Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 1.1883

Page: 154
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KAISER MAXIMILIAN I. TRIUMPH.

Von

Franz Schestag.

66.

ie herrlichen Blüthen, welche die deutsche Kunst am Beginne des 16. Jahrhunderts
trug, veranlassten den Kaiser Maximilian I., sich der grossen Meister dieser Zeit auch
zur Verherrlichung seines erlauchten Geschlechtes und zur Verewigung seiner eigenen
Thaten zu bedienen. Er hielt es nämlich für seine Aufgabe, nicht nur für des Reiches
Wohl und seines Hauses Ehre zu wirken, sondern auch dafür zu sorgen, dass diese
Thaten dem Gedächtnisse der Nachkommen überliefert werden. Ganz offen spricht

er sich im Weisskunig darüber aus, wo es heisst: «-----Wer Ime in seinem leben

kain gedachtnus macht, der hat nach seinem todt kein gedächtnus vnd desselben menschen wirdt mit dem
glockendon vergessen; vnd darumb so wirdt das gelt so ich auf die gedechtnus ausgib nit verloren, aber
das gelt das erspart wirdt in meiner gedachtnus das ist ein unterdruckuug meiner künftigen gedächtnus
vnd was Ich in meinem leben in meiner gedächtnus nit vollbring, das wirdt nach meinem todt weder durch
dich oder ander nit erstat.» '

Dieser Intention für das Gedächtniss zu sorgen entsprangen: das Geschlecht des Kaisers, die Heiligen
aus der Familie des Kaisers, der Freydal, der Theurdank, der Weisskunig, der Triumphzug und die Ehren-
pforte, von welchen die beiden ersten Werke die Geschichte des Hauses, die übrigen die des Kaisers zum
Gegenstande haben.

Der Triumph oder Triumphzug, in den gleichzeitigen Quellen gewöhnlich Triumphwagen genannt,
ist vollständig in allen Details vom Kaiser selbst erfunden, und nur die endgiltige Redaction des Entwurfes
wurde im Jahre 1512 dem Geheimschreiber Marx Treitzsaurwein übertragen.

Diese Redaction, von der eigenen Hand Marx Treitzsaurweins niedergeschrieben, hat sich in dem
Manuscripte der k. k. Hofbibliothek Nr. 2835 erhalten, und der Titel desselben: «Was in disem puech
geschriben ist, das hat kaiser Maximilian im XVC und XII. Jar mir Marxen Treytzsaurwein seiner kay. Mt.
Sekretary müntlichen angeben», gibt einen unwiderlegbaren Beweis für den Antheil des Kaisers am
Triumph.

Wir lassen hier den Text dieses Manuscriptes folgen und fügen nur einige Ergänzungen aus den
beiden auf Pergament ausgeführten Miniaturmalereien2 der k. k. Hofbibliothek bei. Diese Ergänzungen
sind vom Anfange bis zu Blatt 49 der Copie, von Blatt 5o bis zum Schlüsse dem Originalentwurfe, welcher
sich einstens in der Bibliothek des Stiftes St. Florian befand, entnommen; nur wo diese nicht ausreichen
wird das Manuscript der k. k. Hofbibliothek Nr. 28o5, eine gleichzeitige Beschreibung der Original-
miniature, herangezogen.

1 Der Weisskunig. Wien 1773, Fol., p. 69.

2 Die Copie besteht aus einem Bande von 109 Pergamentblättern von 93 Ctm. Breite und 53 Ctm. Höhe. Beim
Urigmalentwurfe ist das Pergament etwas kleiner, die Darstellungen jedoch sind genau von derselben Grösse. Ferner ist

eim Originale das auf Tafel XVIII. wiedergegebene Blatt mit den zwei Figuren, von denen die rechts Marx Treytzsaurwein
rsteut, am Ende, während es in der Copie das erste Blatt bildet. Daher beginnt auch auf p. 155 die Nummerirung der
Miniaturen mit Nr. 2.
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