Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 3.1881

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REMBRANDT'S FRÜHESTE THÄTIGKEIT.
DER KUNSTLER IN SEINER VATERSTADT LEIDEN.
ER Künstler sowohl als der kunftsinnige Laie pssegen Jugendwerken der
grossen Meifter gegenüber mehr oder weniger gleichgültig zu sein
und sie vielsach gar als unecht zu verdammen. Beide find gewöhnt,
den Künstler, so wie er ihnen o-ewöhnlich enteeeentritt, zu beurtheilen.
Dagegen ist es Ausgabe der Kunftsorschung — und zwar eine ebenso
schwierige als lohnende Aufgabe — wie die Entwicklung des Künftlers
überhaupt, fo sein Heranwachfen und Werden aus vorangehenden
Kunstepochen und Meistern, fein allmäliges Erstarken bis zur vollen
Eigenart zu versolgen und klarzulegen. Die Schwierigkeit dieser Aus-
gabe wie andererseits die Thatfache, dass die Kunstgeschichte noch
immer im weitesten Umsange von Belletriften und Schöngeistern ausgebeutet und unsicher gemacht
wird, die ernste Kunstforfchung aber noch gar zu ost die genügenden Kenntnifse der Monumente, fowie
die praktische Kennerschast, das heisst die von Natur gegebene Schärse und die Übung- des Blickes,
vermifsen läfst: diefe Umftände haben es mit fich gebracht, class auch heute noch über die Jugendwerke
selbst der gröfsten Meifter geringe Einigkeit in der Literatur, ja theilweise die grösste Unkenntniss
herrscht. So war es und ift es zum Theil noch bei Raphael; fo ist es mit Michelangelo, dessen
„Giovaninno" 1875 vom Congress in Florenz verdammt wurde; fo ift es namentlich mit Correggio, von
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