Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 29.1906

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ZU REMBRANDTS DREIHUNDERTSTEM

GEBURTSTAGE.

(Rembrandts Selbstbildnis in der kaiserlichen Galerie in Wien. Radierung von William- Unger.1)

Man wird kaum einen unter den größten Künstlern vergangener Zeiten nennen können, dem
wir mit einem so innigen Gefühle der Liebe und Verehrung gegenüberstehen, wie Rembrandt. Wir
feiern in diesen Tagen die dreihundertste Wiederkehr'seines Geburtstages und tun dies mit wahrer
Freude und aus vollem Herzen; wir fühlen dabei, daß uns der große Künstler so nahe steht,
daß wir gar nicht glauben können, es seien schon Jahrhunderte seit dem Tage seiner Geburt
verstrichen. Seine Werke scheinen uns deshalb heute noch so lebendig, weil Tiefe, Größe und
Adel der Empfindung in der Kunst, ja in der gesamten Kultur der Menschheit unvergeßlich und
unvergänglich sind.

Einen so großen Künstler wie Rembrandt wird man von ganz verschiedenen Seiten beurteilen
können. Maler werden in ihm vor allem den Maler, Radierer den Radierer bewundern und beide
seine Technik als das Höchste schätzen. Allein so hoch auch Rembrandts Technik steht, sie ist nicht
das, was ihn vom allgemein menschlichen Standpunkt so unvergleichlich erscheinen läßt, sie steht

i Prämie der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst für das Jahr 1906.

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