Fliegende Blätter — 48.1868 (Nr. 1173-1198)

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ES ist schon viele 100 Jahre her, da wohnte in einem
kleinen Städtchen am Fuße des Niesengebirgö ein alter Mann
mit seiner Nichte Elsbcth. Der alte Mann, ein dürrer,
auögehuzclter Kamerad, war sehr geizig und bereitete dcßhalb
seiner Nichte, einem braven, hübschen Kinde, das zur Zeit,
in der unsere Geschichte spielt, 18 Jahre alt war, ein wahres
Armcnsüuder-Dascin. Denn nicht nur war er stets unwirsch
und klagte über die schlimmen theuren Zeiten, sondern er
zählte ihr auch jeden Bissen in den Mund. Dennoch war
daö Mädchen nicht nur stets guten Muths, sondern sie sah
auch aus wie Milch und Blut und ihre Wangen glüheten

wie die Röslein. Das aber hatte seinen guten Grund, und
wer ihn wisien wollte, der durfte nur der Nachbarin ihren
Franzl fragen, einen frischen, kräftigen Burschen von 30 Jah-
ren, der mit der Elsbcth hcrangcwachsen, und mit der Zeit
ihr lieber geworden war, als irgend etwas auf der Welt.
Dafür war er aber auch ihr herzlich gewogen und kannte
keinen höheren Wunsch, als Hand in Hand mit ihr einmal
durch daS Leben zu gehen. Freilich stand diesem Wunsch ein
großes Hinderniß im Wege, nämlich besagter alter Ohm und
Vormund Elöbeths, der ihren Franzl wegen seiner Armuth
stets für einen elenden Lumpen erklärte, und ihr schon oft
gedroht hatte, er werde sie ans dem Hause jagen, wenn er
sic noch einmal im Gespräche mit demselben antreffe, anstatt,
wie es einem ordentlichen Mädchen gezieme, zu Hause zu
bleiben und dem Hauswesen obzulicgen. Dieser Vorwurf
aber war im höchsten Grade ungerecht, denn ein so fleißiges,
braves Mädchen, wie Elsbcth, war auf Stunden in der
Runde nicht anzutreffen, und in ihres Ohms altem Hause
war trotz dem Alter alles so blink und so blank, als man
cö nur wünschen konnte.' Was aber die Drohung dcö Weg-
jagens anbelangtc, so hätte sic Elsbcth nicht zu fürchten
gehabt, denn mancher Bürger dcö Städtchens wäre froh ge-
wesen, wenn sie nur in seinen Dienst hätte treten wollen,
und der Ohm hätte cs auch in seinem eigenen Interesse ge-
wiß nie so weit kommen lassen. Dieses war aber auch

der einzige Umstand, worin Franzl und seine Elsbcth nicht
mit einander übereinstimmtcn. Der Franzl hatte ihr schon
oft gerathen, den widerwärtigen Alten zu verlassen und in
einen Dienst zu treten. Allein dazu war Elsbcth nicht
zu bewegen. Sie sagte' einfach: „Mein Ohm ist und
bleibt halt mein Ohm, der Bruder meiner lieben Mutter

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein Märchen aus dem Riesengebirge"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Kommentar
Signatur

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Stadt <Motiv>
Hilfsbereitschaft
Riesengebirge
Älterer Mann
Junger Mann <Motiv>
Karikatur
Junge Frau <Motiv>
Strohballen
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 48.1868, Nr. 1192, S. 153
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