Hartlaub, Gustav Friedrich
Bewußtsein auf anderen Sternen?: Ein kliner Leitfaden durch die Menschheitsträume von den Planetenbewohnern — Basel, 1950

Page: 63
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hartlaub1950/0065
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VII

Begnügen wir uns mit der Wahrscheinlichkeit, daß wir
Menschen Brüder im Weltall haben! Wesen, die, so ver-
schieden sie auch von uns sein mögen selbst im Fall einer
gewissen Verwandtschaft, doch auf dem gleichen Wege zu
Gott begriffen sind, mögen sie entwicklungsmäßig höher
stehen als wir oder uns „unterlegen" sein. Es wäre viel
gewonnen, wenn wir diese Wahrscheinlichkeit ernsthaft, also
nicht nur als sensationelle Hypothese ins Augen fassen und
aus ihr gewisse innerliche Folgerungen ziehen wollten, nicht
also solche, die bloß mit „astronautischen" Projekten oder
mit physischen oder psychischen „Signalen" zusammenhän-
gen. Jener innere Wunsch, auf irgend eine Weise doch die
Vorzugsstellung des Menschen zu retten, ihm das zu sichern,
was der Christ seine Ebenbildlichkeit zu Gott nennt, dafür
sogar die Vorstellung von der sinnlosen Leere des Alls in
Kauf zu nehmen: dieser geheime Wunsch würde dann zu
schweigen haben vor der Größe eines neuen — im Grunde
freilich uralten — Weltbildes, das uns bescheidener macht,
weil wir mit ihm uns nicht mehr als einziges Ebenbild Gottes,
nicht mehr als alleiniges Maß aller Dinge, nicht mehr als
den „Menschen in der Mitte" empfinden können.

Das würde schon gelten, wenn das bewußte Leben auch
nur auf einem einzigen Himmelskörper außerhalb der Erde
gesichert oder wahrscheinlich gemacht werden könnte! Um
wieviel mehr, da sich uns die Aussicht auf eine unüberseh-
bare Stufenfolge des Lebens, der Seele und des Geistes überall
im Weltall zu eröffnen beginnt.

Nicht einziges Ebenbild können wir sein, wohl aber „ Kind!"
Gottes bleiben, eines seiner vielen Kinder. Keineswegs wird
uns ja der — wissenschaftlich mehr und mehr unterstützte —•
Glaube an das Bewußtsein im Weltall zur Gottesleugnung
zwingen, keineswegs uns unserer Verantwortung vor Gott
entheben. Der Gottesglaube würde durch eine „Entthronung

63
loading ...