Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 15.1892

Page: 82
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/gk1892/0102
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
82

Otto Greiner.

ÄHREND die Originalradirung in dem Kampfe der vervielfältigenden
Künste unserer Zeit ihre Stellung wacker behauptet hat, ist die Litho-
graphie als ein Mittel selbständigen künstlerischen Ausdrucks wenigstens
in Deutschland fast vollständig in den Hintergrund gedrängt worden.
Adolf Menzels denkwürdige Versuche auf Stein mit Pinsel und Schab-
eisen (1851) bedeuten nicht nur den höchsten Grad künstlerischer Aus-
drucksfähigkeit in einer durchaus eigenartigen Kunstsprache, sie sind auch
bis auf unsere Tage trotz der erweiterten technischen Befähigung der
Lithographie nicht übertrofsen worden. Bei keinem anderen deutsehen oder österreichischen Litho-
graphen finden wir eine gleiche technische Findigkeit und eine gleich geistvolle Gestaltungskraft
wie bei Menzel. Den hervorragenden Vervielfältigern von Anderer Werken, wie Franz Hansstaengl
zum Beispiel, fehlt der Reiz neuer Ausdrucksmittel, und weder Pettenkofen noch Kriehuber, die
Meifter der österreichischen Originallithographie, haben Menzels Kühnheit und charakteristische
Kraft erreicht. Nur in Frankreich treten uns auch gegenwärtig einige Künstler entgegen, die als
Malerlithographen wirklich künstlerisch Bedeutendes leisten, Fantin-Latour zum Beispiel und Lunois.



Bacchantenzw*. Aach einer Original-IAtkosrrathie von Otto Greine
loading ...