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Tette «

„Der HetLelber-er

-

«^r. ims «r. i

Kvttg ats smwfal

Der Ärieg priist die Wehrhaftigkeit
eines Bolkes. Daher ist cS notwendig, sich über
die Erscheinung des tttieges in Geschichte und Geqen-
wart klar zu werden. Der Krieg war bisher eine der
anr stärksten umstrittenen Fragcn des Lebens. So-
lange eine höhere Kultm bestand, zersiel die Alettsch-
heitinzwei Gruppen. Die einen bejaytcn den Krieg,
die anderen lehnten iyn ab.

R«f -er etnen Sette
ftandvn «a» fte«en
»te Sotavvr!

Sie sagten und sagen: ^ Der Krieg, sei
notwendig des heroischen Jdcals wcgen. Ohne
den Krieg würden die Menschcn die edelsteit Eigen-
schaften verliercn: Tapferkeit, Großmut, Ehrgefühl,
Ritterlichkeit, Kühnhcit, Opfersinn, Todesvcrach-
tung, Hingabe. Die Vvlker würden verweichlichen
und in Nutzgier und Luxus erschlaffen. Der Krieg
sei dns Stahlbad der Vvlker. Er zeitige eine natür-
liche Auswahl und kräftige ein Volk in biologischer
Hinsicht. Er züchte die höhere menschliche Gattung
und die cigentliche Fllhrerrassc hoch. Er sei mit dcr
erziehcrischen Kraft der Wehrpflicht vcrbunden. Er
habe der höheren Kultur den Weg gebahnt; ohne
ihn sei kein Fortschritt denkbar. Er habe die Mensch-
heit mehr geeint als getrennt. Er sei der große Ein-
heitsbildner der Geschichte. Er habe einen für die
Menschheit unersetzlichen Wert. Zudmn liege er ein-
gebettet in der menschlichen Natur nnd in dem Span-
nungsverhältnis der Lkultur. Er künne und dürfe
nicht beseitigt werden. Denn er sei notwendig und
ewig.

Aus solchen und ühnlichen Gedankengängen
wurde in der Geschichte dsr Völker immer und im-
mer wieder dic bewußte Bejahung des Krieges ge-
boren. Tiese Gesinnung entsprang den kriegcrischen
Urinstinkten der Seele. Sie verdichtete sich zum
Macht- und Kriegswillen dcs Staates. Eine kriege-
rische Politik aus Krieg und Willen, spätcr von kultu-
rellen und wirlschaftlichcn Krüsten gcfordert, erhob
den Angriffskrieg, die Niederkämpfung der feind»
lichrn Slaate-."-M-'Vers*'WUW o' -., Bt.rnlch!ang
ihror Bevölkeruug, die Unterwerfung der Nachbarn
zum Politischen Ziel. So entstand der geistige
Militarismus. Er zählte als Gesinnungsmilitaris-
mus den Krieg zum Wesen der Menschennatur, sah
in ihm hohe sittliche Werte und lehnte die Möglich-
keit und Wünschbarkeit eines ewigen Friedens ab.
Als Jnstrumentalmilitarismus verneinte er zwar
den absoluten Wert des Krieges an sich, bejahte ihn
aber als ein realpolitisches Werkzeug für politische
Zwecke. Dieser geistige Militarismus verwuchs mit
denr Staat und fand als Staatsmilitarismus seinen
vonr Menschenwillen gelösten, fast schich'alhaften
Antrieb. Die .Kriegsgesinnung der Menschen und

