Hugo Helbing <München> [Editor]
Sammlungen Direktor R. Zahn, Plauen: Versteigerung in der Galerie Helbing in München (Band 1): Antiquitäten: Porzellane, Arbeiten in Glas und Glasgemälde, Arbeiten in Edelmetall, Bronze, Email, Terracotta und Holz, Miniaturen und Farbstiche, Textilien usw. ; Dienstag, den 20. November 1917 — München, 1917

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VORWORT

T~^\ie vorliegende Sammlung von Antiquitäten aus der Sammlung Zahn

Jj__/ zeichnet sich durch ihre außerordentliche Mannigfaltigkeit aus, die fast

aus jedem Gebiet des Kunstgewerbes mit Ausnahme der fehlenden Möbel
besondere Stücke enthält.

Unter den Keramiken ist neben italienischen Stücken und einem ver-
einzelten Raerner Kurfürstenkrug (4) Kreußen durch die dickbauchigen
standfesten Krüge mit farbenfroher Bemalung gut vertreten, Bayreuth
weist u. a. einen frühen, sicher beglaubigten Steinzeugkrug (10) auf, dessen
Zinnmontierung als dekoratives Musterbeispiel dienen kann, von Delft sind
ein Paar buntglasierte Prunkvasen, wohl Arbeiten des Adriaen Pynacker
vorhanden (39, 40). Unter den Porzellanen gehen auf Berlins besten Mo-
delleur, den früher in Meißen tätigen Wilhelm Christian Meyer die beiden
Statuen des Herkules und der Venus zurück (13, 14). Frankenthal weist
das seltene Modell der Diana von Johann Friedrich Lück auf (17), und die
gleichfalls sehr seltenen Modelle der vier Erdteile, stolze Figürchen mit bril-
lanter Bemalung (19—22) und schließlich noch die öfter vorkommende
Schäfergruppe (23). Von Höchst ist die bekannte kleine Türkin (25) und der
frische Knabe, auf ein Melchiormodell zurückgehend, vorhanden (26).
Meißens Glanzzeit repräsentieren ein Kändlermodell, der Schneider auf
dem Ziegenbock (30), sowie ein vorzüglich erhaltenes großes Höroldservice,
dessen geistreiche prickelnde Bemalung immer eine Ausnahmestellung unter
den dekorierten Servicen bilden wird (28). Von Wien sei neben einer größeren
Puttengruppe (36) nur das feine Figürchen des Winzers (35) aufgeführt, in
Haltung und Dekor eines der zierlichsten Porzellanstücke. Von andern
Fabriken erwähnen wir Damm (15,16), Gotha (24), Ludwigsburg mit einer
etwas überladen dekorierten Spinettspielerin (27), Sevres (32, 33), Kloster
Veilsdorf (34) und Zürich (37, 38).

In der Abteilung Glas sind eine Anzahl böhmischer und deutscher Gläser
(41—51), darunter zwei gute Zwischengoldgläser (48, 49). Der Schwer-
punkt der Sammlung liegt in den nun folgenden Abteilungen der Glasge-
mälde und der Edelmetallarbeiten. Die Glasgemälde stammen zum größten
Teil aus der Sammlung Lord Sudley, es seien aus den 35 Stück nur einige
herausgegriffen, so unter den Schweizer Scheiben die klargegliederten, farben-
satten Arbeiten von Christoph Murer (54—56), dann die schöne Wappen-
scheibe des Klosters Muri (58), die heraldisch prächtig durchgeführte Berner
Ämterscheibe (64), die Scheiben Nr. 63 und 75 und die auch technisch be-
merkenswerte Bannerträgerscheibe von Schwyz von 1626 (67); von älteren
deutschen und Schweizer Scheiben, die naturgemäß immer nur noch ver-
einzelt auftauchen, seien erwähnt die beiden groß stilisierten Kirchenscheiben
mit den Schusterheiligen Krispin und Krispinian vom Ende des 15. Jahrhun-
derts (60,61), die zwei Figurenscheiben mit dem Wappen der Herzöge von
Österreich (72, 74), von seltener Schönheit der Farbe, und eine der besten
Scheiben in Zeichnung und Kolorit, der Wappenscheibe von Lichtenfels (73).

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