Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 13.1905(1906)

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Zimmer II aus. Für ein Badezimmer sind die Heizanlagen zu un-
bedeutend; am ehesten dürfte es eine Küche sein. Dafür spricht
auch die Menge Ruß und Asche, wie auch zahlreiche dort aufge-
fundene Knochenreste (von Rindern und Schweinen?).
Den nach Norden sich anschließenden Raum (V), 19,75 m X 4 m,
möchte ich für einen Viehstall halten, nicht nur wegen seiner lang-
gestreckten Form, sondern auch in Rücksicht auf eine Stelle Vitruv’s,
des einzigen Gewährsmanns in diesen Dingen. Bei der Beschreibung
einer Villa rustica gibt er folgende Anweisungen lib. VI. 6,1: „in
cohorte culina quam calidissimo loco designetur, coniuncta autem
habeat bubilia“ und VI. 6,4: „Equilibus quae maxime in villa loca


Abb. 1.
calidissima fuerint constituantur. “ Mit dieser Vorschrift deckt sich
genau die Anordnung unserer Villa1: Die Küche (I) liegt im Süd-
osten auf der Sommerseite, gedeckt gegen die in der Gegend häu-
figen Nord- und Nordwestwinde, daran schließt sich die Stallanlage
an einem möglichst warmen Ort. von der Morgen- und Mittagssonne
wie auch vom Herdfeuer stetig erwärmt.
An die Culina schließt sich nach Westen der heizbare Raum II
an, 7,40 X 6,80 m, also von nicht unbeträchtlicher Größe, mit Heiz-
kacheln versehen und jedenfalls zum Wohnen bestimmt: der Boden,
auf dem sich die Hypokausten erhoben, ist der gleiche wie in I.
1 Die gleichen Verhältnisse zeigt die Villa-rustica von Boscoreale: der
Stall auf der Sommerseite direkt an die Küche sich anschließend. Mau, Pompei
in Leben und Kunst, S. 355 f;
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