Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 56.1933

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DIE RADIERUNG »QUARTETT« VON MOPP.

Max Oppenheimer hat in Wien zum
erstenmal 1908 auf der ersten Kunstschau
ausgestellt: ein Selbstbildnis. Die Kunst-
schau vom nächsten Jahre zeigte von ihm
abermals ein Bild, »Park«. Eine Kollektiv-
ausstellung des Künstlers, der mittlerweile
seiner Vaterstadt Wien entglitten war, fand
erst September und Oktober 1924 im Hagen-
bund statt. Da waren von ihm mehr als
hundert Arbeiten zu sehen; in deren Mittel-
punkt stand das große, vielfigurige Gemälde
»Orchester«. Vom November 1932 bis zum
Jänner 1933 brachte das Künstlerhaus einen
reichhaltigen Überblick über des Künstlers
Tätigkeit, 57 Katalognummern, darunter
\1, ) \, /T^Bf neueste Arbeiten und solche ältere, die hier

k. noch unbekannt waren. Unsere Zeitschrift

berichtete erst 1931 über ihn (vgl. Ferdinand
Eckhardts Artikel »Berliner Graphiker der
Nachkriegszeit, II«, Seite 34f., wo auch das
radierte Bildnis von Richard Strauß ab-
gebildet war).

Diesmal bringen, ein Versäumnis nachholend, die »Graphischen Künste« als Beilage ein Original-
blatt von Mopp, seine Radierung »Quartett«. Sie ist im Herbst 1932 in Wien entstanden. Während der
Künstler sonst mit der kalten Nadel auf vernickeltem Zink zu zeichnen pflegt, ist unsere Radierung,
der größeren Auflage wegen, auf Kupfer geätzt. Wieder, wie auf der Radierung »Rose-Quartett« von
1924, zeigt der Primgeiger die Züge des berühmten Wiener Virtuosen. Aber natürlich liegt Mopp
nichts ferner als der Wettstreit mit einer photographischen Aufnahme des Quartetts. Da ihm zum
Beispiel der Kopf eines Spielers nicht paßte, ersetzte er ihn ohne weiteres durch einen anderen, der
ihm geeigneter erschien. Wie auf dem »Streichquartett« von 1915, der radierten Wiederholung des
Gemäldes »Heß-Quartett« vom Jahre vorher, sitzen die vier Musiker dichtgedrängt und sind ein
bißchen von oben gesehen. Um die weißen Notenblätter herum sind die Hände mit den Instrumenten
der künstlerische Mittelpunkt der Darstellung. Man begreift, daß Mopp auch Quartette gemalt hat,
auf denen neben den Noten nur die Instrumente und die sie meisternden Hände zu sehen und die

Mopp, Der Geiger Josef Szigeti.

Radierung.

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