Fliegende Blätter — 48.1868 (Nr. 1173-1198)

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sin Märchen aus dem Riesengebirge.

(Fortsetzung.)

Ganz gerührt ob des unerwartet günstigen Erfolges
seines Botenganges dankte Franzl dem Ohm seiner Elsbcth
mit gerührten Worten für die ertheilte Erlaubniß, und ver-
zieh ihm in seinem Herzen alle früheren Kränkungen, ja er
klagte sich sogar selbst an, daß er dem braven alten Manne
in seinen Aeußerungcn der Elöbeth gegenüber am Ende
doch Unrecht gethan habe. Dann aber, nachdem er dem-
selben wiederholt hatte versprechen müssen, der Einladung
auf heute und die kommenden Abende auch Folge zu leisten,
drückte er ihm mit Thränen der Freude und des Dankes in
den Augen die Hand und verabschiedete sich bei ihm sodann,
um seiner Elsbeth, die er auf der Hausflur seiner wartend
wußte, die frohe Botschaft mitzuthcilen.

Die Freude des guten KindcS ob dieser Nachricht zu

schildern, muß mir der Leser erlassen. Nur das Eine

muß ich bemerken, daß der Ohm-, hätte er nicht mit dem
Zählen und Wiederzählcn der so unerwartet in seine Hände
gekommenen Goldgulden zu thun gehabt, die Beiden noch
lange in seliger Umarmung auf der Hausflur hätte antreffen
können. Endlich aber mußten sie doch Abschied von einander
nehmen, Franzl, um der Mutter sein Glück mitzuthcilen,

Elöbeth, weil es galt, daS freilich nur in einem Haberbrei
bestehende Mittagessen des Ohms noch herzurichtcn. Wie

viele Küsse aber noch gegeben und empfangen wurden, bis der
Abschied wirklich gelang, dies dürfte der beste Rechner, auch
wenn er schon oft im gleichen Falle gewesen wäre, auf einige
100 nicht so genau angcbcn können. DaS ist aber auch nicht
nöthig. Die Hauptsache ist, daß sie ihnen gemundet haben.

Daß sich Franzl Abends wieder einstellte, um den ver- !
sprochcncn Besuch abzustattcn und zu versuchen, ob sich nicht |
die unterbrochene süße Unterhaltung von heute früh fortschen ,

lasse, versteht sich von selbst. Der Ohm schien ihn auch schon
erwartet zu haben, denn er kam ihm diesmal schon auf der
Hausflur mit dem Säckchen in der Hand entgegen, das Franzl
bei der Oeffnung des Päckchens gesehen zu haben sich noch
erinnerte. Der Ohm begrüßte ihn freundlich, und sprach
dann zu ihm: „Lieber Franzl, da hat mir ein Freund ein
Säckchen geschenkt, das die Eigenschaft hat, daß wenn ein
braver junger Mensch in dasselbe hineingreift, er allezeit einen
darin befindlichen Goldgulden daraus hcrvorholcn kann. Du
mußt mir daher schon erlauben, daß ich alle Abende, wenn
Du zu uns kommst, die Probe mit dem Säckchen an Dir
mache, damit ich sehen kann, ob Du meiner Elsbeth immer
noch würdig seiest. Diese Probe habe ich im Sinne, dem
Glück meiner Nichte zu lieb, einige Zeit mit Dir fortzusetzen
und wenn Du die Probezeit glücklich bestehst, so sollst Du
sie zur Frau bekommen. Jetzt aber lass' sehen, was ich von
Dir zu halten habe."

Damit hielt er Franzl das Säckchen hin und dieser
griff im Bewußtsein seiner Unschuld hinein, und holte auch
in der That einen blanken Goldguldcn daraus hervor, nach
welchem der Ohm mit Hast griff, um ihn nach gründlicher
Besichtigung mit befriedigter Miene cinzusteckcn. Hierauf aber
nahm er Franzl liebevoll unter den Arm, öffnete die Thüre
eines Stübchens, in welchem Elöbeth saß und schob ihn mit
den Worten zu derselben hinein: „Elsbeth! Hier bringe ich
Dir einen Besuch, behandle ihn fein ordentlich'/'

Elsbcth und Franzl wollten dem guten Ohm für seine
Güte danken, aber der war schon zur Thüre hinaus, um
nach einer Weile mit einer Flasche Wein und Backwcrk zu-
rückzukehren. Die Beiden waren ganz verwundert ob dieser
ungewohnten Freigebigkeit, und Franzl erklärte dem Ohm, i

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