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Drittes Kapitel

Baubeschreibung und Rekonstruktion
Vorbemerkungen. Die Baubeschreibung und die Rekonstruktion werden gemeinsam
in einem Kapitel behandelt, da sich die Rekonstruktion in vielen Fällen nur aus der
genauen Beobachtung und Interpretation der technischen Anschlüsse der Bauglieder
ableiten läßt. Der fragmentarische Erhaltungszustand der aufgehenden Architektur
bedingt eine ausführliche Beschreibung der erhaltenen Steine.
Vor die Einzelbeschreibung der Bauteile werden die gemeinsamen Maße und eine
kurze Darstellung der Profilfolgen und Dekoration jeder Steinschicht gestellt. Als Länge
wird immer die Ost-West-Dimension am Bau, als Tiefe der rechte Winkel zur Länge, d. i.
die Nord-Süd-Dimension des Tores, bezeichnet. Im Anschluß an die Beschreibung der
Werkstücke jeder Schicht folgt die Diskussion der Plazierungsmöglichkeiten.
Die Baubeschreibung gliedert sich dem Aufbau des Tores entsprechend in vier
Abschnitte: Nach dem Grundriß (I) folgen die in situ erhaltenen Reste der Postamente
und Basen (II), die weiteren Bauteile des Untergeschosses (III), des Bogengeschosses
(IV) und des Obergeschosses (V). Abschnitt VI enthält ein Resümee der Rekonstruktion
und anschließend einen Vergleich mit den Rekonstruktionsvorschlägen Wilbergs,
ScHOTTENHAMELS Und GÖSCHLS.
Zum leichteren Verständnis möchte ich der Baubeschreibung eine summarische
Beschreibung des Toraufbaues voranstellen: Das Tor besaß drei Geschosse, Unter-
geschoß, Bogengeschoß und Obergeschoß. Im Untergeschoß stand auf den in situ er-
haltenen Postamenten und Basen eine Stützenstellung aus vier Pfeilern mit im Süden
angearbeiteten Halbsäulen und Vollsäulen im Norden. Diese Stützen trugen Komposit-
kapitelle, die als ein Werkstück Pfeiler, Halbsäule und Säule bekrönten. Über den enge-
ren seitlichen Interkolumnien lag ein gerades Gebälk, das aus einem gemeinsam mit dem
Fries gearbeiteten Architrav und einem Zahnschnittgesims bestand. Das weite mittlere
Joch wurde vom Gebälk ausgespart und durch einen Bogen überspannt, der mit einem
Kämpfer auf dem Gebälk der seitlichen Interkolumnien fußte. Im Bogengeschoß wurden
die an den Bogen angrenzenden Wandzwickel durch Pfeiler eingefaßt. Weitere Pfeiler
waren mit Sockeln in den Außenachsen verbaut. Über Bogen und Pfeiler lag eine Kapitell-
zone, die das zweite Gebälk trug, das aus einem getrennt gearbeiteten Architrav und
Fries und einem weiteren Zahnschnittgesims bestand. Das Obergeschoß verfügte über
eine Stellung von sechs Stützen, die auf schlichten quaderförmigen Sockeln mit ange-
arbeiteter Basis standen. Die Stützen setzten sich genau wie im Untergeschoß aus einem
Pfeiler mit Halbsäule im Süden und einer Vollsäule im Norden zusammen. Die korinthi-
sierenden Kapitelle dieses Geschosses sind wieder als ein Werkstück gearbeitet. Das
Gebälk des Obergeschosses war verkröpft, die drei mittleren Interkolumnien wurden
durch einen Giebel hervorgehoben, in den über dem Mitteljoch ein kleiner Bogen hinein-
ragte. Dieses Gebälk endet über dem in einem gearbeiteten Architrav und Fries mit einem
Konsolengesims.
 
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