Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 5.1887

Seite: 263
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EIN STATUTENBUCH DES ORDENS VOM GOLDENEN VLIESSE.

Von

Dr. Theodor Frimmel und Joseph Klemme.'

I.

eit dem Jahre i783 besitzt die k. k. Hofbibliothek eine reich illustrirte Handschrift,
die in inniger Beziehung zur Geschichte des Ordens vom goldenen Vliesse steht. Das
Buch2 enthält neben den Statuten des Ordens und einem Verzeichnisse der Ordens-
ritter mehrere Fürstenbildnisse und eine lange Reihe von Wappen, so dass es in
ikonographischer und heraldischer Beziehung nicht geringes Interesse in Anspruch
nimmt. Dazu kommt eine überaus saubere, wenngleich etwas unfreie Ausführung
der Bilder, deren die Handschrift, wie angedeutet, eine grosse Anzahl birgt. So dürfte
es denn gerechtfertigt erscheinen, diesen Codex, der eine eingehende Würdigung bisher noch in keiner
Beziehung gefunden hat, in Bild und Wort vor die Oeffentlichkeit zu bringen.

Der vorliegende »livre des ordonnances de la toison d'or« ist ein massig dicker Pergamentband von
116 Blättern, wenn man die Schutzblätter zu Anfang und zu Ende, sowie eine wenig belangreiche Ein-
schaltung von sechs Papierblättern inmitten des Codex abrechnet. Die Blätter messen o-283 M. in der
Höhe, o'2i M. in der Breite und weisen ein durchaus wohlgeglättetes Pergament auf, das in dem grösseren,
älteren Theile der Handschrift (bis Fol. 101) etwas dicker ist als in dem nächst jüngeren Theile. Die
letzten Blätter bestehen dann wieder aus dickerem, etwas weniger sorgsam bereitetem Pergament.

Der Einband, in seiner Ausdehnung die Blätter nur um Weniges überragend, besteht aus Pappe, die
mit Pergament überzogen ist. Dieses zeigt einen dunkelgrünen, zum Theil verriebenen Anstrich. Stellen-
weise gewahrt man Wurmstiche. Nahe dem vorderen Rande sind auf beiden Deckeln noch geringe Reste
von je zwei gelben Seidenbändern erhalten, welch' letztere, einander auf beiden Buchdeckeln correspondirend,
offenbar ehemals für den Verschluss des Buches gedient haben. Die Innenseite der Deckel ist mit weissem,
nunmehr etwas vergilbtem, geschöpftem Papier überzogen. Zu Anfang und zu Ende des Codex finden
sich drei Papierblätter, von denen mehrere grosse Wasserzeichen^ erkennen lassen.

■ Die allgemeine Beschreibung, sowie die kunstgeschichtliche Bearbeitung des Buches hat Dr. Frimmel übernommen;
der heraldisch-genealogische Theil der Abhandlung, sowie die Behandlung des Textes gehen aus der Feder von Joseph Klemme
hervor. (Anm. d. Red.)

2 Signatur 2606. Vor 1783 befand sich der Codex in der Schatzkammer. Vergl. den Urkundenanhang in Qu. v. Leitners:
Die hervorragenden Kunstwerke der Schatzkammer des österreichischen Kaiserhauses, S.56. In der Abtheilung: »Manuscnpte
und Zeichnungsbücher, so aus der k. k. Schatzkammer in die k. k. Bibliothek übersetzt worden ddo 14. Aug. 1783« wird as
Nr. 3 unser Codex erwähnt als » ein schönes Manuscript in grünen Pergament gebunden, die Stiftungen und Kegel es

von goldenen Vlieses, mit schönen Miniaturen in 4to«.

3 Es sind dies folgende: Auf dem 1. und 2. Blatte zusammen ein grosser Schild mit symmetrischen Ausschnitten und
aufgerollten Ornamenten. Ueber dem Schild jederseits ein lateinisches M; unter dem Schild mitten ein A mit winkelig geknicktem
Querbalken, wenn nicht etwa ein M gemeint ist, dessen äussere Balken, nach oben verlängert, sich am Rande des Schildes ver-
einigen. Im Schilde eine grosse Traube, die aus einem polygnen Fusse aufsteigt, Gesammthöhe 0,097- Das 3. Blatt ze.gt nur
ein kleines Stück eines Wasserzeichens, ein Kreuz. - Zwei Blätter zu Ende des Codex führen folgendes Wasserzeichen: ein
fast quadratisches Feld zeigt an den Rändern s-förmig gebogene Ornamentlinien; darüber eine Art Krone. In der obern Hälfte
der Fläche liest man links ein lateinisches W, rechts ein M. In der unteren Hälfte ist eine Schlange dargestellt. H. 0-046 M,
Br. 0-043 M-

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