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63

IV STRATIGRAFISCHER BEFUND
(Martin Steskal)

IV.l Vorbemerkung
Aufgrund der zahlreichen Grabungen, die vor allem in den 1950er und 1960er Jahren im Areal des Prytanei-
ons durchgeführt worden waren (Taf. 16), verblieben nur noch wenige ungestörte Flächen für stratigrafische
Untersuchungen. Zur Klärung der Nutzungsgeschichte und der Bauphasen des Prytaneions konnten aber
dennoch in den Grabungskampagnen der Jahre 2007/2008 insgesamt sechs Sondagen angelegt werden318.
Neben den Fragestellungen zu einem möglichen Vorgängerbau, den unterschiedlichen Nutzungsphasen,
der Zerstörung, der Aufgabe und Nachnutzung des Gebäudes galt es, grundrisstypologische Probleme zu
lösen.
Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Arbeiten dargestellt (Taf. 137)319.

Sondagen-Übersicht

Schnittnummer
Raumnummer
Grabungsjahr
1/07
Vorhof
2007
2/07
Vorhof
2007
3/07
>Hestiasaal<
2007
4/07
>Hestiasaal<
2007
5/07
>Hestiasaal<
2007
1/08
Raum 3
2008

IV.2 Schnitt 1/07 (Taf. 138-140; Abb. 1)
Um eine Datierung für die Errichtung der dorischen Vorhalle zu erhalten bzw. um einen potenziellen hel-
lenistischen Vorgängerbau nachweisen zu können, wurde in der Nordostecke des Vorhofes eine 4,00 (Nord-
Süd) x 2,25 (Ost-West) m große Sondage angelegt320. Wie sich zeigte, war bereits bei den Ausgrabungen in
den 1960er Jahren oder später321 eine 1,00 m breite Sondage entlang des Stereobats bis auf den gewachsenen
Boden geführt (Taf. 16, 1) und wieder zugeschüttet worden, wodurch eine mögliche Baugrube nicht mehr
nachzuweisen war. Von dieser Sondage gibt es keinerlei Dokumentation. Die bei der Anlage der Sondage
entstandene Grube SE 117 (OK 45,40 m, UK 43,24 m) wurde mit der rezent gestörten Schicht SE 102 = SE
108 = SE 109 - wohl dem angefallenen Aushub - wieder verfüllt.
Die rezente Grasnarbe SE 101 = SE 103 (OK 45,31 m) fand sich bereits unter dem ursprünglichen Lauf-
niveau, von dem sich im gesamten Vorhof keine Spuren erhalten haben. Über die ursprüngliche Gestalt
dieses Nutzungshorizonts - insbesondere eine mögliche Pflasterung - kann daher nur gemutmaßt werden.
Von einer kompakten Ausgleichsschicht unter der Grasnarbe (SE 104, OK 45,06-45,15 m) oder dem ur-

318 Kampagne 2007: An der vom 2. 6.-11. 8. 2007 dauernden Grabungskampagne nahmen neben dem Verf. in alphabetischer
Reihenfolge teil: J. Eitler, N. Μ. High, A. Hochleitner, Ch. Kurtze, P. Mayrhofer, B. Stark. - Grabungskampagne 2008
(6. 7.-27. 7. 2008): N. Μ. High, D. Katzjäger, P. Mayrhofer, B. Stark. - Dokumentationskampagne 2009 (4. 5.-16. 5. 2009):
L. Zabrana. - Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei herzlich für ihr großes Engagement gedankt.
319 Neben den Grabungsarbeiten wurden während der Kampagnen 2007-2009 die bereits in den 1950er und 1960er Jahren frei-
gelegten Räume zur Unterstützung der Bauaufnahme nochmals großflächig gereinigt.
320 Cf. auch Μ. Steskal, Kapitel III.2.
321 Der genaue Zeitpunkt der Anlage der Sondage war aufgrund fehlender Dokumentation nicht mehr zu eruieren.
 
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