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Pülz, Andrea M.; Bühler, Birgit; Melcher, Michael; Schreiner, Manfred; Schwarcz, David Zsolt; Österreichische Akademie der Wissenschaften / Verlag [Contr.]
Byzantinische Kleinfunde aus Ephesos: ausgewählte Artefakte aus Metall, Bein und Glas (Band 18,1: Textband): Textband — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.51987#0298
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297

V DIE METALLVERARBEITENDEN WERKSTATT-
BEREICHE IM HANGHAUS 2 UND WEITERE HINWEISE
AUF METALLVERARBEITUNG IN EPHESOS IN
BYZANTINISCHER ZEIT
Bisher ist die Metallverarbeitung in Ephesos, vor allem während der byzantinischen Periode1557,
kaum untersucht worden. Seit geraumer Zeit wird jedoch - aufgrund eines Fundensembles aus
dem Hanghaus 2, das viele Fragmente verschiedener, stark verschlackter Gusstiegel und Guss-
formen umfasst - eine im 6./7. Jahrhundert vor Ort ansässige Buntmetallwerkstatt vermutet1558;
daher hat sich die Bearbeitung des Materials im Rahmen der hier präsentierten Studie angeboten.
Allerdings haben erste Analysen und Recherchen ein sehr komplexes und in mehrerlei Hinsicht
kompliziertes Bild der Metallverarbeitung im Hanghaus 2 ergeben, sodass die Aufarbeitung der
Funde, Befunde und des Fundkontexts sowie die sich daraus ergebenden Fragen nun separat als
Dissertationsvorhaben vom Verfasser bearbeitet werden1559. In diesem Beitrag soll somit nur ein
kurzer Einblick in die vorläufigen Ergebnisse gegeben werden.
Obwohl die Herstellungstechnik zahlreicher Metallobjekte - vor allem aus Edelmetall aus
byzantinischer Zeit in der Fachliteratur Eingang findet und die Herkunft der Objekte bezüglich
ihrer stilistischen und typologischen Merkmale häufig diskutiert wird, konnten die Werkstät-
ten selbst, die Edel- und/oder Buntmetall1560 verarbeitet haben, im Gebiet des Byzantinischen
Reichs bislang selten identifiziert werden. Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf das
Atelier der Crypta Balbi in Rom, wo um das 7. Jahrhundert verschiedenste Produkte, u. a. auch
Gürtelschnallen, hergestellt wurden, um vermutlich den Bedarf eines größeren Kundenkreises
zufriedenzustellen1561.
Viel häufiger jedoch steht nur die materielle Hinterlassenschaft der Metallhandwerker (z. B.
Halbfabrikate, Modelle und Gussformen) ohne (deutlichen) Befund zur Verfügung, die sehr
wahrscheinlich auf eine lokale Herstellung verschiedener >Kleingegenstände< hinweist. Um nur
einige Beispiele zu nennen: In der Bucht von Abuqir (Ägypten) deuten viele kleine Goldfrag-
mente (Metallschrott/Werkstattabfall), Rohmaterialien, Fehl- und Endprodukte sowie Werkzeuge
auf den Betrieb einer Goldschmiedewerkstatt im 7./8. Jahrhundert1562. Aus Korinth ist die Hälfte
einer mehrteiligen Gussform bekannt, mit der mehrere Fingerringe spätantik-frühbyzantinischer
Zeitstellung erzeugt wurden1563. Viele Gussformen sowie Guss- und Treibmodelle hauptsächlich
zur Herstellung verschiedener Gürtelbestandteile (überwiegend zu militärischen Zwecken) deu-
ten auf mehrere metallverarbeitende Produktionsstätten im 6. Jahrhundert in der Ober- und auch
in der Unterstadt in lustiniana Prima (Carincin Grad, Serbien)1564. Vermutlich aus Kleinasien

1557 Im Rahmen der Untersuchungen der Goldfunde aus dem Artemision wurde eine mögliche lokale Goldschmiede-
werkstatt der archaischen Zeit aufgrund der als Werkstattabfall oder Halbfabrikate interpretierten Objekte erfasst:
A. M. Pülz 2009, 23-25.
1558 Ladstätter 2010, 506; vgl. Pülz 2010a, 558.
1559 Die Dissertation des Verfassers, »Buntmetallverarbeitung in Ephesos in byzantinischer Zeit«, wird durch ein
Promotionsstipendium des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz in Kooperation mit dem Österrei-
chischen Archäologischen Institut gefördert.
1560 Mit dem Sammelbegriff »Buntmetall« werden die Nichteisenmetalle (z. B. Kupfer, Zinn, Zink und Blei) belegt.
Schon der Name deutet auf das breite Farbspektrum der zur Gruppe gehörenden Grundmetalle und ihrer Legie-
rungen.
1561 Ricci 2001, 331-442; Ricci 2012, 2.
1562 Petrina 2012, 408-413.
1563 Davidson 1952, 308 f. Kat. 2671; Bosselmann-Ruickbie 2011, Abb. 72 a. b.
1564 Ivansevic 2018, 719-722.
 
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