der Kriegsgeist des Staates verschmolzen zu einer
Macht. So entstanden oft in der Geschichte organi-
sierte Erobererftaaten, etwa Assyrien, Sparta, das
frühe Rom, das osmanische Reich. Die geistige
Kriegsgesinnung fand eine starke Stütze in denr
materiellen Mititarismus der Wirtschaft und der
Organisation. Die Rüstüng wurde mit der Zeit zu
einer bedeutsamen Macht. Bom Erwerbsnutzcn an-
gestachelt, verschmolz sie mit den dunklen Trieb-
mächten des Finanzkapitals und gewann in den
Händen erwcrhslüstecner Wirtschastskapitüne eige-
nen Kriegswillen nnd eigene Kriegswirkung. Zu-
gleich bildetc sich meist ein besonderer Kriegerstand
heran. Er hatte seine eigenen Wünsche und Jnter-
essen, lebte vom und für den Krieg, machte Kriegs-
technik und Kriegskunst zu seiner Domäne und wurde
der berusliche Vertreter des Kriegsgedankens. Alle
diese kriegerischen Mächte konnten sich im Staat zur
Einheit verbinden. Diese erhielt durch die Ver-
schmelzung von geistigem und materiellcm Kriegs-
willen höchste kriegerische Gewalt.

R«f »evanveven Sekte
ftanvon ««» ftehen
»ie Vevaeknev
»es Kvkeges

Sie lehnen ihn leidenschastlich ab. Jhre
Begründungen ivaren in den einzelnen Epochi
der Geschichte verschieden. Früher überwogen
die religiösen, sittlichen und idealen Gedanken.
Später, besonders heute, drängten sich die prak-
tischen, materiellen und rechtlichen Erwägungen
hervor. Die Verneiner des Krieges weisen heute
daraus hin, daß der Hcroismus nicht an den
Krieg gebunden sei, Der Heroismus des Friedens
und der Arbeit stehe höher. Der Krieg der neuen
Zeit kenne nicht mehr die eigentlichen heldischen
Tugenden. Diese seien gar nicht mehr anwendbar.
Der moderne Krieg verschlinge sie. Er sei eine abso-
lut vernichtende Gewalt geworden. Er tönne ganze
Millionrnvölker vs'cherbe«. ES sei ünw-chr, daß der
Krieg die Bölker biologisch kräftige, im Gegenteil,
er raffe gerade die Besten hinweg und lasse die Un-
tüchtigen übrig. „Denn Patroclus liegt begraben
und Thersites kommt zurück." So stelle der Krieg
eine ausgesprochene Gegenauslese im schlechten
Sinne dar. Anch brauche der Frieden die Mensch-
yeit nicht zu verweichlichen. Sport und Hygiene
seien die Gegenmittel. Die Wehrpflicht könne ohne
erzieherischen Schaden durch die Arbeitspflicht er-
setzt werden. Wenn wirklich alle höhere Kultur durch
Krieg sntstanden sei — was man bestreite —, so sei
es falsch zu glauben, dies müsse fortdauern. Die
einmal geschaffene Kultur brauche nicht mehr den

Antrieb des Krieges. Dieser könne die Kultur nur
noch zerstören, nicht nrehr fördern. Er schwäche die
Kultmkraft bei Sieger und Beliegtcn, Staaten, die
durch Krieg cntstanden seien, cntbehrten der Dauer.
„Wcr daS Schwert nimmt, soll durch das Schwcrt
umkommen". Auch ruhe der Krieg keinesioegs in
dcr mcnschlichen Nalur. Demi dcr Mensch hnbc in
der frlrhesten Gcschichte Jahrtausende lang ohne
Staai und Krieg gelebt. Der heutige kriegerische
Herrschaftsstaat könne sehr wohl übergehen in einen
Wohlfahrts- und Fciedensstaat. Dcr Krieg bringe
nur Elend und Lsid. Es sei das Zicl der Politik
dcn Krieg zu beseitigen, durch Recht zu crsetzen und
den ewigen Frieden zu schafsen. Von entscheidender
Bedeutung für die Fricdcnsfrage wnrde das 18. und
1g. Jahrhundert. Die Aiifklärung schuf im 18. Jahr-
hundert' den Glauben an die nllmüchtige Vernunft.
Er wurde bestärkt durch die spüteren Erfolge der
Natiirwissenschaft.- Dies legte den Berfechtern des
ewigen Friedens den Gedanken nahe, die Beziehung
der Menschen und Staaten mit rationalen Msthoden
zu ordnen. Dio alten religiös-sittlichen Begründun-
gen mischtcn sich mit Nützlichkeits- und Vernunfts-
gedanken. Jni liberalen 19. Jahrhundert trat als
mächtigcr Förderer der Jndividualismus hinzu. Der
liberale Staat ruhte auf dem Einzclnen und seinem
Glück. Nur vom Einzelmenschen, von seinem
Recht, von seiner Freiheit cms gelangte man zum

