen, das sauere Getränke, das man
Bier nennt, so wie der beständige Aufenthalt des Viehes im
Freien, noch sehr an das Nomadenleben. —

Der Rückweg führte uns einen Bach entlang, auf dessen
schmutzig braunem Waffer eine Gans, geschmückt mit schwarzem
Halsbande, in stiller Majestät einherschwamm.

Auch hiefür gab einer der Herren Jebirgsjäger den Grund an:
„Man jlaubt hier in China zu sind," sagte er, „denn dort
richtet man die Jänse zum Fischfänge ab, indem man ihnen
einen Reif um den Hals legt, damit die Fische nicht in den
Magen hinunter können." — Auch dieß wurde ruhig hinge-
nommen, und der bereits angelegten Sammlung beigefügt. —
Der Peißenberg wurde unter mancherlei Mühsalen wieder
erstiegen, da er gerade an der östlichen Seite sehr steil abfällt,
jedoch dem Auge, sowohl in der Nähe als Ferne, die abwechsel-
sten und köstlichsten Parthien darbietet. — Oben angekommen
bemerkte die Gesellschaft einen Stein, den sie beim Herabsteigen
unbeachtet gelaffen hatte. Derselbe trug folgende Inschrift:
Die Neugierde wurde dadurch nicht
wenig rege, und nach manchen Ver-
muthungen baten die gelehrten Rei-
senden um kurze Frist, den Stein und
die Inschrift antiquarisch zu unter-
suchen. Die beiden andern in das
Hospiz einstweilen zurückgekehrten
Gefährten erfuhren, daß dieser, so
wie ein zweiter am westlichen Abhange
befindlicher Stein, die Grenzen eines
(Ultra lapidem Snea Hohen- DDt Zeiten hier bestehenden Asyls
PeiMenbergn.) bezeichnet hätten. Eine Stunde darauf
stürmten die Berliner mit freudestrahlenden Gesichtern in das
Zimmer, und riefen: „Habemus!“ Det is eene merkwürdige
Jeschichte meine Herren! Solchen antiquarischen Fund jlobten
wir hier nicht zu machen. Das is jar nichts jeringeres, als
een römischer Opfersteen, und zwar aus der Zeit um 72 nach
Christus. Die Inschrift heeßt ejentlich so: „Vespasianus

Libavit Fulminatori Hunc Pilum.“ Diese Erklärung mochte
ihnen sehr viele Mühe und großen Schweiß gekostet haben;
doch warum aus diesem süßen Traum sie wecken? —

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Fata Morgana vom Hohen-Preißenberg"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Grenzstein
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 4.1846, Nr. 88, S. 121
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