Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

Page: 121
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fie_bd11_1/0125
License: Creative Commons - Attribution - NoDerivatives
0.5
1 cm
facsimile
Neuntes Kapitel
Reparaturen und spätantike Veränderungen
An der Ruine des Torbaues und den aus dem Bauverband geratenen Bauteilen sind
vier Bauphasen oder vielmehr Baumaßnahmen zu erkennen, die sich klar vom Neubau
des Tores absetzen:
I Das Postament HT 2 wurde repariert.
II Der vollständig oder teilweise eingestürzte Bau wurde wiederaufgebaut.
III Die seitlichen Durchgänge wurden durch Schrankenplatten verschlossen und die so
entstandenen Becken als Brunnen genutzt.
IV Die nördliche Bogenstirn und Bogenwand erhielten spätantike Inschriften.
Die Befunde und technischen Details, aus denen diese späteren Arbeiten zu erschließen
sind, wurden für die einzelnen Werkstücke bereits oben im dritten Kapitel detailliert
beschrieben. Zum besseren Verständnis sollen die Merkmale hier geschlossen wiederholt
werden. Außerdem soll die Datierung der einzelnen Umgestaltungen erörtert werden.
I Reparatur des Postamentes HT 2 (Taf. 9, Abb. 18. 20, vgl. o. S. 35). Der ganze
südliche Teil des Sockels und der Basis wurde im oberen Abschnitt um 39,5 cm mit einer
Stufe abgearbeitet, sodaß die westliche Hälfte in einer Höhe von 67,5 cm, die östliche in
einer von nur 34,8 cm stehen blieb. Die neuen Stoßflächen sind sorgfältig mit Anathyrose
gefertigt. Das eingesetzte Ersatzstück war im Osten, Süden und Westen verklammert.
Die Beschädigung dürften die durch das Tor fahrenden Wagen verursacht haben. Die
Instandsetzung ist am sonst unversehrten Bau denkbar und könnte durchgeführt worden
sein, während der Halbsäulenpfeiler in situ stand. Diese Reparatur ist deshalb zeitlich
unabhängig von einem Einsturz des Bauwerkes. Hinweise auf eine Datierung gibt es
somit nicht.
Am Rande sei hier darauf hingewiesen, daß der obere Teil des Embolos in der Spät-
antike nicht mehr mit Wagen befahren werden konnte. Das ,Heraklestor4 (Plan I, Nr.
51), das den östlichen Abschluß des Embolos kurz vor seiner Einmündung in den ,Domi-
tiansplatz‘ bildete, wurde etwa in der Mitte des 5. Jh.s n. Chr. so umgebaut, daß die Fahr-
bahn durch Stufen und eine schmale Rampe blockiert war1. Der gesamte Wagenverkehr
der ,Marmorstraße4 floß in jener Zeit durch das Tor, um über die hinter dem Altarbau
nach Westen führende Prozessionsstraße in die höher gelegenen Wohnviertel zu ge-
langen.
II Anzeichen eines Wiederaufbaues. Die Bauglieder, welche den Nachweis für Repa-
raturen erbringen, werden wie oben im dritten Kapitel dem Aufbau von unten nach oben
folgend besprochen.

1 S. Bammer, ÖJh 50, 1972—75, 383ff.; dens., ÖJh 51, 1976—77, 93ff., insbes. 106; zur Freilegung s.
Miltner, ÖJh 44, 1959, Beibl. 353f.; dens., AnzWien 95, 1958, 87; s. auch Foss, Ephesus 77f.

Taf. 9, Abb. 18. 20

Plan 1, Nr. 51
loading ...