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d-S Bandes (2k Nummern) M C.70. Bei direkte,n
Mro> M »LvsLH _ Bezug- per Kreuzband: sstr Deutschland und Oesterreich

^7.60, snr die anderen Länder dcS Weltpostvereins .((8—. '■ -00.

Einzelne Nummer 30

„Hahngikl"

oder

Die Goldprinzessin und die schöne Amelei.

Eine seltscune Historia. (Nach einer Untcrsberg-Sagc.) Bon Vr. Märzrotl,.

(Schluß.)

9.

Das Ende der Historia.

Spat ain Abend traf Amelei wieder bei ihrer Mutter
ein. Am nächsten Morgen eilte sic in die Stadt, um ein
neues Geschirr zu kaufen, in welchem die Blumen für ihre
Mutter gekocht werden sollten. Da geschah cs, daß sic dem
Sawermilch begegnete. Der ivar darüber gar sehr erfreut,
und suchte die Eilige durch allerlei Rede aufzuhalten. So
kam er auch auf die Prinzessin und das Geschick, das ihr
heute Mittags von dem listigen Untersbergmännchcn unwieder-
bringlich bcvorstand.

„Um den Namen des Männchen handelt cs sich?" wieder-
holte Amelei sinnend. — „Ja, wenn die Prinzessin seinen
Namen lvüßte, so wäre ja Alles gut!" erwiderte Sawermilch.
— „Und ich weiß ihn!" rief Amelei aus. — „Du?"
starrte sie Sawermilch an. — „Ja, ich!" versicherte Amelei,
froh erregt, weil sie sich iin Stande fühlte, der armen Prinzessin
Noth mit einem Worte zu wenden. — „Aber, Amelei, Du
träumst!" sagte Sawermilch; „wie solltest Du den Namen
wissen?" — „Führe mich nur gleich zur Prinzessin!" drängte
ihn Amelei. „Sich' nur, die Domuhr zeigt ans halb zwölf!
Sputen wir uns!"

Auf dem Wege zum „Goldenen Schiff" erzählte sie ihrem
Begleiter so rasch als möglich, was ihr gestern auf dein
Untcrsbcrg begegnet war, und sang ihm schließlich leise das
Lied Wort für Wort, welches sic von dem Bergmännchen ge-
hört hatte. — „Der war's!" rief Sawermilch jubelnd; „wie
gut ist's, daß Du Lied und Namen gemerkt hast!" —
„Hab's ja dreimal hintereinander'gehört!" erwiderte Amelei.

Jndcß waren sie beim „Goldenen Schiffe" angelangt. Gut
war es, daß Sawermilch mitkam, sonst hätte man Amelei,
das ärmlich gekleidete Mädchen, ivohl nicht zur Prinzessin ge-
lassen. Diese saß bleich wie eine Statue in ihrem Saale,
umgeben von ihren mit Schwertern und Hellebarden bewaffneten
Leuten, die entschlossen waren, sich jeder gewaltsamen Entführung
ihrer Herrin zu widersctzen.

Wohl hatte man ihnen von Seite Einheimischer das
Vergebliche ihrer Absicht anseinnndcrgesetzt, da sich gegen die
Macht der Untersberger nichts ausrichten lasse, aber die Männer
im Dienste der unglücklichen Prinzessin hatten beschlossen, ihr
Möglichstes zu thun.

Da trat Amelei ein, näherte sich der bleichen Frau, und
flüsterte ihr in's Ohr: „Hahngikl heißt er!" — „Hahngikl!"
rief jubelnd die Prinzessin; „das ist sein Name! - Mädchen,
woher hast Du diese Kenntniß?"

Schlicht und einfach erzählte Amelei ihre gestrigen Er-
lebnisse, denen sie aus Treue und Liebe für ihre Mutter ent-
gegenging. Gerührt umarmte sic die Prinzessin. „Sei meine
Freundin," rief diese aus; „bleibe fortan bei mir! Du sollst
gehalten werden wie ich selbst!" — „Danke, schöne Prinzessin!"
erwiderte Amelei; „aber ich bin fiir solchen Glanz nicht ge-
macht, und mein Mütterchen verlasse ich nicht! Gehab' Dich
wohl, Prinzessin!" — „Bleibe noch, schönes herrliches Kind!"
hielt sie die Prinzessin zurück; „nimm hier diese Schatulle init
kostbaren Edelsteinen, sic ist Dein eigen." — „Was thäte ich
mit solchem Schatze?" erwiderte Amelei lächelnd; „wir armen
Leute wüßten nichts damit anzufangen. Ach, Prinzessin, ein
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