Fliegende Blätter — 4.1846 (Nr. 73-96)

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Geschichten aus der Heimath.

(Schluß.)

III. Das vorletzte Haus im Dorfe.

Ich habe noch als Junge ein sonderliches Gelüste gehabt, wenn
es Feierabend war, erst die Ehehalten, dann die Kinder das Nacht-
brod erhalten hatten, und es nun drauffen anfing zu dämmern,
mich heimlich aus dem Hause zu schleichen und meine Runde zu
machen im Dorfe. Es überkam mich ein eigenes, behagliches

Gefühl, wenn allgemach Knechte und Dirnen, die herauffen
vor der Thüre saßen, und noch ein Stücklein in den Abend
hinein plauderten, sich in die innern Räume zurückzogcn
und ein Fenster um das andere sich erhellte. Dem Vieh
ward aufgestreut, und es duftete von Heu und Omat aus
den offenen Tennen heraus, woher das Futter geholt ward.
Ich schleuderte die Straße entlang, wohl auch hinter den
Höfen herum, lugte zu den Fenstern hinein, wo aus dem
einen oder dem andern ein recht heller Schein drang, und
konnte oft stundenlang halbträumend zuschauen, wie die
Frauen spannen oder Werg rupften, und die Knechte auf
der Ofenbank saßen und Spähne schnitten.

Das hat mir manchen Verdruß gekostet, wenn ich mich
über meinen Betrachtungen vergaß und allzu spät heimkehrte,
wo ich mir, im Grunde genommen, dasselbe Vergnügen hätte
machen können, und leichteren Kaufes noch dazu! Aber — es
lag eben ein unbegreiflicher Reiz darin, aussen in der stillen,
thauigen Nacht zu stehen, und in die Hellen Stuben zu gucken.
— Insbesondere war es das vorletzte Häuslein im Dorfe, das
ich nie zu besuchen vergaß. Drin wohnte die Wittwe eines
armen Söldners mit ihren zwei Töchtern, die des Tages
über zu den Bauern auf die Stehr gingen und nähten.

I Dafür bekamen sie Mittag- und Vesperbrod, und Abends,
wenn sie heimgingen, vier Kreuzer, oder, wenn's hoch kam,
sechs. Das wird mir Keiner ein reichliches Auskommen
nennen für drei Leute. Ueberdies war die Alte presthaft,
und litt an der Gicht. Und doch schaute ich vor Allem
gerne in das engbegränzte Kämmerlein, worin die beiden
Mädeln beim Kienspahne saßen und in aller Emsigkeit darauf
losnähtcn, als hätten sie den Tag über gefeiert und müßten's
nun nachholen. Dabei sangen sie ein Lied um das andere,
und die Jüngere hatte insbesondere eine seine, liebliche Stimme.
So däuchte mir's wenigstens, und sie kam mir fast vor, wie

_ !

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Geschichten aus der Heimath"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

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Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Muttenthaler, Anton
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Trauer <Motiv>
Weibliche Tote
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 4.1846, Nr. 92, S. 153
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