Quatember, Ursula [Editor]; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,2): Das Nymphaeum Traiani in Ephesos — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2011

Page: 42
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4. Bautechnik und Bauentwurf

4.3.3 Kapitelle des Untergeschosses (Ebene 4) sowie Kapitelle und Pilasterabschlüsse des Obergeschosses (Ebene 10)
Da die Kapitelle beider Geschoße abgesehen von 10-3 bis 10-7 verbaut und keine zeichnerischen Aufnahmen mehr vorhanden sind, ist man
in den meisten Fällen bei Aussagen über die technische Zurichtung auf Archivfotos angewiesen (Taf. 31, 2; 67,3).
Säulenkapitelle des Untergeschoßes
Die beiden dokumentierten Stücke 4-3 und 4-8 besitzen jeweils ein Dübelloch in der Mitte der Unterseite. Eine Anathyrose des unteren
Auflagers ist auf den alten Aufnahmen nicht erkennbar. Die Lagerflächen erscheinen mit einem feinen Zahneisen geglättet.
Nur von 4-3 ist das obere Auflager dokumentiert (Taf. 31, 2). Die Oberseite besitzt einen grob geglätteten Randsaum, der Bereich der
Lagerfläche ist dem Foto nach etwas feiner geglättet. Ein länglich-rechteckiges Dübelloch befindet sich offenbar im Randbereich des
Auflagers zu jener Seite hin, die im heutigen, verbauten Zustand die S-Seite ist; ursprünglich aber diente das Dübelloch an der N-Seite zum
Verdübeln des zur Rückwand führenden Architravs206.
Den Architrav-Unterseiten des Untergeschoßes nach zu schließen ist die Verdübelung zwischen Architraven und Säulenkapitellen
uneinheitlich: Im Gegensatz zu 4-3 muß zumindest eines der Säulenkapitelle zwei Dübellöcher in der Oberseite aufweisen. Über die anderen
Stücke kann jedoch keine Aussage getroffen werden, da weder die Oberseite der Kapitelle sichtbar noch die dokumentierten Unterseiten der
Architrave erhalten sind.
Säulenkapitelle des Obergeschoßes
10-1 weist in der Oberseite zwei in einer Achse liegende Dübellöcher mit Gußkanal zu einer Seite auf (Taf. 67, 3). Das obere Auflager von
10-3 ist grob geglättet; Dübel- oder Hebelöcher sind nicht erhalten. Das untere Auflager besitzt ein zentrales, rechteckiges Dübelloch (ca.
2><2 cm) und ist mit einem Zahneisen geglättet.
Pfeilerkapitelle des Untergeschoßes
An den auf der gesamten Fläche geglätteten Unterseiten weisen die Kapitelle ein zentrales Dübelloch auf, das zumindest im Fall von 4-13
runde Form hat207. 4-11 scheint dem Foto nach zu schließen eher rechteckige Form gehabt zu haben, bei 4-14 ist eine Feststellung des
Querschnitts nicht mehr möglich, da um das Dübelloch eine Vertiefung eingearbeitet ist.
An der Oberseite besitzt 4-11 drei, 4-13 zwei Dübellöcher und 4-14 ein Dübelloch (Taf. 31, 2), deren Anordnung den darüber befindlichen
Architraven entspricht; somit war das Auflager jedes Architravs mit dem darunter liegenden Pfeilerkapitell verdübelt.
Pilasterkapitelle des Untergeschoßes
Ober- und Unterlager der Pilasterkapitelle sind auf der gesamten Fläche geglättet. Die Unterseite besitzt in der Regel ein rechteckiges
Dübelloch208.
Die Oberseiten von 4-1, 4-2, 4-5, 4-6 und 4-9 waren jeweils durch zwei Klammern mit der Rückwand verbunden; bei 4-10 und 4-12 fehlen
diese (Taf. 31, 2; 35, 1). Darüber hinaus befindet sich bei jedem Pilasterkapitell etwa in der Mitte der Oberseite ein zentrales Dübelloch,
welches zur Befestigung des zur Vorderseite der Fassade führenden Architravs diente. Nicht in allen Fällen scheinen Gußkanäle ausgeführt
gewesen zu sein, die vorhandenen führen entweder zur Seite oder schräg nach vorne. Den Fotos zufolge fehlen Gußkanäle an den Kapitellen
4-9 und möglicherweise auch 4-5. Bei 4-12 ist nicht eindeutig feststellbar, ob es sich bei der Einarbeitung an der Oberseite um einen
Gußkanal handelt - der dann allerdings nicht bis zum Dübelloch durchlaufen würde - oder vielleicht um ein Stemmloch bzw. eine Rißlinie
für den Wandarchitrav.

206 Demnach wurde das Kapitell in der Architekturprobe offenbar um 180° gedreht; dies 208 Bei 4-10 auf einem Archivfoto zwar nicht sichtbar, aber höchstwahrscheinlich
ist wahrscheinlich mit dem besseren Erhaltungszustand dieser Seite zu begründen. vorhanden und abgebrochen.
207 Sofern es sich bei diesem nicht um eine moderne (Um-)Arbeit(ung) in Zusammenhang
mit der aufgestellten Architekturprobe handelt, ist dies das einzige runde unter sonst
rechteckigen Dübellöchem.

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