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Baum sind hinzugefügt. Nach Schluss der Innenflügel erblickt man
die vier Kirchenväter zwischen Pilästern mit Grotesken, nach völligem
Schliessen die Verkündigung, welche bis auf die Fleischtheile und
den Boden fast ganz weiss gehalten ist. Im Uebrigen aber ist die
Färbung der Bilder bunt und hart, grelles Gelb und Roth sind oft
verwandt; der Faltenwurf ist verschieden in den Figuren, welche
Dürer entlehnt sind und den selbstständigen, und nach den letzteren
haben wir den Künstler natürlich eher zu beurtheilen. Wie diesen
aber schon das Zusammenstöppeln seiner Bilder aus fremden Gom-
positionen sowie eine mangelhafte Technik in den Farben nicht als
einen Meister ersten Ranges gelten lassen, zeigt sich die Armuth
seiner Phantasie auch darin, dass er auf allen Gewändern genau
dasselbe Granatmuster verwendet. Wie ich glaube, muss daher
dieses Werk, welches bisher als Barend van Orley gegolten hat,
und zwar als ein Hauptwerk aus seiner letzten Fpoche 1), unter
den Schöpfungen dieses Künstlers gestrichen werden.

Endlich ist noch ein Werk aus dieser Zeit zu erwähnen,
welches zu den besten Bildern in Lübeck gehört, aber weder aus
oberdeutschem noch niederländischem Ursprünge, sondern aus der
Granach'schen Schule hervorgegangen ist. Es ist dies der Olavsaltar
in der Bergenfahrercapelle der Marienkirche. Da die St. Olavs-
brüderschaft 151G oder kurz danach von den Bergenfahrern ge-
gründet wurde-'), und 1515 und 1516 viele Beiträge zur Ausrüstung
derselben einflössen, so wird in dieser Zeit auch wohl die Tafel des
betreffenden Altars entstanden sein, und zwar dem Stile nach von

*) Vergl. Woermann: Gesch. d. Malerei. II. S. 510. — Deeckc: 19/20. —
Lötz: I. S. 379;

*) Vergl. v. Melle: Lüh. Iielitj. S. 101.

einem guten Schüler des jugendlichen Cranach. ') Tn ihrer jetzigen
Gestalt bildet dieselbe ein Diptychon, welches auf der festen Tafel
St. Olav, St. Johannes und St. Ansgar, auf dem Flügel innen die
Kreuzabnahme, aussen drei heilige Frauen darstellt (Taf. 43).

Wenn man die Werke dieser letzten Periode in Lübeck
überblickt, so bietet sich ein wirres Bild dar von Eigenem und
Fremden und nur das geht klar hervor, dass die einheimischen
Kunstformen schwächlich waren im Verhältnisse zu dem, was von
aussen geboten wurde, und dass man daher begierig suchte, sich mit
den fremden Schätzen zu bereichern.

Auf diese Weise drangen die Formen der italienischen Renaissance
ein, bis jetzt zwar nur gemalt, aber es dauerte nicht lange, und man
ahmte sie auch plastisch nach. Das Jahr 1530 bildete die Grenze
unserer Schilderung, denn in diesem Jahre wurde die Reformation
in Lübeck allgemein eingeführt, und die Production derjenigen Werke,
welche bisher den Hauptbestandtheil der Kunst ausmachten, wurde
abgeschnitten; in der Folge fand die Renaissance-Ornamentik ihre
Ausbildung hauptsächlich an den zahlreichen Epitaphien, welche
schon am Ende des 15. Jahrhunderts anfingen, gebräuchlicher zu
werden, 2) bald aber zu ungeheurer Zahl anwuchsen und so die
kirchliche Kunst von der Repräsentation der Brüderschaften zu der-
jenigen der Familien überführten.

') Deecke S. 10 u. Lötz l. S. 398 schreiben das Werk im Anschlüsse an
Waagen Grue.ncirnld zu, Woermann (Gesch. d. M. II. S. 419) verweist es, da
Waagens Irrthum klar gelegt ist, unter die Jugend- oder jugendlichen Schulbilder
Cranachs. Dr. Th. Gaedcrtz steht noch jetzt (Jahresheft d. Ver. v. Kunstfr. in Lüh.
1888) auf dein alten Standpunkte und betrachtet es als einen Gruenewald, setzt
ausserdem die Entstehung des Bildes in Folge einer urkundlichen Notiz (Mitth.
d. Ver. f. Lüh. Gesch. 1884. S. 134), welche sich garnicht auf dies Werk be-
ziehen kann, in das Jahr 1473, wo Cranach eben geboren wurde, Griieitciraltl
sich noch 20—30 Jahre vor der Entstehung seines [senheimer Altares befand.

-) v. Melle. Lüh. Belli/. Seite 500, erwähnt eine »axs Holtz geschnitzte
kleine Toffel, unter welcher stehet Anno Domini MCCCCXCVT starf Herr
Jochim. Fickiny Husen, etc. etc.

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et—
 
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