Fliegende Blätter — 85.1886 (Nr. 2136-2161)

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Preis des Bandes (26 Nummern) Jt 6.70. Bei.directem
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Einzelne Nummer 3ö-j.

P op»llär-wlssc11schastlicher Vortrag des Dr. Sulp hur in-

der Thierwclt.

Auf einem der letzten Raturforschercongresse, welchem beizuwohnen
wir leider durch unsere Studien verhindert waren, erklärte ein gelehrter
Professor, der Mensch sei ein unvollkommneres Geschöpf als der Affe, da
dieser letztere um zwei Paar Schneidezähne mehr besitze. In staunender Be-
wunderung lauschte das gebildete Europa der Weisheit dieser Behauptung
und alle Geister beugten sich der Wucht dieser schlagenden Beweisführung.

Bier Zähne sind eS, die uns zum Meisterstück der Schöpfung fehlen;
hätten wir noch zwei Paar Zähne, so wären wir vollendete Affen! Da sieht
man, wie wichtig die Zähne für den Menschen sind! Damit erklärt sich
auch, warum das Zahnen bei den Kindern ein so wichtiges Geschäft ist
und warum die Zahnärzte gar so theuer sind. Die Zähne sind die Haupt-
sache und zwar die Schucidezähne; sie sind ja die „schneidigsten" und das
„Schneidige" regiert die Welt. Ob sich der Mensch, nachdem wir einmal
auf diese Höhe unseres Wissens gelangt sind, nicht mit der Zeit ein Paar
Schueidezühne noch angewöhnen und so in nicht zu ferner Zukunft den
Gipfel thierischer Vollkommenheit erreichen wird, diese Möglichkeit wollen
wir nicht näher untersuchen; es steht ja zu hoffen, daß wir endlich den

Asfcnstandpunkt ganz und voll
erreichen. Bis dahin müssen
>vir uns mit unserer Stellung
in der Thierwelt einfach be-
gnügen und uns mit dem
Bewußtsein trösten, daß es
außer dem Menschen noch gar
Vieles gibt, was unter dem
Affen ist.

Aber wir gehen um einen
Schritt weiter als der gelehrte
Professor mit seinen mangeln-
den Schneidezähnen gegangen
ist, mir sagen: „Der Mensch
steht nicht nur unterm Affen,
er steht unter der ganzen
Thierwelt — die Spulwürmer

(Alle Rechte für sämmtliche Artikel und Illustrationen Vorbehalten.)

> über die Stellung des Menschen in

vielleicht ausgenommen — er
ist das unvernünftigste
Geschöpf von Allen."

Ein so gewaltigerSatz be-
darf des Beweises — die
folgende Darlegung soll ihn
erbringen.

Betrachten wir uns

den Menschen als
Kind. Das Kind
nimmt Alles in
den Mund, was
seine Hände er-
haschen können.

Welches Rhinoce-
ros thut dasselbe?

Der Mensch, als
Kind, schreit unsinnig,
wenn ihm etwas wehe
thut oder wenn er ein
Spielzeug will, das er nicht erreichen kann; — der kleinste
Fisch erträgt stumm die größten Schmerzen und welches
Kalb erhebt ein so Mark und Bein durchdringendes Geschrei,
wenn cs ein Püppchen oder einen Wurstel sieht und den-
selben nicht gleich bekommt?! Menschenkinder strecken ihre
Händchen nach Mond und Sternen aus und möchten am
Liebsten die brennenden Christbaumkerzchen erfassen und sich
daran verbrennen — von welchem noch so dummen Schafe
sah man je desgleichen?

Das Kind benützt die Windeln, in die es gehüllt wird,

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Populär-wissenschaftlicher Vortrag des Dr. Sulphurius über die Stellung des Menschen in der Thierwelt"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Oberländer, Adolf
Entstehungsdatum (normiert)
1886
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Alle Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Creditline
Fliegende Blätter, 85.1886, Nr. 2140, S. 33
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