Staat. Es gehürte zu den staatlichen Ausgaben, ttber
Freiheit und Glück des einzelnen zu wache». Der
materielle Rationalismns, der Trieb des Einzelnen
zu Lust und Glück, dic Aufgabe des Staates dasür zu
sorgen, wurden die Voraussctzungen dafür, daß sich
der Friedensgedanke ini 19. Jahrhundert zu der
großen Bewegung des Pazifismus festigen und orga-
nisieren konnte. Der radikale Gosinnungspazifismus
der Friedensgesellschaften forderte und propagierte
die Abschaffung des Krieges, die Begründmig cines
ewigen Friedens und die rechtliche Ordnung der
Welt. Ein Teil der liberal-pazifistischen Menschheit
ging nicht ganz so weit. Er blieb auf halbem Wege
stehen. Als Jnstrumentalpazifismus sah er zwar den
Krieg als ein abscheuliches und verdammenswertes
Verbrechen an, gab aber seins wahrscheinliche Un-
ausrottbarkeit zu und faßte ihn als cin notwendiges
Übel auf, das unendliches Leid, Unglück und Elend
über die Menschheit bringe, aber zur Erhaltung der
Freiheit des Emzelnen manchmal unvcrmeidbar sei.
Jn abgeschwächler Form wurde eine Art von Halb-
pazisismus zur politischen Gcundlage mancher Staa-
ten, so etwa des Deutschen Reiches zwischen 189k)
und 1914. Der marxistische Volksverrat von 1918
erhob sogar in Deutschland den reinen Pazifismus
zu seiner Staatsgesinnung und schuf in der Weima-
rer Republik einen pazifistischen Wechselbalg übel»
ster Entartung.

So ftanven ftch Vksftvv l« veo GeslviNtke
»ev kv«vgv«lslhe und ver
srkevliche pol svk«»Ul>» gegvnüdev

Die einzelnen Epochen stellten sich jeweils ver-
schieden dazu ein. Das 19. und frühe 20. Jayrhundort
tratenderFragevomliberalenBodenaus gegenüber.
Doch noch im 19. Jahrhundert begapn eine Wand-
lung, die für unsere Zeit von Bedeutung werden
sollte. Als im 19. JahrhmÄert ncben dem Liberalis-
mus und von diesem vcrfemt der neue orgmüsche
Stantsgedar'ke langsam heranwuchs, setzte eine Um-
^l.jÄltung des politischen und psychologischen Den-
kens über-d-m Krieg cirn Am Anfang der neuen Be-
wegung stand dcr Philosoph Hegcl. Aus seiner Ge-
dankenwelt stieg eine neue Äuffassung von Staat
und Kricg herauf. Sie schob die Gründe und Gegen-
gründe der beiden Parteien beiseite und beschränkte
sich im wesentlichen auf zwei Fragen: Jst der Krieg
sittlich zu vcrwerfen? Jst der Krieg abschaffbar?
Das neue Denken war antiliberal. Ssin neuer
Staatsbegriff verlor die liberale Eigenschaft des Zu-
fälligen und Verganglichen. Der Staat war nicht
mehr eine fteie Vereinigung von Einzelmenschen,
sondern ein Volk als rassische, seelische,' blutliche
geistige und politische Einheit. So war der Staat
notwendig und ewig. Er- war ein Wesen von sitt-

