Fliegende Blätter — 75.1881 (Nr. 1875-1900)

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Erscheinen wöchentlich ein Mal. Einzelne Nummer 30

„Hahngikl"

über

Die Goldprinzessin und die schöne Amelei.

Eine seltsame Historia. (Nach einer Untersberg-Sage.) Bon vr. Märzroth.

(Fortsetzung.)

Bald waren die Armen ber Stabte barunter auch Gertraud,
Amelei's Pflegemutter, des Lobes voll über die Großmuth und
den gerechten Sinn der Prinzessin. In Massen hatten sie sich
aber auf dem Platze vor dem „Goldenen Schiff" versammelt, um
ihrer Wohlthäterin zu danken, um ihr Antlitz zu sehen. Das
Gemurmel des Volkes drang zur Prinzessin hinauf. Als sie
die Ursache vernahm- welche die Leute da unten versammelte,
öffnete sie das Fenster und. grüßte mit holdseligem Lächeln

und lieblichem Winken hinab. Ein vielstimmiger donnernder
Jubelrnf war die Antwort dieses Grußes.

„Wie schön sie ist!" rief man sich zu. „Das ist ein
lvahrer Engel in Menschengestalt! Gott segne sie!" — „Wie
schön sie ist!" widerholte ein kleines Männchen, das auf einen

> Eckstein geklettert.war, und nach der Prinzessin hinübersah.
Das Männchen war kaum so groß als ein vierjähriges Kind,
hatte aber einen langen, langen grauen Bart, so grau gerade
wie seine Lodenjacke, und die Kapuze ans dem Kopfe. Das
war das Männchen vom Untersberg, das man gar oft in und
um der Stadt sah, das aber immer sogleich spurlos ver-
schwand, ivenn man es näher in's Auge fassen ivvllte. Das
Männchen schien aus seinem Standpunkte ganz in den Anblick
der Prinzessin verloren, denn es merkte nicht, daß schon mancher
Blick auf dasselbe gefallen sei. Endlich rief Jemand aus
dem Volke: „Da ist ein Untersberger!" und sogleich war das
Männchen verschwunden.

Aber die Leute auf dem Platze fühlten der Reihe nach bis

zum Gasthofe hin, wie es sie in die Waden zwickte und kneipte,
so daß sie ein lvenig von der Stelle wichen, ohne daß man
errathen konnte, woher die kecken Angriffe kamen! Plötzlich
sah man das Männchen beim Thore des Gasthofes hinein-
laufen, so geschwinde, daß man nicht wußte, ob man sich
nicht geirrt habe. _____

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"'Hahngikl' oder Die Goldprinzessin und die schöne Amelei"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Adamo, Max
Entstehungsdatum
um 1881
Entstehungsdatum (normiert)
1876 - 1886
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Alle Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Creditline
Fliegende Blätter, 75.1881, Nr. 1877, S. 17
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