Fliegende Blätter — 70.1879 (Nr. 1745-1770)

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Handlungen, sowie von allen P o st ä m t e r n und
Zeitungs-Erpeditionen angenommen.
Erscheinen wöchentlich ein Mal.

W"-1740.

Preis des Bandes (26 Nummern) jH. 6.70. Bei direktem
Bezüge per Kreuzband: für Deutschland und Oesterreich t yy -o t
it.7.50, für die anderen Länder des Weltpostvereins ,4t. 8—. ^aa. ^ t.
Einzelne Nummer 30 /%>•

Die Benefiz

Wer die Misere der kleinen Provinzialbühnen kennt, der
>veiß, welche Bedeutung fiir die Mitglieder dieser Theuter dus
Wort „Benefiz-Vorstellung" hat.

Das Benefiz ist nicht nur der Stolz des Mimen, cs ist
auch der Stern, ans welchen Schneider, Schuster, Haus- und
Gast-Wirth mit Zuversicht blicken, das unsichere Pfand, ans
welches hin sie borgten, der Balken, an welchem sie ihre Forderung
aus der Fluth der unbezahlten Rechnungen noch zu retten hoffen.
Herr Schreier war ein vortrefflicher Menschendarsteller, aber das
richtige Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe zu
halten, dazu hatte er nicht das mindeste Talent.

Die Zeiten waren schlecht. Man spielte gewöhnlich vor
leeren Bänken. Die erste Liebhaberin erzielte mit ihrer Benefiz-
Vorstellung kaum eine Einnahme von 12 Thalern, obwohl sie
fast die gleiche Anzahl Verehrer im Städtchen hatte. Der
Heldenspieler und erste Liebhaber hatte gar nur 6 Thaler Ein-
nahme — welche Aussichten fiir den dritten Benefizianten und

Vorstellung.

seine zahlreichen Gläubiger! — Aber Herr Schreier ist nicht
nur ein guter Charakterdarsteller, sondern, was mehr ist — auch
ein schlauer Kopf. Er sann nach, wie Franz Moor zu Anfang
des zweiten Aktes. Endlich schien ein Hoffnungsstrahl in ihm
zu dämmern. Mit den Worten: „Ich hab's gefunden, es wird
sich machen!" springt er auf. „Rüstig an's Werk! Nur so
bringe ich sic in das Theater und zwar alle auf die theuersten
Sperrsitze und in die besten Logen. Auf! es geht, so ivahr
ich lebe!"

Am nächsten Tage enthielt das Tagblatt folgendes Inserat:
„Reelles Heirathsgesnch.

Eine junge Dame von 24 Jahren mit einem disponiblen
Vermögen von 20,000 Thalern wünscht sich mit einem Manne
zu verehelichen, der kein Vermögen zu besitzen braucht, sondern
nur ein leidliches Auskommen hat, dabei aber sanft,' verträglich
und gebildet sein muß, um eine Frau wahrhaft beglücken zu
können. Betreffende Offerte unter Adresse B. B. erbittet man
sich poste restante. Das tiefste Stillschweigen wird zugesichert."

Zwei Tage nachher ging unser Schauspieler zur Post und
fragte nach. — Er öffnete die Brieftasche, um die Briefe in
Empfang zu nehmen.

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Die Benefizvorstellung"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

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Auflage/Druckzustand

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Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

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Sammlung Eingang

Ausstellung

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Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

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Fliegende Blätter, 70.1879, Nr. 1746, S. 9 Universitätsbibliothek Heidelberg
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