Fliegende Blätter — 4.1846 (Nr. 73-96)

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IV. Band.

Fata Morgana

vom Ho h en-P eißenberg.

Bon Joh. Karl Zwo.

Es war im Jahre
des Heils 1846, als
zwei Reisende unter
gräulichen Regengüs-
sen, den Hohen-Peis-
senberg erstiegen. Die
so vielfältig gerühmte
Aussicht hatte sie zu
diesem Entschlüsse be-
wogen. Oben ange-
kommen lag jedoch das
herrliche Land tief ver-
borgen , sowohl dem
bewaffneten als unbe-
waffneten Auge, und
das gastliche Hospiz
glich genaueiner Insel
in einem unabsehbaren
Meere von Butter-
milch.

Die Reisenden
wurden jedoch durch
die gastliche Aufnahme
entschädigt, welche je-
dem Fremden gerühmt zu werden verdient. Nach dem höchst
nothwendigen Kleidungswechsel betraten dieselben das Gastzim-
mer, und waren herzlich stoh, hier noch zwei Leidensgefährten
zu finden, welche übrigens durch ihr auffallendes Aeußere einen

heiteren Eindruck auf die etwas verstimmten Gemüther hervor-
brachten. Beide schienen nach einem Pariser Mode-Journal
für Gebirgsreisende kostümirt.

Hütchen, Gemsbart, Joppen, Inerxrs88idle8, Schuhe —
alles vom feinsten Stoffe — allein die Herren schienen sich
besser und leichter in Frack und Gla^o zu bewegen, als in der
usurpirten Landestracht, deren Eigenthümlichkeit und Unge-
wohntheit ihnen manche Unbequemlichkeit zu verursachen schien.

Den Reisenden blieb kaum Zeit, diese flüchtigen Beobachtun-
gen anzustellen, als auch schon der Abend-Imbiß erschien, dem
nun die ungetheilteste Aufmerksamkeit zugewendet wurde. Der-
selbe war einfach, aber kräftig und gut, so wie ihn wohl Jeder,
der in seinem Leben einmal einen Berg bestiegen hat, sich
wünschen mag. Dennoch schien er den beiden feinen Waid-
männern weniger zu behagen, so daß zuletzt der Eine weh-
müthig die Gabel niederlegte, und seufzend ausrief: O jottoolles
Berlin! Warum Hab' ich dir so tollkühn verlassen und unbe-
kanme Länder aufjesucht?" — Sein Gefährte brachte bei diesen
tiefgefühlten Worten einen silbernen Flakon hervor, welchen er
seinem Freunde theilnehmend unter die Rase hielt, und dabei
sprach: „Lass' man det jut sind, Hyppoliten! Wir können nun
doch noch bei Stehely von unseren jefährlichen Bergtouren er-
zählen! Warte man, wie die det Maul ufreißen werden!
Herrjott! es war aber ooch ke«n Kinderspiel nich jewesen! det
macht uns nicht jleich een Jeder nach!" — Durch diesen lieb-
reichen Zuspruch und den Flakon gestärkt begann der Erstere
von Neuem und mit vermehrtem Appetite zu essen.

Der fteundliche Hausherr, welcher die beiden Neuangekom-
menen schon aus früheren Jahren kannte, erkundigte sich im
Laufe des Gespräches nach mehreren Notabilitäten der Kunst
und Wissenschaft, und die Reisenden verriethen einen höheren
Grad von Bildung, als ihr Aussehen vermuthen ließ. Die

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Fata Morgana vom Hohen-Peißenberg"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Glaskugel
Haken
Nacht <Motiv>
Karikatur
Landschaft <Motiv>
Galgen <Motiv>
Helligkeit <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Hohenpeißenberg

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 4.1846, Nr. 87, S. 113
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