Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

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Viertes Kapitel
Balltechnik

I Material. Der gesamte sichtbare Aufbau des Tores von den Stylobatblöcken der bei-
den seitlichen Durchgänge an ist aus Marmor errichtet. Die Körnung des Marmors ist mit-
telfein bis grob, seine Farbe ist weiß und mit grauen Adern durchzogen. Nur die kanne-
lierten Säulen weisen eine lebhaftere Musterung auf, die Adern sind dunkler und teilweise
rötlich bis braun gefärbt. Diese Marmorsorte wurde in Ephesos häufig verwendet, sie
kommt, wie mehrere antike Steinbrüche in der Gegend1 zeigen, in der unmittelbaren
Umgebung der Stadt vor.
Blaue Kalksteinblöcke wurden für die Euthynterieschicht unter dem Stylobat und
für die großen Platten der Straßendurchfahrt verwendet. Die Fundamente selbst sind aus
opus caementitium gegossen (vgl. o. S. 30f.).
II Steinmetzmäßige Bearbeitung. Die Sichtflächen der Blöcke sind gut geglättet, aber
nicht poliert. Glatte Flächen wie die Faszien der Architrave und Bogenstirnen oder die
Schäfte der Postamente haben einen Randsaum (s. Abb. 17. 20. 23. 72. 120), die Flächen
selbst tragen die Spuren eines feinen Zahneisens (Abb. 120). Frei herausgearbeitete
Schmuckformen, wie die Akanthus- oder Schilfblätter der Kapitelle, die Schalen der Eier-
stäbe, die Pfeifenblätter der Friese (Abb. 32—37. 43), wirken hart. Die Kanten der Blätter
sind nirgends rundgeschliffen, sondern lediglich abgefast. Im Obergeschoß wurde sogar
auf diesen Arbeitsgang verzichtet (Abb. 107. 114).
Die nicht sichtbaren Flächen der Blöcke sind durchwegs nur grob bearbeitet, teil-
weise in Bruchbosse belassen. Nur die für die Anschlüsse erforderlichen Stoß- und Lager-
flächen wurden geglättet. Horizontale Lagerflächen, die auf kleiner Fläche große Lasten
zu übertragen hatten, wie die Basen, Säulen und Kapitelle des Untergeschosses und das
Pfeilerauflager neben dem Bogenanfänger HT 17 (Abb. 52. 144), sind überaus sorgfältig
geglättet. Auch die Lagerflächen der Basis, der Stützen und der Kapitelle des Ober-
geschosses sind mit einem feineren Zahneisen bearbeitet (Abb. 96. 108. 109. 113). Groß-
flächig aufliegende Lager wie die Friese und insbesondere die Gesimse sind rauher be-
lassen (Abb. 45. 48. 78. 87. 88. 92. 94); sie unterscheiden sich aber deutlich von den Flä-
chen, die nicht als Auflager dienten (vgl. Abb. 44. 46. 87). Vertikale Stoßflächen sind mit
Ausnahme der Blockrückseiten mit Anathyrose hergestellt. Der Rand zu den Sichtflächen
hin ist immer in einem rund 5 cm breiten Saum geglättet (Abb. 62. 77. 93. 121), auch der
Rand zum oberen und unteren Auflager hin ist bei vielen Blöcken (Taf. 22) geglättet, zur
Rückseite hin fehlt der Saum jedoch fast immer. Die Rückseiten der Blöcke sind im allge-
meinen in grober Bosse belassen.
III Klammer- und Dübellöcher. Die Verbindung der Bauteile in vertikaler Richtung
erfolgte durch Eisendübel2. Die an mehreren Bauteilen, dem Kapitell HT 99 (Abb. 145),
1 Zu Marmorsteinbrüchen s. FiE I 38ff., Taf. 6. 10; E. Atalay, ÖJh 51, 1976-77, 59f.; dens., in: Fest-
schrift Vetters 31 lff.
2 S. J. Duem, Baukunst der Griechen, Hb Architektur I (1910) 142ff. Abb. 114. 118; R. Martin, Ma-
nuel d’ArchitectureGrecque (1965) 279ff.; A. Orlandos,Les materiaux de constructionll (1968) 112 Abb. 122.

Abb. 17. 20. 23.
72. 120
Abb. 120

Abb. 32-37. 43

Abb. 107. 114

Abb. 52. 114

Abb. 96. 108.
109. 113
Abb. 45. 48. 78.
87. 88. 92. 94
Abb. 44. 46. 87

Abb. 62. 77. 93.
121; Taf. 22

Abb. 145
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