lichem Wert und damit Selbstzweck und Endzweck.
Der einzelne wac nur wirklich und möglich als Glicd
des Ganzen, dem er durch Blut und Schicksal ange-
hörte. Die sittliche Natnr des Staates wirkte sich
notwendig aus auf den K'rieg. Ein .Krieg, der um
der Lebensnotwendigkeiten des Staatcs willen ge-
führt werden müsse, sei — so argumentierte das neue
Denken — sittlich. Denn ein solcher Kricg habe einc
geschichtliche Aufgabe zu erfüllen, die ihm die sitt-
liche Weihe verleihe. Dor Krieg sei freilich nur dann
anzuerkennen, wenn er nicht als Willkür, sondern als
Notwendigkeit für Leben und Wohl des Ganzen
geführt werde. Ein solcher Krieg sei nicht mehr der
blinde Zerstörer einzelmenschlichen Glückes, sondern
das hellsichtige Schicksal, das reinigende Gewitter,
eiserner geschichtlicher Notwendigkeit entwachsen
und eiserne Notwendigkeit schaffend. So wurde die
Frage nach der sittlichen Berechtigung des Krieges
bejaht. Die andere Frage aber, ob der Krieg ab-
schasfbar sei, wurde verneint. Denn nach dem glei-
chen Denken sei ein Krieg kein Rechtszustand, son-
dern ein Zustand reiner Gewalt, ein tatsächlicher Zu-
stand, der da ist oder nicht, einerlei, was das Recht

Kc/rek-e rüc//cll/

Diesen Vorstoß schneidest du aus, klebft ihu sorgfältig
auf, bringst ihu über deinem Bett au, liest ihu morgens
uud abends mid beherzigst ihu! Befolge diesen Rat, es
lohnt sich l

Was nüht es, Dinge zu bemockern, von denen in
LO Jahren sowieso keiner mehr spricht? Es kommt nicht
auf die Kritik an kleinen, nichtssagenben Angelegenheiten
an, sondern es gilt an dem mitzuarbeiten, was a»f Jahr-
hmiderte hinaüs Gültigkeit besihen wird. Diese Mitarbeit
verlangt Menschen, die eingesehen haben, datz ez größere
Maßstäbe gibt als den ihres kleinen Jchs, den viele glau-
ben überall anlegen zu müssen, ohne wahrzunehmen, daß
es iimilöglich ist, mit cinem Millimetermaßstab Kilometer
abzumessen. St.

6e§c/rmac/kspccr>cllllss/

Was den Geschmack bctrisst, so kann auch bier jeder
nach seiner Fasson selig werden. Ob nwn da Blumen,
Schlösser'und ähnliche, oft gebräuchlicheMotive derKmist
in allen möglichen Materialien nachbildet, sei es Hesen-
teig, Talg, Schweinefett und sonstigen Kremen, das ist
Mls alles aleichqültig. Uns geht es auch nichts an, wenn
man reliMe ZMbvle, zum Beispiel das Lamm Gottes,
auf solche Weise der Menschheit Plastisch vor Augen führt.
Aber die Sache hat ihre Grenzen!

Eine Bäckerei bietet gebackene Osterlämmer mit Ha'
kenkreuzfähnchen zmn Perkanf an. Es gibt leider nicht
vislo Leute in Neuenheim, die das etwas eigenariig fin-
den. Aberdie Sache istja nicht schlimm! Unterdeil vielcn
Lämmern mit Hakenkrenz ist auch eincs mil den ehemali.
gen badischen Landesfarbeii. Leider steht dicse Fahne
etwas im Geruch der Zentrnms-Reiiiiinszenz. Aber
dann paßtsieja anch zu deni kleincn, mischuldigen Lainm.

