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Internationale
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde.
Herausgeber: Norbert Ehrlich.

9. Jahrgang.

Wien, 15. September 1917.

Nr. 18.

Ludwig Lobmeyrs Bildersammlung.

In Wien war die Bildersammlung Ludwig Lobmeyrs
nicht nur durch die vielen Gesellschaften, die er gab,
sondern auch durch zwei Ausstellungen im. Künstler-
hause in den Jahren 1889 und 1904 und durch die
Kunst Wanderungen, denen sie 1902 zugängTch waren,
bekannt, außerhalb der Residenz wußten aber nur
wenige, daß der Großindustrielle, dessen Namen mit
der Regeneration der Glaskunst verknüpft ist, eine
äußerst kostbare Sammlung von Gemälden sein Eigen
nannte. Das Hauptgewicht legte dieser Österreicher
von altem Schrot und Korn auf die heimischen Künstler,
zu denen er auch vielfach freundschaftliche Bezie-
hungen unterhielt.
Charakteristischer weise stammen die meisten Bilder
Lobmeyrs, wie wir dem trefflichen, durchaus objektiv
gehaltenen Vorwort Arpad Weixelgärtners zum
Auktionskatalog entnehmen, aus der Makartzeit .Makart
selbst ist durch ein Bild mit zwei lebensgroßen Figuren
und etliche Studienblätter vertreten, unter denen die
eines großen Wurfes nicht ermangelnde Tuschzeich-
nung, die Brünnhild mit Siegmunds Leichnam darstellt,
und der goldgehöhte Sepiaentwurf für das Kostüm.,
das der Kronprinz Rudolf als Karl V. beim Wiener
Festzug im Jahre 1879 trug, besondere Aufmerksamkeit
verdienen. Von Canons lebensgroßen Studienköpfen
dürfte das Porträt des Malers Trübner am meisten
interessieren. Von Munkäcsy besaß Lobmeyr die
kleineren, aber vollkommen bildmäßig ausgeführten
Entwürfe zu dreien von dessen berühmtesten Ge-
mälden: zum „Christus vor Pilatus“, zum. „Mozart“
und zum „Milton“.
Lichtenfels ist durch eine ganze Reihe von Land-
schaften vertreten, die alle für ihre etwas trockene und
magere Farbe durch ihre solide Zeichnung entschädigen.
Nachzügler der Alt wiener Genremalerei sind der Wald-
müller-Schüler Löffler-Radimno mit einem Land-
schulmeister, der sich an einem von der Mutter eines
Zöglings gespendeten Eßkorb erfreut, Hausleithner
mit einem manieriert gefärbten Aquarell und, kräftigen,
charakteristischen Bänkelsängerstudien in Öl, Anton
Müller mit tüchtigen Zeichnungen und Greil mit
vielen Aquarellen, deren beste so gut und mit so an-
spruchslosem Humor erzählt sind, daß man darüber
die mangelhafte Schulung und die allzu schablonenhafte
Gewandtheit dieses sympathischen Talentes beinahe
vergißt.

Lobmeyr hat im wesentlichen um 1890 zu sammeln
aufgehört. Gleichwohl sind einige jener Künstler, die
dann am Ende der neunziger Jahre mit der Gründung
der Wiener „Sezession“ ein neues Kapitel der Ge-
schichte der österreichischen Kunst einleiteten, bereits
bei ihm vertreten: so Jettei durch ein holländisches
Motiv, Bernatzik durch ein großes, breites Aquarell
mit einer kaffeemahlenden alten Frau, Baron Myrbach
durch ein Aquarell, das die Vorlage zu einer seiner
vielen farbigen Illustrationen in Frederic Massons
Buch „Aventures de la guerre 1792-—1809“ ist, Orlik
durch die kleine Aquarellstudie eines japanischen
Mädchens, Schwaiger durch ein paar ausdrucksvolle
Studienköpfchen und als letzter, der Reihenfolge, nicht
der Bedeutung nach, Gustav Klimt. Von ihm. ist nur
ein kleines Aquarell vorhanden, das eine junge Wiener
Dame vom Jahre 1890 (denn um diese Zeit, da er mit
seinem Bruder Ernst und mit Matsch an den Zwickel-
bildern fürs Stiegenhaus des Kunsthistorischen Hof-
museums arbeitete, muß das delikate Bildchen ent-
standen sein) in griechischem Kostüm und in griechi-
scher Umgebung darstellt. Auch von Ernst Klimt
besaß Lobmeyr ein Aquarell, gleichfalls eine junge
Wienerin, aber in der (wenig erbaulichen) Tracht und
Umwelt ihrer Zeit. Technisch sind die beiden Blätter-
nahe verwandt, dem Inhalt, der Auffassung nach
stehen sie himmelweit voneinander ab. Ernst Klimts
Bild wirkt veraltet, wie tot, das des Bruders, in dem
bereits deutlich dessen in allem Künstlerischen auf das
Ungewöhnliche gerichteter Sinn zutage tritt, zuckt
vor Leben, zeigt in die Zukunft, verrät die Klaue des
Löwen.
Der erste Präsident der Sezession, Rudolf Alt, ist
bei Lobmeyr glänzend vertreten, aber auch der Vater
Jakob und der Bruder Franz lassen sich in der
Sammlung gut kennen lernen. Des letzteren Innenbild
aus dem Palazzo Vendramin gehört zum Allerbesten,
was er gemalt hat, und Jakob Alts kleine Blätter, die
beiden mit dem Kastell von Trient und S. Giovanni
in Laterano etwa, lassen ihn deutlich als den Vorläufer
des Sohnes erkennen. Von diesem kommen außer einem
Ölbild nicht weniger als 72 Aquarelle zur Versteigerung.
Sie rühren aus nicht weniger als sechs Jahrzehnten her.
Das früheste Datum, 1831, steht auf der Baumstudie
aus Kaumberg, das späteste, 1885, auf dem großen
Blatt mit dem Hauptplatz von Bruck an der Mur zu
 
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