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VII AUSSTATTUNG

VII.l Böden (Martin Steskal)
VII. 1.1 Marmorböden
An Marmorböden hat sich lediglich im >Hestiasaal< ein entsprechendes Paviment zu knapp 50% erhalten
(Taf. 65, 2). Der zur ersten, augusteischen Bauphase gehörige Boden besteht aus langrechteckigen, ca. 3 cm
starken Platten aus lokalem, fast weißem Marmor. Die Eckverbindungen der Platten sind teilweise in Form
von Gehrungen ausgebildet. Der Boden weist südlich des zentralen Fundaments eine U-förmige Gliederung
durch schmälere Platten auf, die den Eingangsbereich nördlich von Tür 3 bis zum zentralen Fundament
betont (Taf. 30). Im Raum zwischen den Unterkonstruktionen der östlichen Sitzbänke ist noch eine Versatz-
marke zu erkennen, die von der Aufstellung der ursprünglich wohl hölzernen Sitzbänke herrühren könnte.
Auch die beschriebene Gliederung des Marmorplattenpaviments könnte noch auf die Aufstellung der höl-
zernen Sitzbänke zurückzuführen sein; aufgrund der geringen Erhaltung des Befundes ist eine vollständige
Rekonstruktion der originalen Sitzbänke jedoch nicht möglich.
Das Paviment wurde über einer Mörtelbettung aus opus signinum und einem darunter befindlichen
Kalkmörtelestrich verlegt. Der sehr hoch anstehende Fels wurde dazu zunächst mit einer Planierschicht
ausgeglichen554. Abgesehen von den langrechteckigen Platten wurden im südöstlichen Teil des Bodens im
Zuge einer antiken Reparatur zu Platten zersägte Blöcke, die durch jeweils zwei Faszien gegliedert waren,
als Belag versetzt. Im südlichen Bereich des >Hestiasaales< vor Tür 3 erweist sich das Paviment heute als
stark modern restauriert.
Im Umgang des Peristyls des Vorhofes ist ebenfalls ein Marmorplattenpaviment anzunehmen, von dem
sich aber nur die Bettung in Form eines Kalkmörtelestrichs erhalten hat555. Von einer Pflasterung des Vor-
hofes haben sich keine Spuren gefunden. Ungeklärt bleibt auch - mangels erhaltener Reste - die bauzeit-
liche Gestalt der Böden in den Räumen 2, 3, 4, 5 und 6 sowie in der Vorhalle. Während der ursprüngliche
Boden der Vorhalle archäologisch nicht nachweisbar war, wurden die Böden der Räume 2, 3, 4, 5 und 6
sowie der Umgänge des Vorhofes bei der Devastierung des Gebäudes offenbar völlig beraubt.
VII. 1.2 Mosaikböden
Der bauzeitliche Boden der Vorhalle ist nicht mehr erhalten und konnte auch während der Tiefgrabungen
der 1960er Jahre nicht nachgewiesen werden556. Die Vorhalle war in der zweiten Bauphase im zweiten
Viertel des 3. Jahrhunderts n. Chr. jedoch vollflächig mit polychromem Mosaik ausgelegt: Sowohl im west-
lichen als auch im östlichen Teil der Halle haben sich größere, mit mehreren Lücken durchsetzte Reste
dieses Mosaiks erhalten, die heute in Beton gegossen sind (Taf. 45, 1. 2). Das polychrome Tessellat aus
schwarzen, weißen, gelben und violetten Tesserae (Kantenlänge 1-1,5 cm) war ursprünglich in einen grauen

554 Cf. die Schnitte 3/07 und 4/07.
555 Cf. die Sondagen II, III und XXI der 1960er Jahre sowie Schnitt 2/07.
556 Cf. Μ. Steskal, Kapitel II.3 (Sondagen VIII, XVIII, XXXI und XXXVI der 1960er Jahre). - In einer Erdaufschüttung in
Sondage VIII (1961) unmittelbar vor Tür 2 fand W. Alzinger über einem von ihm postulierten ursprünglichen Marmorboden
eine Münze eines der Söhne des Septimius Severus, die er als terminus post quem für den - an dieser Stelle fehlenden - Mo-
saikboden heranzog; s. dazu Eichler 1962, 39 f. Von diesem hypothetischen Marmorboden fand Alzinger allerdings auch in
den weiteren Schnitten in der Vorhalle keine Spuren, da auch das bauzeitliche - und später vollständig entfernte - Paviment
auf demselben Niveau wie der Mosaikboden gelegen sein muss; cf. die Sondagen XVIII (1961), XXXI (1962) und XXXVI
(1963).
 
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