fri

/(am/i/ ücm Oü?rck/-/<05/üm/

Nachdem vor einigen Wvchen die Träger weißer
Strümpfe sich einer eingehcnden Bctrachtmig der tsche-
chischen Behörden unterzieyen niußten — in Jglau wurde
das Tragen weißer Strümpfe verboten — ist nmmiehr
das Dirndlkostüm in die Nieihe der miliebsamen Klei-
dungsstücke getreten. Die Modebcilage des Regiernngs-
blattes „Ceske Slowo" berichtet, das; sämtliche HLlschen
Mädchen in der Tschechoslowakei im Dirndlkostüm herum-
laufen und so bei ven Fremdcn der Eindruck erlveckt wür-
de, als gäbe es in der Tschechoslowakei nur Deuische. Den
Schluß des Artikels bildet folgender Aufruf: „Mädels,
zieht dieses Jahr ksine Dirndln an! Wir wollen Gewiß-
heit haben, ob wir vvr uns eme Tschechin, eine Slowakin
oder eine Deutsche haben. Wir glaüben, daß ihr eine Art
euch anzuziehen, smdet, die uns entspricht. Dawi erken-
nen euch unsere Jungen von weitem nnd sagen: Hier
gehcn nnsere Mädels!" T. P.

Oec „Eenüe /?epo/'/ec"

Egon Erwin Kisch — wer kennt ihn nicht, den „rasen-
den Reporter" I Uberall in Dontschland, überall anf der
Welt mußte er seine Nnse hineinstecken, mußte er seine
mehr oder mindcr geistreichen Randbemerkungen anbrin-
gen. Das dauerte solange, Lis er eines Tages gesckwappt
wurde und im Konzentrationslager Gelegenheit erhielt,
anch dort sich den Betrieb von innen zn betrachten. Doch
bald hatte man genug von ihm nnd schob ihn — er ist
„Tscheche" — über die nächsts Grenze. Mitjüdischer Hast
machte sich Egon auf eine Vortmgsreise dnrch die kom-
mmnstischen Gruppen in Europa, um überall,u künden
von den „Nazigreueln" nnd Vvm bolschewistischen Para-
dies. — Sv kam er nach Zürich. Dvck hier wurde er gar
nicht freundlich empfangen. Dre Polizei hatte kein Ver-
ständnis für seine Größe und seine Tiraden miißten von
einem Genossen berlesen werden.

Wenir man nicht sprechen darf, dann schreibt man
eben. Kisch setzt sich also anf die Hosen und schrieb ein
Buch: „Eintritt verboten". Jedenfalls in Erinnemng an
all die Verschlvssenen Türen, die er gefmiden. Schvn ist es
nicht, dieses Reporterwerk, aber amüsant. Nachdem cr
viele, viele Kapitel über alles Mögliche geschrieben hatte,
setzte er sich auss Dichterroß imd schriev im 5>. Kapitel eine

Fabel. Jawvhl, eine Fabel, frei nach Lessing. Denn, so
sagte er sich, nackte „Tatsachenberichte" übers Dritte
Reich haben schon viele geschrieben, der findige Mann
bringt etwas Neues. Und er schrieb also:

„Vicles hat sich ereignot im Dschungel Deutschland.
Das Hyönenpack hat alle Macht an sich gsrissen, zunächst
betörte es dcn alten lahmen Wolf, der dcrt herrschte,
einer Hyäne den Borsitz im Rat der Alten zu übertragen.
Kurz darauf schlichen die Hyänen durch ihre heimlichen
Gänge zum Rätefelsen und machten ein Feuer an, datz
alles brannte, was nicht aus Stein war, — das Moos der
Bänke, das Hvlz der Bäume. Als die rvte Blume zum
Himmel stieg, henlte das Hyättenpack, daß dicsen Frevel
die andern verübt, datz die anderen auch andere Baue an-
zünden, das Wasser des Stromes vergiften und die Wsge
bes Dschimgels ungangbar machen wollten, um in dem
Gewirr die Macht an sich zu reißen. Mit solchen Lügen
begann das Pack der Aasfresfer nach ihrer Art unter den
andern Rvdcln zn hansen. Das Hyünenpack schließt mm
die, die es hatzt, in finstern Höhlen ein, peinigt sie, fchnei-
det ihnen Hyänenflecke und Hyänsnstreifen ins Fell, es
zwingt sie zu heulen, wie Hyünen tim, es tötet die Go<
fangensn und tut sich an Leichen gütlich."

