Gerhard, Eduard
Auserlesene Griechische Vasenbilder, hauptsächlich Etruskischen Fundorts (Band 1): Götterbilder — Berlin, 1840

Seite: 106
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TAFEL XXXI —XXXIX.

BACCHISCHB GÖTTERVEREINE.

Die zusammengereihten Götterbilder, welche wir bisher betrachteten, schie-
nen uns wegen gemeinsamer Beziehung auf der Menschen Bedürfnifs, auf
Wettkämpfe oder Vermählungen, mit einander verbunden zu sein; für die
nächstfolgenden Göttervereine reicht eine solche Erklärung nicht aus. Wir
suchen nach einem andern Grund ihrer Zusammenstellung und sind berech -
tigt in derjenigen Gottheit ihn aufzusuchen, welche am durchgängigsten auf
ihnen sich findet. Diese Gottheit ist Dionysos; seine Person nnd Umge-
bung gestattet uns die Bilder, von denen wir handeln wollen, als bacchi-
sche Ciöttervereiue zu bezeichnen, womit jedoch die eigentliche Erklärung
dieser Darstellungen mehr in Frage gestellt als erreicht ist. Niemand wird
meinen, der vielleicht vorübergehende Anlafs, den zur Begegnung gewisser
Gottheiten irgend ein Mythos liefern konnte, sei von einem gegenseitigen
Verhältnifs derselben Gottheiten unabhängig. Die mythische wie die hie-
ratische, die feindliche wie die freundliche Zusammenstellung weist allezeit
auf Verhältnisse hin, welche im Wesen und Dienst der betheiligten Gott-
heiten ihre Erklärung erheischen. Eben so wenig wird derjenige, der von
der Beschaffenheit unserer Vasenbilder bereits Kenntnifs nahm, beim An-
blick der sämmtlich archaischen Darstellungen, die uns beschäftigen sollen,
ihre athletische oder sonst populäre Bestimmung mit dem Verdacht eines
durch Mysterienkram getrübten Götterglaubens vereinigen können —, und
doch ist ein solcher Verdacht natürlich, wo, der Hoheit homerischer Götter
zum Trotz, Hermes, Hephästos und Herakles, ja, was mehr ist, Apoll und
Athene die Gewalt eines Gottes verherrlichen, den die homerische Mytho-
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