Thür, Hilke; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,1): Das Hadrianstor in Ephesos — Wien, 1989

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Bautypologie

den Giebel, der die drei mittleren Joche überdeckt. Der Bogen ist direkt auf das Hori-
zontalgesims gesetzt, unterhalb des Giebels fehlt die Sima. Seine Konstruktion ist kein
ganzer Halbkreis, sondern ein Segmentbogen. Vergleichsbeispiele für Bögen oder
Segmentbögen, die auf das Gesims aufgesetzt sind und in einen Giebel einschneiden,
wurden bereits oben (A 1) aufgezählt, wiederholt seien der ,Palazzo delle Colonne‘ in
Ptolemais, der korinthische Tempel in Termessos, der Triumphbogen von Orange und der
Trajansbogen von Timgad78.
Plan 11 F Im Obergeschoß sind die Achsen II—II a und III—III a (vgl. Plan 11) mit ringförmi-
gen Gebälkkonstruktionen zu Tabernakeln zusammengefaßt. Die Gebälke der Außen-
achsen sind detachiert. Hier wird ein Fassadenschema übernommen, dessen Vor-
bilder wohl in späthellenistischer Palastarchitektur79 zu sehen sind. Diese wurden
zunächst auf mehrgeschossige Bühnenfassaden übertragen80 und in der Folge — zu-
mindest seit der Zeit der Flavier — auch für andere Schaufassaden wie Nymphaeen und
Torbauten verwendet. Das älteste in Ephesos greifbare Beispiel ist das Hydrekdochion
des C. Laecanius Bassus81, das nach seiner Bauinschrift 80 n. Chr. errichtet und damit
zur selben Zeit wie das Nymphaeum in Milet82 erbaut wurde. Nicht sehr viel später
wurden unter Domitian die beiden ersten Geschosse des ephesischen Theaters83 fertig-
gestellt, und ebenso dürfte der Marmorsaal der Hafenthermen84 in diese Zeit gehören. In
trajanischer Zeit folgen die Bauten des Trajansnymphaeums85, des Straßenbrunnens86
und die Celsusbibliothek87.
Im Vergleich zu diesen zuvor genannten Fassaden ist die Gestaltung der Torfassade
bescheiden. Tabernakel und Verkröpfungen sind auf das Obergeschoß beschränkt und
bilden einen (vermutlich beabsichtigten) Gegensatz zu dem relativ großflächig und massig
gestalteten Bogengeschoß. Die Gegenüberstellung von griechischem Gliederbau und
römischem Bogenmonument wird so bewußt hervorgehoben.

Taf. 77 III Vergleich mit dem Hadrianstor in Athen (Taf. 77) 88. Die stets genannten Gemein-
samkeiten im Aufbau der Obergeschosse sind nicht zu übersehen: Die offenen Joche mit

78 Vgl. o. Anm. 14. 17. 19. 27.
79 Vgl. Lauter, Jdl 86, 1971, I49ff.; Strocka, Markttor, 36ff.; Lyttelton, a. 0. (o. Anm. 30) 53ff.; s.
auch die im 2. Jh. v. Chr. erbaute Blendarchitektur im Gymnasium in Stratonikeia, W. Koenigs, Türkei (1984)
214f.; Lauter, Die Architektur des Hellenismus (1986) 238 Taf. 20b. 21. 22.
80 Zu einer eventuell noch späthellenistischen Blendfassade aus Holz und Stuck in Alabanda s. Lauter,
BJb 171, 1971, 134ff. Die älteste bisher bekannte Theaterfassade Kleinasiens mit versetzten Tabernakeln
dürfte das römische Bühnengebäude I in Milet sein (neronisch). S. dazu E. Altenhofer in Milet 1899—1980,
IstMittBeih. 31, 165ff.; zur Datierung s. P. Herrmann, ebenda 175ff. mit einer ergänzenden Notiz von D. Mc
Cabes.
81 Eichler, AnzWien 98, 1961, 71 ff.; ders., AnzWien 100, 1963, 56ff.; ders., Anz Wien 101, 1964,
42f.; Fossel-Langmann, ÖJh 50, 1972—75, Beibl. 301ff.
82 Hülsen, Milet 1,5 (1919); Zur Datierung B. Kreiler, Die Statthalter Kleinasiens unter den Flaviern.
Diss. München (1975) 32ff.; Strocka, Markttor 22 Abb. 41. 67.
83 Zum Bau s. Heberdey-Niemann-Wilberg, FiE II; Hörmann, Jdl 38/39, 1923/24, 304ff.
Datierung in domitianische Zeit s. IvE VI 2034; s. dazu auch Thür in: Festschrift Vetters 186, Anm. 8.
84 S. Keil, Führer 80ff.
85 S. ebenda, 122 Abb. 66; IvE II 424 mit Rekonstruktionszeichnung; s. auch o. 2. Kap. Anm.24.
86 Keil, ÖJh 23, 1926, Beibl. 27 lff.; ders. Führer 138; Bammer, ÖJh 52, 1978-80, 88ff. Abb. 18. 19.
(Rekonstruktion M.Theuer). Durch die Inschrift in IvE II 424 A auf 102—114 n. Chr. datiert.
87 S. o. 1. Kap. Anm. 23.
88 S. Stuart-Revett, Athen III Kap. 3 Taf. 1—10 (dt. Ausg., X,10—XI,6); Travlos, Athen 253 Abb.
325-329.
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