Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Internationale
^ammfer^ßifunj
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde.
Herausgeber: Norbert Ehrlich.

9. Jahrgang. Wien, 15. Juli 1917. Nr. 14.

Alte Malereien in Frankfurt a. M.
Von Chr. Mangold (Frankfurt a. M).

Frankfurt am Main gewann seine historische Be-
deutung dadurch, daß es einst als Hofstadt, als Auf-
enthaltsort der Kaiser Karl der Große, Ludwig der
Fromme, Karl der Kahle und deren Nachfolger
diente. In den Räumen, in denen die Wahlen, die
Krönungen und die damit verbundenen Festlichkeiten
stattfanden, entfaltete sich reiche Kunst, von der uns noch
mancherlei Überreste Zeugnis geben. Wie aber so viele der
herrlichsten Erzeugnisse der alten Malkunst einst
der Übertünchwut, dem Weißpinsel zum Opfer fielen,
so auch die schönen Wandmalereien, die einst die
Wahlstube unseres Rathauses zierten. Auch sie wurden,
da sie durch die Zeit sehr gelitten hatten — erfreulicher-
weise, nachdem sie vom Maler Hans Fetter in seinem
Wappenbuche kopiert worden waren -—-, einfach über-
tüncht und durch Tafelgemälde ersetzt, die erst bei
der Neuherrichtung des Wahlzimmers, also 1731,
wieder entfernt wurden und bis zum Ende des 19. Jahr-
hunderts zur Ausfüllung der Wände auf der 1741
erbauten neuen Kaisertreppe dienten. Heute sind diese
sechs Bilder, so weit sie noch erhalten sind, an ver-
schiedenen Stellen im neuen Rathause untergebracht.
Ursprünglich, als der Rat der freien Stadt Frank-
furt die Wahlstube mit einem Fries dekorieren ließ,
waren es elf Gemälde. Auf jeder Langseite der Stube
befanden sich vier, auf der Schmalseite drei dieser
Gemälde. Das Krönungsdiarium Karl VII. von 1711
zeigt uns in einer Abbildung die Wahlstube mit diesen
Gemälden.
Wie schon erwähnt, sind uns sechs dieser Gemälde
bis heute erhalten geblieben. Es sind Arbeiten folgender
Künstler: Von Martin von Falckenburgh der
,,Triumphzug des Sesostris mit den vier gefangenen
Königen", aus dem Jahr 1633, auch die
„Historia von vier Königen, so am Wagen ziehen“
genannt. Auf dem Bilde ist der König Sesostris auf
dem Wagen stehend dargestellt, der von vier Königen
gezogen wird. Viel Volk ist auf dem Bilde zu sehen,
das dem Triumphzuge beiwohnt. Von Johann Elss-
heimer: „Der Tod der Virginia“, auch genannt:
„Historia von Claudii Tochter Erstechung 1632“.
Balthasar Behem: „Historia vom Urtel Salomonis“,
bezeichnet 1631. Jedenfalls ist von ihm auch das
Gemälde, von dem Gewinner*) sagt, daß es in alter
Zeit die Wand über der in das Wahlzimmer führenden
*) Gewinner Kunst und Künstler in Frankfurt a. M.

Türe deckte. Abraham de la Rue: „Die Großmut des
Scipio Africanus“, auch die „Geschichte von Pipino“
benannt. Hier ist die Szene dargestellt, wie Scipio
Africanus nach der Erstürmung Neu-Karthagos in
Spanien, einem jungen Paare großmütig die Freiheit
schenkt; die weibliche Gestalt neigt sich dankend
gegen Scipio, während die männliche Gestalt kniend
neben der weiblichen abgebildet ist. Viele Soldaten
und Volk stehen um die Gruppe herum, die in greller
Beleuchtung gemalt ist, während die untere Ecke
links und die obere rechts sehr tief abgetönt ist. Dieses
Bild charakterisiert so recht die Malweise der damaligen
Zeit, wobei die Hauptgruppen grell hervortreten, als
stehen sie im stärksten Sonnenlicht, während die Um-
gebung in den tief braunen, fast schwarzen Tönen bis
zur Undeutlichkeit gehalten ist. Das Bild ist nach
Gewinner im Jahre 1639 dem Künstler von dem
Rate der freien Wahl- und Reichsstadt Frankfurt mit
18 Gulden bezahlt worden. Es folgt ein weiteres Bild
von Hans Jakob Schöffer: „Das Schwert des Damo-
kles“, datiert 1632. (Gewinner bezeichnet es mit
„Das Gastmahl des Belsazzar“.) Auf der rechten Bild-
seite im Mittelgründe sehen wir unter einem Baldachin
Damokles an einem kleinen runden Tische sitzend,
von Dienern bedient, aber sein Blick ist entsetzt nach
der Decke gerichtet, weil er bemerkt, daß an der
Baldachindecke an einem Roßhaar ein Schwert über
seinem Kopfe hängt, das bei der geringstenErschütterung
herunter zu fallen droht. Auf der linken Seite des
Bildes sitzen musizierende Frauengestalten, im Vorder-
gründe rechts der Schenke solche mit goldenen Wein-
gefäßen; in der Mitte schreitet der Tyrann Dionys von
Syrakus mit seiner Gemahlin auf den Tisch zu, an dem
Damokles seinen Platz eingenommen hat. Das ganze
Gemälde strotzt von figürlichen Darstellungen, von
denen ganz besonders einige Frauenköpfe sehr präzis
und sicher in ihrer Farbengebung gleich den kostüm-
lichen Ausführungen jener Zeitepochen ausgeführt sind.
Hier schließt sich noch das Gemälde von Heinrich
van der Borclet „Historia von der Salbung Daniels
zum König“ an.
Infolge des Wachstums der Stadt reichten die
ursprünglichen Räume des alten Rathauses nicht mehr
aus, weshalb dieses im 17. Jahrhundert einen aber-
maligen Umbau erfuhr. Aus dieser Zeit stammt ein
Gemälde des Frankfurter Malers Philipp Uffenbach,
 
Annotationen