Fliegende Blätter — 70.1879 (Nr. 1745-1770)

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Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst- Preis des Bandes (26 Nummern) Ji. 0.70. Bei direktem

Handlungen, sowie von allen Postämtern und "ÄFfo» M Äf M Bezüge per Kreuzband: für Deutschland und Oesterreich jy«

Zeitungs-Expeditionen angenommen. -1-^ JLw 7.50, für die anderen Länder des Weltpostvereins 8—.

Erscheinen wöchentlich ein Mal. Einzelne Nummer 30

K u r i r t

„Primislaw Wenzeslaus Dorostik, weiland Thurm-
und Leichenposaunist, sowie ehrbarer Theaterdicncr in der ^uron
^loAuiitia, dem goldenen Mainz, verzeihe mir, wenn ich mich
heute auf einige Stunden mit Dir beschäftige, um Dich für
die papierne Unsterblichkeit zuzubereiten.

Denke daran, Wenzeslaus, daß ich immer Dein Freund
. und Gönner war und Dir manchen halben Schoppen aus Papa
Bickerlc's Weinkeller von der schönen Käthi präsentiren und ans

per Post.

Deine ewig durstige Leber gießen ließ; denke daran, wie oft
ich Dich in Schutz nahm, wenn der Herr Director Dich mit
seinen großen, klugen Augen grimmig ansah und Dich fortzu-
schicken drohte, weil Du wieder „steif wie ein Besenstiel" da-
standest und Dir die Augen zwar nicht vom Weinen, aber doch
vom Wein übergingen, wie einst dein seligen König von Thule,
so oft er aus seinem Lieblingsbecher trank.

Denke an dieses und manches Andere, Wenzeslaus, vor
Allem aber mache Dir klar, welche Ehre cs für Dich ist, in
einer allerwärts verbreiteten Zeitschrift zu figuriren, rmd wie
Dir erst dadurch das einzig würdige Denkmal gesetzt wird. —
Dann wirst Du dem Schreiber dieses gewiß nicht zürnen, sondern
mit Deinem kupferigen Vollmondgesicht freundlich auf ihn herab-
lächeln aus jenen Sphären, wo Du ohne Zweifel lvieder die
Posaune blasen und in Wahrheit sein wirst, was sic Dich
scherzweise schon hieniedcn nannten, als Du noch unter uns
schwachen Sterblichen wandeltest — ein Posaunenengel."

Ich bitte um dieser kleinen Apostrophe willen, die ich
Anstands halber an meinen Helden richten mußte, um Ent-
schuldigung. Sie hat ja auch für den Leser ihr Gutes, denn
er hat aus ihr nicht nur ersehen, welches Namens sich der
Mann erfreut, mit dem er sich in den nachfolgenden Zeilen
beschäftigen wird, sondern auch weß Standes er war, wo er
wirkte und — daß er trank. Ja, „er soff sehre," ich muß
cs leider bekennen; cs lag in seinem Blut, denn er stammte
aus einer böhmischen Schnurrantenfamilie, und damit ist Alles
gesagt. Auf ihn paßte jenes klassische Dichterwort:

„Seine Mutter, die geborne Lerche,

Hat das ganze Unheil angericht';

Hielt ihn nicht zur Schule, nicht zur Kerche,

Soff zu sehr und starb dann an der Gicht."

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Kurirt per Post"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Fröhlich, Ernst
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 70.1879, Nr. 1748, S. 25 Universitätsbibliothek Heidelberg
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