Quatember, Ursula [Editor]; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,2): Das Nymphaeum Traiani in Ephesos — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2011

Page: 52
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fie_bd11_2/0080
License: Creative Commons - Attribution - NoDerivatives
0.5
1 cm
facsimile
5. Inschrift und Stifter

Als Nachkommen des Aristion sind wahrscheinlich ein Sohn gleichen Namens sowie dessen Sohn Ti. Claudius Trophimos - letzterer als
Nearchos - in einer hadrianischen Inschrift bezeugt313. Da trotz der für diese Zeit reichen Quellenlage keine späteren Zeugnisse vorliegen und
auch das üblicherweise innerhalb der Familie weitergegebene Amt des Neokoros sicherlich vor der Mitte des 2. Jh.s, vielleicht schon unter
Hadrian, an eine andere Familie überging314, gehen sowohl Scherrer als auch Kirbihler von einem frühen Tod der männlichen Nachkommen
des Aristion aus315.
Die Stiftung von Bauten durch Aristion scheint primär nicht mit seinen Ämtern in Zusammenhang zu stehen; vielmehr entsprechen sie dem
für Ephesos in zahlreichen Fällen nachgewiesenen sog. freien Euergetismus. Dies bedeutet, es handelt sich um Leistungen zum Wohle der
Stadt, unabhängig von seinen unmittelbaren Amtspflichten316. Ob Aristion seine Bauten nach einem einheitlichen Planungskonzept errichten
ließ - sei es auf seine Initiative hin oder städtebaulichen Vorgaben folgend - muß dahingestellt bleiben. Seine Bautätigkeit kann, obwohl
durch zahlreiche Inschriften bezeugt, konkret nur mit zwei Brunnenanlagen und einer Wasserleitung verbunden werden317.
Zwar stehen Nymphaeum Traiani und Wasserleitung des Aristion eindeutig in baulichem Bezug zueinander, was durch die Inschrift des
Gebäudes bestätigt wird; daß auch der Straßenbrunnen von der Aristion-Leitung versorgt wurde, scheint auf Grund des Höhenunterschiedes
zwischen Brunnen und dem beim Magnesischen Tor nachgewiesenen Leitungsabschnitt aber nicht möglich318. Die ähnliche Bauomamentik
zeigt jedoch eine Bezugnahme der Bauten aufeinander319. Da der Straßenbrunnen relativ gesehen das ältere Bauwerk ist, wäre folgendes
Szenario denkbar: Während - vielleicht sogar bevor - der von Aristion finanzierte Aquädukt errichtet wurde, versuchte Aristion, sich in den
Augen der Öffentlichkeit als Gönner und Wohläter der ephesischen Wasserversorgung darzustellen. Es gäbe kein geeignetes Bauwerk, um
diese Botschaft zu transportieren, als ein Fasadennymphäum mit einer entsprechenden Inschrift und adäquatem Skulpturenprogramm320.
So konnte Aristion schon vor der Fertigstellung von Aquädukt und Nymphaeum Traiani auf seine Freigebigkeit verweisen und wohl auch
Meriten dafür ernten. Unter diesem Gesichtspunkt könnten die von ihm und seiner Gattin errichteten Bauten durchaus auf ein einheitliches
Konzept zurückzuführen sein. Scherrer nimmt weiters an, daß Aristion nicht nur mit Celsus Polemaeanus verwandt, sondern auch mit P.
Quintilius Valens Varius verschwägert war321, der gemeinsam mit seiner Tochter Varilla das westlich vom Nymphaeum Traiani gelegene,
heute auch als Scholastikia-Therme bezeichnete Bad errichten ließ322, das höchstwahrscheinlich vom Aristion-Aquädukt mit Wasser versorgt
wurde. Daraus ließe sich ein weiterreichendes Bauprogramm ephesischer Stifterfamilien ablesen323.
Da der Zeitpunkt des von Plinius erwähnten Prozesses gegen Aristion nicht genau bestimmt werden kann, muß leider offenbleiben, ob sich
die angeblich von Neidern vorgebrachten Anwürfe in seinem Bauprogramm und dessen architektonischer Ausgestaltung widerspiegeln. Die
Errichtung eines Aquädukts zur Sicherstellung der Wasserversorgung und damit eines menschlichen Grundbedürfnisses könnte ebenso als
Reaktion auf Kritik zu werten sein wie die ostentative Zurückhaltung in der Ornamentierung der beiden Brunnenbauten. Folgt man jedoch
dem Vorschlag von E. Rathmayr, die nicht nur von statuarischen Darstellungen des Stifterehepaares in der Tabernakelfassade ausgeht,
sondern annimmt, daß eine Statue des mythischen Stadtgründers Androklos ein Porträt Aristions getragen hat324, könnte dies durchaus das
angebrachte Maß an Selbstrepräsentation überschritten und Kritik hervorgerufen haben. Aristions Rolle bleibt hier jedenfalls ambivalent.

313 IvE IV 1145; Scherrer, Kaiserpriester, 123 f.
314 Scherrer, Kaiserpriester, 116 f.
315 Scherrer, Kaiserpriester, 123; Kirbihler, Notables, 298.
316 Cramme, Euergetismus, 115. Zu den hohen Kosten vor allein auch hinsichtlich der
Errichtung einer Wasserleitung s. Eck, Recht und Administration, 73. 78 f.
317 s. Quatember, Aristion, bes. 103-105.
318 Aus der Inschrift des Straßenbrunnens (IvE II 424a) geht die ihn versorgende
Wasserleitung nicht hervor. Der Brunnen liegt jedoch höher als die östlich davon
vorbeiführende Freispiegelleitung des Aristion, s. Quatember, Brunnen, bes. 255.

319 Vgl. Kap. 6; s. auch Quatember, Aristion, 101-113.
320 Leider ist die Inschrift des Straßenbrunnens zu fragmentiert und die originale Sta-
tuenausstattung nicht mehr vorhanden, um diese Hypothese zu verifizieren, s. auch
Quatember, Brunnen, 219-264
321 Scherrer, Femwasserversorgung, 55 mit Anm. 53; Scherrer, Bauprogramme, 49-51.
322 Knibbe - Merkelbach, Variusbad, 99; s. dazu auch Kap. 2.4 mit weiteren Literatu-
rangaben.
323 Vgl. dazu ausführlicher Kap. 11.1.
324 Rathmayr, Androklos, 28; vgl. dazu auch Kap. 7.2. (Kat. 4) und 11.1.

52
loading ...