Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

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Baubeschreibung und Rekonstruktion

Plan 2

Abb. 22

Taf. 7. 9-11

Taf. 12,
Abb. 23. 24

Taf. 13. 14,
Abb. 25-28

profils eine 18 cm breite Ausnehmung eingearbeitet, die noch Mörtelreste enthält. Korre-
spondierend wurde auch in das Kopfprofil eine Nute eingemeißelt, gleichzeitig das
gesamte Südosteck des Sockels bis hinauf zur Plinthe und Basis abgeschlagen. Für die
nördliche Brunnenwand wurde 14 cm vom Eck entfernt eine 6 cm breite Nute in voller
Tiefe des Fuß- und Kopfprofils hergestellt. Auch hier sind das obere Sockeleck und die
Plinthe weggeschlagen. Starke Versinterungen an der Südseite von HT 1 sprechen für
eine Wasserzufuhr von dieser Seite. Eine halbzylindrische Einarbeitung an der Abschluß-
leiste des Kopfprofils und ein Dübelloch im unteren Torus zeigen, daß hier ein Bleirohr
verlegt war. Tonrohre, die das Wasser heranbrachten, liegen in 70 cm Entfernung von-
einander noch unter dem Straßenpflaster (s. Plan 2). Die West- und Nordseite von HT 1
sind gut erhalten. Nur die Plinthe und der obere Torus der Basis sind im Bereich des Halb-
säulenpfeilers abgemeißelt. Im Norden läuft das Sockelprofil des westlichen Nachbar-
baues, des monumentalen Altarbaues (s. o. S. 26), am Postament HT 1 (Abb. 22) aus.
III Weitere Bauteile des Untergeschosses
A Stützen. Aus dem Oberlager der Basen (Taf. 7. 9—11) sind nicht nur die Form, son-
dern auch die Abmessungen der Stützen abzulesen. Sie bestanden aus einem Pfeiler von
58 cm Breite und 46 cm Tiefe, an den im Süden eine Halbsäule mit 56 cm Auflagerdurch-
messer angearbeitet war, und einer Säule mit einem Auflagerdurchmesser von 57 cm im
Norden. Die Versatzspuren zeigen deutlich, daß der Pfeiler und die Säule getrennt ge-
arbeitet waren9. Werkstücke beider Bauteile sind erhalten.
1 Halbsäulenpfeiler. Die Halbsäulenpfeiler (Taf. 12, Abb. 23. 24) sind nur in geringen
Resten erhalten, den zwei kleinen Fragmenten HT 111 (Kat. C 2) und HT 115 (Kat. C 3)
und dem 140 cm hohen Werkstück HT 25 (Kat. CI). Dieses ist oben und unten gebro-
chen, der Pfeiler ist 55 cm breit und 42 cm tief, die Halbsäule hat einen Durchmesser von
53 cm; das Fragment stammt also vom unteren Teil der sich nach oben verjüngenden
Stütze. Pfeiler und Halbsäule sind sorgfältig geglättet, die Halbsäule hat keine Kannelu-
ren 10.
2 Säulen.
a Beschreibung. Die Säulen (Taf. 13. 14, Abb. 25—28) sind durch sieben Schaftteile
dokumentiert, die jedoch alle gebrochen sind. Drei Teile stammen von unteren Säulen-
schäften, die Stücke HT 5 (Kat. C 4), HT 6 (Kat. C 5) und HT 7 (Kat. C 7); HT 51 (Kat. C 6)
ist ein Säulenkopf; HT 8 (Kat. C 8), HT 107 (Kat. C 9) und HT 116 (Kat. C 10) sind kleine
Fragmente. Die Säulen haben 24 Kanneluren, die im unteren Teil mit Stäben ausgelegt
sind. Die unteren Schaftdurchmesser betragen 53,6 cm (HT 5), 51,2 cm (HT 6) und
51,5 cm (HT 7), sie differieren also um maximal 2,4 cm. Der Fuß der Säulen HT 5 und
HT 6 besteht aus Rundstab, Leiste und Säulenanlauf, die Maße variieren etwas. Die Kan-
neluren der Säule HT 5 setzen in 6 cm Höhe an, die von HT 6 in 7,5 cm Höhe. Erheblich
weicht der Fuß der Säule HT 7 ab, der nur aus einer 6,5 cm hohen Leiste und dem Anlauf
gebildet wird; seine Kanneluren beginnen erst in 13,5 cm Höhe. Dieser vereinfachte
Säulenfuß weist auf eine spätere Entstehungszeit, die Säule dürfte bei einer Reparatur
ausgetauscht worden sein (vgl. u. S. 122).
9 In fast allen Beschreibungen des Torbaues werden diese Säulen als „Dreiviertelsäulen“bezeichnet. Vgl.
o. S. 20. 23.
10 Dieses Werkstück war Wilberg offensichtlich nicht bekannt; es fehlt in seinen Aufzeichnungen.
Schottenhamel nimmt in seiner Rekonstruktion (Taf. 3) kannelierte Halbsäulen an.
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