Fliegende Blätter — 70.1879 (Nr. 1745-1770)

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Zeit-Fratzen.

Vater: „Karl, woher hast Du diesen Ring da an
Deinem Finger?" —

Karl: „Ach, der ist von Nachbar's Lieschen; die hat
ihn mir gegeben, weil ich ihr versprochen habe, sie zu
hcirathen!" —

Vater: „Was, Dn Schlingel, Du kleiner, solche Geschichten
stellst Dn mir an — warte. Dir will ich anders kommen! . .

Karl: „Beruhige Dich nur, Papa, cs hat keine Gefahr
damit. Ich hab's ihr nur versprochen — ich hcirathe sic doch
nicht!"

Kurirt per Post.

(Schluß.)

„Wosu?" fuhr Wenzel auf, „haben mich junger Herr
gesehen?"

„Gewiß!" war die Antwort. „Eilf Uhr, große Langgasse."

„Ah, nix betrunken, nur Müdigkeit vom vielen Lausen!"
betheuerte Wenzel.

„Vom vielen Laufen?" cntgegnete Hacker; „Wenzel, ich
glaube, Ihr irrt Euch in dem Anfangsbuchstaben!"

„Irre mich nicht! Betrinke mich niemals!" brummte
Wenzel und verschwand.

„Niemals! alter Saufaus!" lachte Hacker, „er war gestern
Abend im Thran, daß er nicht stehen konnte."

Dabei sehte er sich an den Tisch und griff nach den
neuesten Zeitungen.

„Das wäre etwas für unseren Freund Wenzel," unterbrach
ich nach längerer Zeit das Schweigen, indem ich Hacker über
den Tisch weg eine Zeitung warf, in welcher ich mit dem Roth-
stift ein Inserat angestrichcn hatte.

„Ja", erwiderte dieser, „ich finde das Ding auch jeden
Tag in allen möglichen Blättern und habe mir schon oft den
Kopf zerbrochen, was das für ein Schwindel sein mag. Un-
entgeltliche Kur der Trunksucht — mit oder ohne Wissen des
Betreffenden — 's ist zu dumm!"

Und wieder hörte man eine Weile Nichts, als das Kritzeln
ineiner Feder, während Hacker immer noch die Zeitung an-
starrte. Plötzlich sprang er auf und ries: „Doktorchen, ich
habe einen Plan! Ich kurire den Wenzel vom Trinken!"

„Den Wenzel kuriren," sprach ich lachend, „wenn Sie das
fertig kriegen, verschaffe ich Ihnen den voetor in nbsontia."

„Ich kurire ihn", rief Hacker, „und hier liegt die Medizin."
Dabei deutete er auf das Regal, in welchem Zeitungen aller Partei-
schattirnngen friedlich beisammen aufgestappclt lagen.-

Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst-
Handlungen, sowie von allen Postämtern und
O- Zeit kl ngs-Expeditionen angenommen.

Erscheinen wöchentlich ein Mal.

i- 1750.

Preis des Bandes (26 Nummern) pil. 6.70. Bei directeni
Bezüge per K r e u z b a n d: für Deutschland und Oesterreich
R. 7.5)0, für die anderen Länder des Weltpostvereins M. 8—.
Einzelne Nummer 30

LXX. Vd.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Zeit-Fratzen"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Oberländer, Adolf
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 70.1879, Nr. 1750, S. 41 Universitätsbibliothek Heidelberg
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