Fliegende Blätter — 4.1846 (Nr. 73-96)

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von dem röthlichen Schimmer der untergehcnden Sonne um-
flössen, über die Kirchhofmauer.

„Geh hinein in den Ort des Friedens, und suche nach einer
vortheilhaft gelegenen Grabstätte." So flüsterte Ehrlich bei dem
Aufblicke zu den Grabmälern der Dämon seiner unbesiegbaren
Habgier zu. „Vielleicht kannst du eine solche käuflich an dich
bringen, und sie um das Doppelte oder gar um das Dreifache
wieder verkaufen. Frisch Ehrlich, mach noch ein Geschäft ; wer
weiß, wie lange dich dein Unwohlsein zu Hause zurück hält."
Willig schenkte der Wucherer den Einflüsterungen seines Innern
Gehör, und bald darauf schritt er zwischen Grabsteinen und
flüsternden Trauerweiden die Mauer entlang hin. Klagend er-
tönte die Glocke des Gottesackerkirchleins, und einige hundert
Schritte von dem über die Gräber Hinwankenden entfernt wurden
eben zwei Särge unter Trauergesang und unter dem Schluchzen
der Hinterbliebenen der Erde übergeben.

„Wie riecht doch der Weihrauch so übel," brummte Ehrlich,
besten Gesicht jetzt plötzlich eine Bleifarbe annahm. Eine heftige
Fieberaufregung peitschte sein Blut, glühender Schweiß überrieselte
sein kahles Haupt und keuchend stützte er sich mit der Hand gegen
die Mauer. Er stand in der Vorhalle des Leichenhauses, und
plötzlich trat der Sinn der Worte: Mensch, der du am
Morgen gehst, bedenke, daß du vielleicht am Aben de
schon nicht mehr gehen werdest! mit furchtbar drohender
Wahrheit als eine dunkle Ahnung vor feine Seele.

Die Kniee brachen ihm zusammen und nur mit Aufwendung
seiner ganzen Kraft riß er sich wieder vom Boden empor. In
diesem Augenblicke schaute sein scheu und unstät rollendes Auge
durch das Fenster, das eine traurige Aussicht in den Leichen-
saal eröffnete, und das was Ehrlich jetzt empfand, mußte etwas
Ungeheures, etwas Entnervendes sein, denn er vergaß darüber
die wüthenden Schmerzen, die in steigender Gewalt ihn peinigten.

Der Wucherer.

(Schluß.)

Anwillkührlich wandte sich Ehrlich noch oft zurück nach der
düstern Inschrift an dem Bauernhause, so lang sie sein Auge
erreichen konnte und unwillkührlich murmelte sein Mund die
Worte, wrlche er gelesen.

Einige Stunden darauf hatte er den Gottesacker von Mün-
chen erreicht. Es war Abend, und die Grabsteine schauten,


JUHUHMn«



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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der Wucherer"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Bauernhaus <Motiv>
Karikatur
Hund <Motiv>
Brunnen <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 4.1846, Nr. 84, S. 89
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