Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

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Baubeschreibung und Rekonstruktion

Taf. 31,
Abb. 69. 70
Taf. 32,
Abb. 71. 73

Taf. 32, Abb. 72

Taf. 33, Abb. 75
Taf. 33,
Abb. 74. 76. 77

ionischem Kyma und Leiste zusammengesetzt ist (vgl. u. S. 101f.). Die Blöcke sind 37 bis
37,5 cm hoch und im unteren Auflager 64 bis 65,2 cm tief. Klammerlöcher zur Rückseite
hin belegen, daß die Blöcke mit den Rückseiten untereinander verklammert waren, also
die ganze Tiefe des Tores einnahmen.
Die Architravblöcke gliedern sich in zwei Gruppen, die Unterseite der ersten Gruppe
ist sorgfältig geglättet und auf Sichtbarkeit gearbeitet, die der zweiten als Auflager her-
gerichtet. An dem Eckarchitrav HT 22 (Taf. 31, Abb. 69. 70; Kat. L 1) ist ein 54 cm breiter
Streifen der Ecke als Auflager ausgebildet, die restliche Fläche ist auf Sicht geglättet, lag
also frei. Der Block ist in 191 cm Länge gebrochen. Auch der Block HT 24 (Taf. 32, Abb.
71. 73; Kat. L 3) gehört zu einem freiliegenden Architrav. Der Block ist nur mehr 70 cm
lang und auf beiden Seiten gebrochen. Da die Oberseite ein Hebeloch enthält, stammt er
aus der Mitte eines Architravblockes. Hierin gleicht er dem Block HT 23 (Taf. 32, Abb. 72;
Kat. L 2), der mit einer Länge von 102 cm ebenfalls rechts und links gebrochen ist. Der
Block enthält auf der obersten Faszie mit 6,5 cm großen Buchstaben die griechische
Weiheinschrift Nr. 1 (vgl. u. S. 69f.). Die Blöcke HT 28 (Taf. 33, Abb. 75; Kat. L 4) und
HT 95 (Taf. 33, Abb. 74. 76. 77; Kat. L 5) haben auf einer Seite eine Anschlußfläche, auf
der anderen sind sie gebrochen. Die letzten drei Blöcke gehören zur zweiten Architrav-
gruppe, ihre Unterseite ist als Auflager hergerichtet.

b Lagebestimmung. Die Lage der Blöcke im Baugefüge läßt sich wieder nur annähe-
rungsweise bestimmen. Die Blöcke HT 22 und HT 24, deren Unterseite auf Sicht gearbei-
tet ist, gehören in die seitlichen Interkolumnien. Der Eckblock HT 22 kann entweder vom
Nordosteck oder vom Südwesteck stammen. Lag er am Nordosteck, so war die Weihe-
inschrift nur kurz. Der Block HT 24 gehört in die Mitte eines seitlichen Interkolumniums.
Ob er zur Nord- oder Südseite gehört, hängt gleichfalls von der Länge der Inschrift ab.
Der Inschriftblock HT 23 gehört sicher zur Nordfassade und lag über dem Bogen auf dem
Wandkapitell auf. Diesem Bereich sind auch die Blöcke HT 28 und HT 95 zuzuweisen. Sie
gehörten jedoch zur Südseite, weil sie keine Inschrift tragen.

2 Fries.
a Beschreibung. Der Fries des Bogengeschosses wiederholt das Motiv der endlos an-
einandergereihten Pfeifen, an dieser Stelle jedoch mit geradem Profil. Die Blöcke kamen
im Bereich des Tores, vor dem Heroon und dem Oktogon zutage. Wilberg hat die Zuge-
hörigkeit dieses Frieses zum Torbau in Frage gestellt16, da die Ausführung der Pfeifen-
blätter, des Eierstabes und auch der technischen Details deutlich vom Untergeschoß
abweicht. Die Zuweisung zum Tor — eventuell in Zweitverwendung — scheint mir hin-
gegen gerechtfertigt (vgl. auch u. S. 60), da die Länge zweier Eckblöcke mit der Bau-
tiefe genau übereinstimmt.
Die neun erhaltenen Friesblöcke sind 29 bis 31,5 cm hoch und im unteren Auflager
38,5 bis 43,5 cm tief. Die Länge der Eckblöcke mißt 65 bis 69 cm, die der ganz erhaltenen
Zwischenblöcke 142 bis 148 cm. Die Pfeifenblattelemente sind 5 bis 6,5 cm breit und 1,5
bis 2,2 cm tief. Die oberen Blattenden mit dem Blattüberfall unterschneiden kräftig den
darüberliegenden Eierstab. Pro Pfeifenblatt ist ein Eielement in strenger Korrespondenz
angeordnet. Die Ausführung des Eierstabes differiert. Die zwischen den Eischalen liegen-
den Lanzettblätter sind teilweise als gerade Wülste ausgebildet, die in einer Spitze aus-

10 Wilberg hat die Steinaufnahme (Bl. Nr. 13) mit dem Zusatz versehen: „Fraglich ob zum Tor gehörig,
da Stil älter.“ In seiner Rekonstruktionsskizze (Taf. 2) hat er den Fries dennoch verwendet.
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