Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — N.F..1926

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Vorbarocker Klassizismus und Griechische
Tragödie
Analyse der „Anfigone“-Uebersetzung des Martin Opitz
Von Richard Älewyn
VORBEMERKUNG
Diese Arbeit unternimmt es, die Aufnahme einer geschicht-
lichen Erscheinung — der griechischen Tragödie - durch den
Geist einer wesensfremden Epoche — des Opitzianischen Klassi-
zismus - zu untersuchen. Der persönliche Ausgangspunkt des
Verfassers bedingt es, daß die Erörterung sich dabei wesentlich
auf dem Boden der deutschen Literatur bewegt, der welt-
historische Rang der griechischen Tragödie, daß etwaige unver-
meidliche Sympathien auf der Seife der letzteren stehen. Die
Ergebnisse der Untersuchung werden sich indes für die Erkenntnis
beider Teile als fruchtbar erweisen. Die Mittel liefert die
Analyse einer für beide repräsentativen Uebersetzung. Nir-
gends erscheint die Berührung zweier Kulturgesinnungen
inniger, nirgends aber auch verrät sich Art und Grad von Ver-
wandtschaft oder Fremdheit aufrichtiger als auf diesem Literatur-
gebiet, das die Kulturgrenzen umlagert. Das physiognomische
Gesetz, daß eine Erscheinung, je unscheinbarer sie ist, desto leich-
ter der Kontrolle des Bewußtseins entschlüpft, um so aufschluß-
reicher also für den inneren Formwillen des Urhebers wird, hat
den Verfasser veranlaßt, den Spuren des sprachlichen Assimila-
tionsprozesses bis an die mikroskopische Grenze nachzugehen.
Er glaubt dabei gezeigt zu haben, daß die Grenze geistesgeschicht-
Ücher Bedeutung des historischen Gegenstandes erst da liegt, wo
das persönliche Fassungsvermögen des Forschers endet.
Dieser Auffassung kam der zweite Wunsch entgegen, einmal
den Versuch zu machen, eine stilistische Analyse in möglicher
Vollständigkeit durchzuführen. Was diese Untersuchung dabei.
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