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Pülz, Andrea M.; Bühler, Birgit; Melcher, Michael; Schreiner, Manfred; Schwarcz, David Zsolt; Österreichische Akademie der Wissenschaften / Verlag [Contr.]
Byzantinische Kleinfunde aus Ephesos: ausgewählte Artefakte aus Metall, Bein und Glas (Band 18,1: Textband): Textband — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.51987#0350
License: Creative Commons - Attribution
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349

VII ZUSAMMENFASSUNG
Die ephesischen Kleinfunde, die im Zuge dieses Projekts behandelt wurden, umfassen an die
1 100 Objekte und stammen von unterschiedlichen Fundorten und Kontexten (Siedlungsbereiche
und Gräber) in ganz Ephesos. Angeführt seien etwa die spätantik-frühbyzantinische Wohnbe-
bauung im Bereich des Hafengymnasiums, der sog. Byzantinische Palast, die byzantinischen
Überbauungen und Nachnutzungen im Hanghaus 2, die Marienkirche oder die Johannesbasi-
lika. Dank einer Kooperation mit dem Ephesos Museum Selçuk war es möglich, auch Objekte,
deren genaue Provenienz z. T. unbekannt ist (Streufunde, die von der lokalen Bevölkerung dem
Museum übergeben wurden), oder Funde, die aus türkischen Grabungen stammen, einzubinden.
Ebenso wurden die byzantinischen Artefakte, die bereits im ausgehenden 19. und beginnenden
20. Jahrhundert aus Ephesos in das Kunsthistorische Museum nach Wien verbracht worden
waren, berücksichtigt. Damit bot sich die einmalige Möglichkeit der Darstellung des Materials
einer gesamten Region. Dies ist vor allem hinsichtlich großer Objektgruppen wie beispielsweise
den Fingerringen, Gürtelschnallen oder Kreuzen relevant, deren Analysen es ermöglichten, regi-
onale Tendenzen und lokale Vorlieben der Bevölkerung nachzuzeichnen und anderen gut doku-
mentierten Fundregionen gegenüberzustellen.
Die materielle Kultur der byzantinischen Periode in Ephesos umfasst neben Körper- und
Gewandschmuck, magische Artefakte und Kleinfunde mit liturgischem Hintergrund, Stempel,
medizinische und kosmetische Instrumente, Spielsteine, Waagen und Gewichte, Werkzeuge und
Waffen sowie kleinteilige Ausstattungselemente wie verschiedene Beleuchtungskörper, Schlösser
und Schlüssel. Die verwendeten Materialien sind ebenfalls mannigfaltig: Luxusgüter wurden
aus Edelmetall und Elfenbein hergestellt, >gewöhnlicher< Körper- und Gewandschmuck hinge-
gen meist aus Buntmetall und Glas. Zu den Luxusgütern aus dem sakralen/kirchlichen Bereich
gehören etwa Prozessions- und Vortragekreuze, Räuchergefäße, Polykandela, Ikonen und Votiv-
plättchen. Allerdings ist eine Unterscheidung zwischen profanem und sakralem Gebrauch nicht
immer einfach, da Gegenstände mit christlichen Darstellungen und Symbolen nicht per se dem
kirchlich/sakralen Bereich zuzuordnen sind; so können beispielsweise die Reliquien- und Anhän-
gerkreuze auch als Ausdruck der eigenen Religiosität und privaten Frömmigkeit gewertet werden.
Kleinfunde sind in erster Linie Zeugnisse des täglichen Lebens, belegen zugleich aber auch
technisches Können, ökonomische Verhältnisse, Handelsbeziehungen sowie religiöse und künst-
lerische Vorstellungen. Die Wahrnehmung der byzantinischen materiellen Kultur jedoch wird bis
heute großteils von den Luxusartikeln aus Gold und Silber bestimmt, obwohl diese nur einen
kleinen Teil der byzantinischen Kleinfunde repräsentieren. Daher kommt der hier vorgenom-
menen Analyse der zahlreichen Gegenstände aus Kupferlegierungen, d. h. verschiedenen Legie-
rungen aus Buntmetallen, ein besonderer Stellenwert zu, vermögen diese doch einen wertvollen
Beitrag für die Erforschung der materiellen Alltagskultur und Geschichte der byzantinischen
Zeit zu leisten.
Erklärtes Ziel dieser Arbeit war die möglichst vollständige Vorlage des Materials einschließ-
lich einer kontextuellen Analyse im gegebenen Fall im Rahmen einer Publikation. In diesem
Zusammenhang stand eine Reihe von Detailaspekten im Zentrum des Interesses, etwa Fragen
nach der Herstellungstechnik und der Materialzusammensetzung einzelner Objekte. Die Unter-
suchung der byzantinischen Kleinfunde erfolgte daher sowohl von archäologischer als auch von
technologischer Seite, was eine gesamtheitliche Darstellung des Materials ermöglichen sollte.
Durch die Zusammenarbeit mit Spezialistinnen und Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtun-
gen (herstellungstechnologische Untersuchungen: VIAS, D. Zs. Schwarcz, B. Bühler, M. Mörth;
Metallanalysen: Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst an der Akademie
 
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