Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 13.1905(1906)

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1 cm
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5. Eisen: Ein merkwürdiger Fund sind 2 Taschenmesser, das
eine geschlossen, mit Resten des Hornhefts, das andere geöffnet, ohne
Heftreste. Die Form ist von der heutigen nicht viel abweichend,
und wenn die Messer nicht in der unberührten Tiefe gefunden worden
wären, wäre man sehr geneigt gewesen, dieselben als modernen Ur-
sprungs wegzuwerfen. Taschenmesser von genau derselben Form
und Größe wurden (nach Jacobi: „Die Saalburg“ S. 438) auf der
Saalburg und an andern Plätzen an einwandfreien Stellen gefunden,
weshalb auch die früheren Zweifel an der Echtheit derselben von
den Fachleuten längst aufgegeben sind. An derselben Stelle fand
sich noch ein 2zinkiges eisernes Gäbelchen. Das Heft ist 71/2 cm
lang. Die beiden Zinken sind etwas abgebrochen, der eine ist noch
2 cm, der andere 1 cm lang.
Ein Schlüssel mit zum Aufhängen durchbohrtem Handgriff
hat die gewöhnliche, seitlich gekrümmte römische Form. Daß
mehrere kleine Hufeisen gefunden wurden, wurde schon oben er-
wähnt. Dieselben haben 8 Nagellöcher in der vertieften Falzrinne,
auch Stollen und Griff. Neben den schon erwähnten Kreuznägeln
(T) zum Festhalten der Wandplatten fanden sich endlich viele sonstige
Nägel jeglicher Größe.
6. Bein: Eine 10 cm lange Nähnadel, eine 9 cm lange und
eine 11,5 cm lange Haarnadel waren hier die einzigen Funde.
Was ist nun das Ganze gewesen?
Die archäologische Karte führt das vom Kastell Köngen das
Lenninger Tal heraufführende und über Donnstetten weitergehende
Römersträßchen nicht durch den heutigen Ort, sondern über die
östlich vom Ort gelegenen Wiesen. Was die Bearbeiter der Karte
zu dieser Linie bestimmt hat, ist mir nicht bekannt. Römische
Funde sind meines Wissens früher auf diesen Wiesen nicht gemacht
worden. Wahrscheinlich hat der noch vorhandene Name „Pfahl-
wiesen“ neben dem Schluß aus den Terrainverhältnissen den Aus-
schlag gegeben. Nachdem nun aber alle neueren Funde und Aus-
grabungen zeigen, daß sich in der Tat die römische Niederlassung
hauptsächlich über diese Wiesen erstreckt hat, ist wohl an der
richtigen Führung der Straße nicht zu zweifeln. Demnach muß auch
unser Gebäude entweder an derselben oder in unmittelbarer
Nähe derselben gelegen sein. Und wenn nun Fachleute, wie mir
Prof. Dr. Sixt nach Rücksprache mit solchen mitteilte, aus der ganzen
Anlage schließen wollen, es könnte eine Herberge (mansio) gewesen
sein, so wird dies wohl das richtige sein. Damit fände dann auch
der langgestreckte Nebenraum als Lagerraum für Vorräte etc. seine
Erklärung. Aus der späten Münze des Septimius Severus kann
endlich noch geschlossen werden, daß das Gebäude wohl bis in die
letzte Zeit der Römerherrschaft bestand.
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