Nureines aus dor großen Menge der bedrückten Tiere
konnte entwischen. Das „Stinktier" wand sich geschickt
durch das Lianengewirr des Dschungels und gewann die
Freiheit. Da legte es sich erschöpft auf eino Eselshaut,
drückte dort seine Stinkdrüse aus und übergab das so ge>
rierte Pergament der Edjtion Correfour in der Menschen-
ftadt Paris. Diese druckte das Produkt der Drüse ab und
schrieb darüber: Egon Erlvin Kifch: „Eintritt vsrboten I"

ha.

/?llnc//llnL/m,,c/r/'/§///c/ren §/änk/es/aa/"

Das Programm der Wiener Ravag meldete vor kur-
zem ein Hürspiel, betitelt „Das Spiel vom heiligen
Rosenkranz". An sich ist es nicht verwunderlich, daß
im christlichen Ständestaät den Nadiohörern mit Vor>
liebe Heiligenspiele und Legenden vorgesetzt werdsn.

Aber: Jn dem heiligen Spiel finden L3 Schauspieler
Berwendung und von diesen sindlü Juden, also fast 75°/^.

Man handelt hier wahrscheinlich nach dem Gryndsatz,
der in der Zeitschrift „Der christliche Ständestaat" vom
18. S. 36 aufgcstellt wurde: „ ... Wir wollen aber noch
stnen Schritt weitergehen rmd geradezu behaupten, der

Jude sei Vvn uns als sozusagen ungetanftes Glied der-
selben Kirche zu betrachten, der wir angehören." (Judcn-
tum, Deutschtum >md Christentum. Ein Beitrag zimi
Problem des Antiseniitisrirus von Dr. Erwin Reisner.)

X. Y.

L§ bcumme// r'm /äesesaa//

Wenn wir nach langsn Semesterferien wieder ein-
rollen, frenen ivir uns, tvenn alles beim alten geblieben
ist, daniit wir unsern Gewohnheiten znr inneren Befrie-
drgung nachgehen lünnen. Wsr züm Beispiel — wie ich
— ohne die täglichs Zeitung nicht aüskmmnt, freut sich
immer wieder über dio wunderbare Einrichtung des Lese-
saals. Aber neulich hatte ich doch dortsellist eine kleige
Enttäuschung erlebt. Jch las in aller Ruhe mein Heimat-'
blättchen, hatte aber trotz der souveränen Qualität dieser
Zeitung ein unbefriedigtes Äsfühl. Es fehlte irgend
etwas. Aber kaum war ich übsr den Lokales-Teil zur
politischen Zeitbetrachtung übergegangen, da setzte es
ein, jenes wunderbare, aüs tiefem Bauche hervorstrü-
menoe, altgewohnte Brummeln — nicht etwa bei mir.
Vielmehr fllttte es den ganzen Naum, sehr dezent und
zurückhaltend, aber doch durchdringend. Jetzt wnßte ich
es wieder. Das gehört eben noch zum Zeitnnglesen. So
wie zu Hoidelberg das Schloß und wie zu Berlin die
Molle, so wie zum Nachmittagskaffee die Radiomusik —
so gehürt zvm Zeitungslesen im Lesesaal dieses Brum-
meln. Jch möchte es jedenfalls nicht missen ...

fri

^ec/cllA§/,'elle?

Als im 1ö. Jahrhundert sich die Franzosen mit Lok-
kungen und Versprechen an Straßburg heranmachten,
um diese deutsche Stadt kampflos zu gewinnen, schreibt
oin Straßburger: „An ihren Sachen ist weder Treu noch
Glauben; was sie auch versprechen, verbriefon oder gar
bersiegeln, sie halten's nit!"

Die Dentschen werfen also in diesem Jahrhundert des
angeblichen Begimies der deutsch-französischeu „Erb-
feindschuft" den Franzosen Vertragsuntrev« vor. (Es
gibt aus dieser Zeit noch mehr Zeugnisse dieser Art.)

Jronie der Geschichte? fri


-ZW
 
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