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Fundkomplexe

B. Czurda-Ruth
In den Einleitungen von C. Lang-Auinger und B. Czurda-Ruth489 wurde schon erwähnt, daß sich anhand des
archäologischen Befundes 22 Fundkomplexe feststellen ließen. Ihr Glasinventar wird zur besseren Übersicht
sowohl in Listenform als auch zeichnerisch auf den Tafeln 25-33 präsentiert490.
Den chronologisch ansteigend geordneten Fundkomplexen wurden die beiden Brunnenfüllungen im Atrium
der Domus (Komplex 1) und in SR 9c (Wohneinheit 5, Komplex 2) vorangestellt. Die Mehrzahl der übrigen
Komplexe (K. 3-12) stammt aus der frühen Kaiserzeit und steht mit der Zerstörung des Peristylhauses und
dem Neubau der Domus in Zusammenhang. Ein Komplex (K. 13) ist der severischen Periode zuzurechnen,
vier weitere (K. 14-17) sind Folge des großen Erdbebens im 3. Viertel des 3. Jhs. n. Chr. und zeigen zeitglei-
ches Material. Schließlich ergaben vier Komplexe (K. 18-22) Funde aus spätantiken Phasen bis hin zum Ende
der Besiedlung der Hanghäuser.
Komplex 1 (Taf. 25 und 26)491
Im Atriumbrunnen in der Domus492 wurde Glas in drei Schichten gefunden, wobei die früheste (Füllung 2)
aus dem 1. Jh. n. Chr. die ergiebigste ist. Es handelt sich mit einer Ausnahme, dem schwarz opaken Balsamar
KatNr. 247, ausschließlich um im 1. Jh. n. Chr. gebräuchliches Tafelgeschirr: Becher, Flaschenreste und vor
allem halbkugelige Schalen der Form Isings 12 sowie deren Variante mit ausbiegendem Rand. Davon sind
zwei Exemplare von besonderem Interesse, nämlich die beiden dunkelgrün durchscheinenden Schalen KatNr.
104 (mit figürlichem Schliffdekor)493 und 105 (nur mit Schliffreifen). Das einzige Fragment einer Rippen-
schale (KatNr. 60) in diesem Kontext ist auch der einzige Vertreter im ganzen Glasinventar aus Hanghaus 1
der frühesten geformten Schalen mit unregelmäßigen Rippen und unpolierten Rändern, wie sie aus Hagoshrim
bekannt sind494. Auf Grund dieser Form sowie des schwarz opaken Balsamars und auch der färbigen Schalen
Isings 12 scheint eine Einengung der Datierung für diesen Komplex auf die erste Jahrhunderthälfte vor-
stellbar.
Füllung 3 hängt mit den Erdbeben im 3. Jh. n. Chr. zusammen und zeigt für das 3. Viertel des 3. Jhs. n. Chr.
typisches Tafelgeschirr: einen Becher mit gerundetem Rand, ein Schälchen mit hohem Standring, eine Ku-
gelflasche mit abgeschnittenem Rand sowie eine Flasche mit Trichtermündung, daneben noch ein Balsamar-
fragment.
In der spätantiken Füllung 4 fand sich neben dem Bruchstück eines Fensterglases nur ein Bodenfragment mit
,echtem4 Standring.

Komplex 2 (Taf. 26)
Dem ersten vorchristlichen Jahrhundert und damit den ältesten Schichten gehören beide Füllungen des
Schachtbrunnens in SR 9c in Wohneinheit 5 an495:
489 s. S. 19 und 15.
490 Hierauf weisen in den Listen die fettgedruckten Katalognummem hin. Im Katalog sind Stücke aus den Komplexen durch einen
vorgesetzten Stern (*) gekennzeichnet.
491 Zu den Fundkomplexen s. auch Tabellarische Übersicht der Fundkomplexe‘.
492 Lang-Auinger 1996, 86 f. Abb. 65.
493 s. S. 59.
494 s. S. 43.
495 Ladstatter et al. 2003, 22-26 (unter Einbeziehung der Glasfunde durch B. Czurda-Ruth).
 
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