Günther, Hubertus [Editor]; Bode, Michael [Contr.]
Deutsche Architekturtheorie zwischen Gotik und Renaissance — Darmstadt, 1988

Page: 78
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/guenther1988/0090
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VIII. WALTHER RYFF

Die Bemühungen um die Vitruv-Forschung in der Mitte des 16. Jahrhun-
derts werden in Deutschland im wesentlichen geprägt von den architektur-
theoretischen Editionen des Walther Ryff.

Damit steht am Anfang des deutschen Vitruvianismus das Werk eines
Mannes, von dem wir kaum mehr wissen als von Vitruv selbst. Nach den
gelegentlichen Angaben seiner Schriften ist der humanistisch gebildete
Mediziner und Mathematiker Walther Hermann Ryff (auch Ryf, Reif, Reiff,
Ruf, Ruffus, latinisiert Gualtherus Hermenius Rivius: Benzing, 126-129.
Röttinger. 9. Endres, 605f.) um 1500 in Straßburg geboren. Über Jugend
und Ausbildungsjahre ist nichts Konkretes bekannt. In seinen Publikatio-
nen firmiert er als „Medicus" oder „Medi. & Math.". Seit 1538 tritt er mit
einem breitangelegten Wissen auf verschiedenen Gebieten literarisch in Er-
scheinung: Anatomie. Medizin, Hygiene. Pharmazie. Philosophie, sogar
Kochkunst, schließlich Mathematik und Architektur. Die Vielzahl der
Publikationsorte seiner Schriften weist auf ein unstetes Wanderleben.
Etwa 1541 hat sich Ryff in Straßburg niedergelassen, um hier als Stadtarzt
zu wirken. Doch nach der Fülle seiner bei Jacob Cammerlander. Balthassar
Beck und in der Offizin Hans Knoblochs unter der Leitung von Georg
Messerschmidt veröffentlichten Editionen war er überwiegend als Schrift-
steller tätig. Vermutlich wegen seiner eingehenden mathematischen Stu-
dien ist er etwa 1547 nach Nürnberg übergesiedelt, damals eine Stätte
reger mathematisch-wissenschaftlicher Forschungen. In dem engagierten
Drucker Johan Petreius fand er den für seine Arbeiten geeigneten Ver-
leger. Gleichzeitig pflegte er auch Kontakte zu Würzburger Druckern.
In Würzburg starb Ryff 1548 und wurde in der dortigen Stephanskirche
begraben.

Wenngleich der von Benzing, 129ff., erstellte Katalog Ryffscher Publi-
kationen (einschließlich Wiederauflagen) insgesamt 194 Ziffern umfaßt, so
beruht Ryffs Wertschätzung letztlich auf den vier architekturtheoretischen
Schriften, die sich mit dem Werk Vitruvs auseinandersetzen:
1543 veröffentlichte Ryff in Straßburg den gesamten Vitruv in lateinischer
Sprache.

1547 besorgte er die Ausgabe einer kleinen Schrift über antike Säulen-
glieder (Abb. 4).

1547 gab er ebenfalls die „Architectur". ein meist fremden Abhandlungen
entlehntes Sammelwerk, heraus (vgl. Kap. XV).
loading ...