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Erstes Kapitel
Ausgrabungsgeschichte und Forschungsstand
I Ausgrabungsgeschichte
Als Heberdey im Jahre 1904 den unteren Teil der ,Kuretenstraße‘ bis zum Oktogon
freilegen ließ (Taf. 1), kamen am Südende des stumpfen Winkels, den die ,Kuretenstraße‘
und die erst etwas später ausgegrabene ,Marmorstraße4 bilden, die Reste eines Torbaues
zutage (Abb. 1). Im Grabungsbericht dieses Jahres1 schreibt er: „Die Einmündungsstelle
der Nebenstraße ziert ein dreitoriges Propylon, das nach den Resten der Weihinschrift aus dem
zweiten nachchristlichen Jahrhunderte stammen dürfte.“ Dann wendet Heberdey sich
sogleich der unter den Trümmern des Torbaues gefundenen Basis bzw. deren Inschrift2
zu, die besagt, daß der Christ Demeas eine Bildsäule der Artemis beseitigt und an ihrer
Statt ein Kreuz aufgestellt habe. Auch im Grabungstagebuch des Jahres 1904 findet der
Torbau lediglich kurze Erwähnungen3. 1906 und 1911 hat der Grabungsarchitekt
Wilberg die aufgefundenen Architekturteile, soweit das für eine zeichnerische Rekon-
struktion erforderlich war, vermessen und gezeichnet. Diese Aufnahmen befinden sich
gemeinsam mit Rekonstruktionsskizzen (Taf. 2) und einem kurzen handschriftlichen
Manuskript im Archiv des Österreichischen Archäologischen Institutes4.
Erst 1944 wurde die Publikation des Torbaues in Aussicht gestellt5. Gleichzeitig soll-
ten die ebenfalls zu Beginn des Jahrhunderts freigelegten Heroa, das Oktogon6 und der in
byzantinischer Zeit in ein Nymphaeum umgewandelte7 Nachbarbau8 des Propylons ver-


1 R. Heberdey, ÖJh 8, 1905, Beibl. 69.
2 Ebenda 69; IvE IV 1351 mit ausführlichen weiteren Literaturangaben; s. auch u. 9. Kap. IV C.
3 Tagebuch 1904 (im ÖAI Wien): „3.-5. October; 2.) Auditorium An der Südseite der Straße treten
zwei in situ stehende Halbsäule-Pilaster und daranstehende Ganzsäule verbindende Basen zutage, zwischen welchen
Platten eingeschoben werden konnten. 13—15.October 1904: 2.) Sog. Auditorium Bei dem sog. Auditorium
zeigt sich, daß die Annahme, die Säulenpilaster gehörten zu ihm, irrig ist, sie scheinen vielmehr einfach ein Straßentor
mit drei Durchgängen zu bilden, da jenseits derselben das Plattenpflaster stark ansteigt und keine Innenräume vor-
handen sind. Von Funden ist eine Quader mit merkwürdig gestaltetem Phallos bemerkenswert. 17.—19. October:
1.) Die Annahme, daß die Säulenpilaster westlich des Brunnens einer einfachen Torwand angehören, bestätigt sich.
Auf dem Architrav finden sich Reste der Bauinschrift, welche das Tor als gpÖTrvXov bezeichnen. “
4 Zeichnungen und Manuskript im ÖAI Wien (Inv. Nr. 1452).
5 FiE V/l (Celsusbibliothek) Vorwort.
6 Zum Bau s. Keil, Führer 113; dens., ÖJh 26, 1930, Beibl. 41 ff; Heberdey, ÖJh 8, 1905, Beibl. 70ff.
Umstritten ist die Datierung des Baues, Alzinger, Aug. Architektur 40ff. datiert ihn 40—30 v. Chr.; ebenso in
ANRW VII,2 (1980) 814; auch Heilmeyer, Normalkapitelle 79f. datiert die Kapitelle in die Mitte bzw. 2. H.
des 1. Jh.s v. Chr.; A. Bammer in: Oberleitner, Katalog KhM Wien 95ff., hingegen datiert in die 2. H. des
1. Jh.s n. Chr.; zu den Konsolen s. H. v. Hesberg, Konsolengeisa des Hellenismus und der frühen Kaiserzeit.
RM Ergh. 24 (1981) 56f. 62. 64f.
7 Zur Umwandlung zahlreicher Bauten und Fassaden in Brunnenanlagen in spätantiker Zeit. s. u. 9.
Kap. III C.
8 Keil, Führer 112.

Taf. 1
Abb. 1

Taf. 2
 
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