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Pülz, Andrea M.; Bühler, Birgit; Melcher, Michael; Schreiner, Manfred; Schwarcz, David Zsolt; Österreichische Akademie der Wissenschaften / Verlag [Contr.]
Byzantinische Kleinfunde aus Ephesos: ausgewählte Artefakte aus Metall, Bein und Glas (Band 18,1: Textband): Textband — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.51987#0026
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25

I DIE KLEINFUNDE: ANALYSE UNTER TYPOLOGISCHEN,
CHRONOLOGISCHEN UND MOTIVGESCHICHTLICHEN
GESICHTSPUNKTEN

LA GEWANDSCHMUCK (T)
I.A.1 Gürtelzubehör: Teile der Gürtelgarnitur
Der Gürtel und dementsprechend auch sein metallener Besatz hatten in der Spätantike und in
frühbyzantinischer Zeit eine wichtige symbolische Bedeutung sowohl im religiösen als auch im
profanen Bereich und waren damit ein repräsentatives Element der materiellen Kultur41. Material,
Form und Verzierung einer Gürtelschnalle wie auch Breite und Beschaffenheit des Gürtels selbst
galten als Ausdruck der sozialen oder militärischen Stellung des Trägers42. Der Gürtel zeigt den
Stand der Person in der frühbyzantinischen Hierarchie als »sichtbares Zeichen der Rechtsfähig-
keit und des Standes«43. Abgesehen davon fand der Gürtel auch Verwendung als Auszeichnung
von Würdenträgern, als diplomatisches Geschenk oder als kostbares Kleidungsutensil44. Ob
bestimmte Typen dabei auch außerhalb der engeren Ökumene als Rang- oder Standeszeichen
galten (insignis Imperii) ist zwar nicht gesichert, aber wahrscheinlich45.
Die einfachen byzantinischen Gürtel mit Schnalle besaßen zwischen dem 5. und 7. nachchrist-
lichen Jahrhundert keine zusätzliche Riemenzunge; erst im Laufe des 7. Jahrhunderts scheint eine
zweiteilige Gürtelgarnitur bestehend aus Schnalle und Riemenzunge wieder in Mode gekommen
zu sein46. Mitglieder der byzantinischen Oberschicht von besonderem Rang hingegen trugen
z. T. schon in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts Schnallen mit zugehörigen Riemenzungen an
ihren Gürteln, die dann meist aus Edelmetall waren47. Besonders Schnallen mit festem Beschläg
der Typen Dl, D2, D30 und D31 waren im 6. und frühen 7. Jahrhundert mit einem passenden
Gegenbeschläg ausgestattet. Vielteilige Gürtelgarnituren, also Gürtel mit mehreren Nebenriemen,
waren vor allem im 8. und frühen 9. Jahrhundert besonders beliebt48; danach scheinen sich die
Gürtelausstattungen auf Schnalle und manchmal Riemenzunge zu beschränken49.
Die Beschaffenheit des Gürtels legte zugleich die zu verwendende Schnalle fest. So waren für
einen Stoffgürtel, der verknotet wurde, beispielsweise die Schnallentypen Gl bis G3 besonders
geeignet, da sie mithilfe des Riemendurchzugs leicht befestigt werden konnten. Für Schnal-
lenbeschläge, die auf der Unterseite angegossene Lochzapfen oder Steckösen aufweisen, wie
bei einem Großteil der Schnallen, war ein Stoffgürtel jedoch nicht dienlich, und man kann von
Ledergürteln ausgehen, wobei die Beschläge durch Holz- oder Metallsplinte am Gürtel befestigt
wurden. Durch die Lochzapfen war eine einfache Lösung gegeben, die Schnalle jederzeit auf
einem anderen Gürtel, einem Schuh oder einer Tasche zu befestigen. Der Schnallendorn wurde
nicht wie bei modernen Gürteln durch ein Loch im Gürtel geführt, sondern durch hochstehende
Schlaufen gezogen50.

41 Eger 2010a, 129. Zum Tragen eines Gürtels in den verschiedenen Bereichen s. Albrecht 2010 mit in literarischen
Quellen angeführten Beispielen. Zum Gürtel s. auch Speyer 1983, 1232-1266; Eibern 1989.
42 Speyer 1983, 1248; Völling 1992, 495; Martini - Steckner 1993, 134-136.
43 Martini - Steckner 1993, 134.
44 Albrecht 2010, 87 und 91.
45 Martini - Steckner 1993, 133.
46 s. Schulze-Dörrlamm 2009, II 286 f. mit Beispielen.
47 Zu Beispielen s. Schulze-Dörrlamm 2009, II 287-289.
48 Daim 2000, 93 f.
49 Schulze-Dörrlamm 2009, II 293.
50 Zusammengefasst nach Schulze-Dörrlamm 2009, II 285 f. mit Beispielen.
 
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