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Pülz, Andrea M.; Bühler, Birgit; Melcher, Michael; Schreiner, Manfred; Schwarcz, David Zsolt; Österreichische Akademie der Wissenschaften / Verlag [Contr.]
Byzantinische Kleinfunde aus Ephesos: ausgewählte Artefakte aus Metall, Bein und Glas (Band 18,1: Textband): Textband — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.51987#0024
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23

3 EPHESOS IN BYZANTINISCHER ZEIT: EIN ÜBERBLICK
Ein Blick auf die Stadtgeschichte zeigt, dass sich Ephesos von den Erdbebenzerstörungen des
3. und 4. Jahrhunderts sukzessive erholte und ab dem Ende des 4. Jahrhunderts wieder zu einer
pulsierenden Metropole in Kleinasien wurde. Das städtische Leben konzentrierte sich dabei
zunehmend auf die ehemalige kaiserzeitliche Unterstadt, in der ab dem ausgehenden 4. und im
5. Jahrhundert zahlreiche repräsentative Wohnhäuser im Bereich des Hafengymnasiums und der
Verulanushallen, der sog. Byzantinische Palast (= Bischofspalast) sowie die Marienkirche (-
Bischofskirche) errichtet wurden. Anzuführen sind aber auch über 15 Kirchenbauten, die verteilt
über das antike Stadtgebiet in frühbyzantinischer Zeit errichtet wurden. Verwiesen sei zudem auf
die internationale Bedeutung von Ephesos als Pilgerzentrum, die den wirtschaftlichen Aufstieg
der Stadt zusätzlich förderte. Ende des 6./Anfang des 7. Jahrhunderts wurde schließlich ein
neuer Stadtmauerring errichtet, der nun nicht mehr das gesamte Stadtareal, sondern nur noch die
Bauten in der Unterstadt (Bischofskirche samt -palast, Wohnresidenzen entlang der Arkadiane,
Theater, Stadion) umwehrte. Die nun außerhalb der Stadtmauer liegenden Bauten wie jene an der
Kuretenstraße, die Hanghäuser und der sog. Staatsmarkt wurden vielfach in Werkstätten (z. B.
Töpfereien, Buntmetall Werkstätten, Steinsäge, Mühle im Hanghaus 2) um funktioniert, wodurch
diese Stadtteile gleichsam ein Art Vorstadtcharakter erhielten.
Ab dem 7./8. Jahrhundert gab es in Ephesos offenbar kein homogenes Stadtgefüge mehr; eher
lässt sich von einer dörflichen Siedlungsstruktur sprechen, die sich über das ehemalige Stadtge-
biet erstreckte. Siedlungsphasen des 7.-9. Jahrhunderts sind beispielsweise im Vediusgymnasium
belegt, das in dieser Zeit für einfache Wohnzwecke genutzt wurde. Mittelalterliche Überbauungen
finden sich aber auch im Bereich der frühbyzantinischen Residenzen, die die Verulanushallen
überlagerten, sowie innerhalb des sog. Byzantinischen Palasts. Hier konnten darüber hinaus ein
Kalkbrennofen des 10. Jahrhunderts und ein kleines Gräberfeld an der südlichen Langhauswand
der Palastkapelle nachgewiesen werden, das von frühbyzantinischer Zeit bis in das 14. Jahrhun-
dert genutzt wurde. Ebenfalls eine kontinuierliche Belegung bis in spätbyzantinische Zeit ist
auch für die Gräber in der und um die Marienkirche belegt, die z. T. wertvolle Grabbeigaben wie
Ohrringe und Fingerringe aus Bunt- und Edelmetall, Armringe aus Glas und Kreuze enthielten33.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass offenbar das gesamte Gebiet der ehe-
maligen Unterstadt wohl ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts oder ab dem beginnenden
5. Jahrhundert tief greifende bauliche Veränderungen erfahren hat. So verloren etwa das ehe-
malige Hafengymnasium und die östlich vorgelagerten Verulanushallen durch die Überlagerung
mit neuerrichteten Wohnquartieren ihre ursprüngliche Funktion34. Auch die neuesten Ergebnisse,
die sich aus den Untersuchungen am nahe gelegenen sog. Byzantinischen Palast ergeben haben,
unterstützen die Annahme einer Konzentration des städtischen Lebens im Bereich der kaiserzeit-
lichen Unterstadt35. Hervorgehoben seien aber auch jene Stadtviertel, die durch die spätere Ver-
kleinerung der Stadt außerhalb des ummauerten Bereichs zu liegen gekommen waren, d. h. das
Areal um den Sattel zwischen den beiden Stadtbergen sowie die Kuretenstraße36. In diesen nun
suburbanen Arealen bildeten sich nämlich sukzessiv kleinere Handwerks- und Gewerbebetriebe
aus, wie sie beispielsweise im Bereich der ehemaligen repräsentativen Hanghäuser festgestellt
werden konnten37. Auf eine Besiedelung von Ephesos auch noch in mittel- und spätbyzantini-
scher Zeit deuten schließlich die Befunde und Funde wie beispielsweise die mittelalterlichen

33 Zusammengefasst nach Ladstätter - Pülz 2007; Ladstätter 2010; Pülz 2010a; Wefers - Mangartz 2010; Wefers
2015; A. M. Pülz 2017b.
34 Foss 1979, 60; Pülz 2010a.
35 Die archäologischen Untersuchungen der spätantiken Wohnbebauung im Hafengymnasium und des sog. Byzan-
tinischen Palasts sind Teil des laufenden Publikationsprojekts zum byzantinischen Ephesos.
36 Thür 1999, 104-120; Bauer 1996, 284-290.
37 Ladstätter - Pülz 2007, 419-421.
 
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